Alle Artikel · 27.10.2024 12:18
Die Citadelle von Besançon: Eine Zeitreise auf Frankreichs schönstem Verteidigungsbauwerk
Hoch über der charmanten Stadt Besançon thront die mächtige Citadelle de Besançon – ein Meisterwerk der militärischen Architektur und ein Juwel der Region Bourgogne-Franche-Comté. Erbaut von Vauban, dem berühmten Festungsbaumeister Ludwigs XIV., gehört die...
Hoch über der charmanten Stadt Besançon thront die mächtige Citadelle de Besançon – ein Meisterwerk der militärischen Architektur und ein Juwel der Region Bourgogne-Franche-Comté. Erbaut von Vauban, dem berühmten Festungsbaumeister Ludwigs XIV., gehört die Zitadelle zu den beeindruckendsten Verteidigungsanlagen Europas. Doch sie ist weit mehr als nur eine historische Festung: Sie ist ein lebendiges Museum, ein Zufluchtsort für seltene Tierarten und ein faszinierendes Stück Weltkulturerbe, das Jahrhunderte von Geschichte in sich trägt.
Ein Blick auf die Festungsmauern: Ankunft und erster Eindruck
Wer Besançon besucht, kann der Citadelle nicht entkommen – im besten Sinne. Schon von weitem prägt sie das Stadtbild, da sie auf einem 118 Meter hohen Felsvorsprung errichtet wurde, der sich dramatisch über den Doubs-Fluss erhebt. Sobald man die Stadt betritt, fühlt man die Präsenz dieser Festung, die das Leben in Besançon seit Jahrhunderten beschützt und beeinflusst hat.
Der Aufstieg zur Zitadelle kann auf zwei Wegen erfolgen: Entweder zu Fuß über die steilen, sich windenden Straßen, die zur Festung hinaufführen, oder – wenn man sich etwas Komfort gönnen möchte – mit einem kleinen Shuttlebus, der Besucher bis zu den Toren des Bauwerks bringt. Der Fußweg ist jedoch durchaus lohnend: Während man nach oben strebt, eröffnen sich wunderschöne Panoramen auf die Stadt und die umliegenden Hügel – eine perfekte Einstimmung auf das, was noch kommt.
Ein Meisterwerk von Vauban: Die Geschichte der Zitadelle
Einst im späten 17. Jahrhundert als militärische Festung erbaut, wurde die Citadelle von keinem geringeren als Sébastien Le Prestre de Vauban, dem Genie hinter zahlreichen französischen Befestigungsanlagen, entworfen. Ihre strategische Lage an einer Schleife des Doubs machte Besançon zu einem Schlüsselpunkt für die Verteidigung Ostfrankreichs. Obwohl die Festung nie in eine bedeutende Schlacht verwickelt war, symbolisiert sie doch die Macht und den Einfallsreichtum des französischen Militärs während dieser Ära.
Was macht Vaubans Arbeit hier so besonders? Zum einen die beeindruckenden, über zwei Kilometer langen Mauern, die bis zu 20 Meter hoch und bis zu 6 Meter dick sind – kaum vorstellbar, dass diese Wände einst die fortschrittlichste Verteidigung Europas darstellten. Doch Vauban dachte nicht nur an dicke Mauern: Das Design der Zitadelle nutzte die natürliche Topografie perfekt aus und machte sie nahezu uneinnehmbar. Jeder Winkel der Festung, jedes Tor, jede Bastion folgt einem durchdachten Plan, der die Festung selbst heute noch uneinnehmbar erscheinen lässt.
Ein Ort voller Vielfalt: Entdeckung der Sehenswürdigkeiten
Die Zitadelle bietet heute weit mehr als nur militärische Geschichte – sie ist ein lebendiges Zentrum für Kultur, Bildung und Tierwelt. Kaum betritt man den Innenhof, fühlt man die Atmosphäre vergangener Jahrhunderte, aber auch den Puls eines modernen Erlebnismuseums. Die Citadelle beherbergt mehrere Museen, die alle in die historische Struktur der Festung integriert sind und unterschiedliche Aspekte der Geschichte und der Kultur beleuchten.
Das Museum des Widerstands und der Deportation
Ein Ort, der unter die Haut geht, ist das Musée de la Résistance et de la Déportation. Es erzählt die erschütternde Geschichte des französischen Widerstands während des Zweiten Weltkriegs und erinnert an die Opfer der Deportation durch die Nationalsozialisten. Fotos, Dokumente und Augenzeugenberichte machen den Besuch zu einem emotionalen Erlebnis, das einen tiefen Eindruck hinterlässt.
Naturhistorisches Museum und Zoo
Ein anderes Highlight, das man hier nicht erwarten würde, ist das Naturhistorische Museum mit seinem kleinen, aber feinen Zoo. Besonders Familien und Tierliebhaber kommen hier auf ihre Kosten, denn die Zitadelle hat sich auch dem Schutz bedrohter Tierarten verschrieben. Im Zoo leben Affen, Raubkatzen und sogar Lemuren – die malerischen Bastionen der Festung bilden dabei eine außergewöhnliche Kulisse für die Tiere.
Insektenhaus und Aquarium
Ein weiterer ungewöhnlicher Bestandteil ist das Insektenhaus, das zu den größten Europas zählt, sowie das Aquarium der Zitadelle. Hier können Besucher in die Welt der faszinierenden kleinen Kreaturen eintauchen, die unsere Ökosysteme prägen, und lernen, warum diese oft übersehenen Tiere so wichtig für unser Überleben sind.
Kulinarik in der Zitadelle: Ein historisches Essenserlebnis
Nach einem intensiven Rundgang durch die Festung und ihre Museen ist es an der Zeit, sich eine wohlverdiente Pause zu gönnen. In der Zitadelle gibt es ein charmantes Café, das traditionelle Gerichte aus der Region Bourgogne-Franche-Comté serviert. Probieren Sie unbedingt den Comté-Käse, der hier in der Region produziert wird. Auch eine herzhafte Quiche comtoise oder die berühmte Saucisse de Morteau sind köstliche Optionen, um sich für den nächsten Abschnitt der Entdeckungstour zu stärken. Mit etwas Glück lässt sich das Essen sogar mit einem spektakulären Blick auf das Tal genießen – ein wahres Fest für alle Sinne.
Panoramablick: Ein Moment der Stille über der Stadt
Ein absolutes Muss bei jedem Besuch der Citadelle ist der Aufstieg zu den höchsten Punkten der Festung, von wo aus sich ein atemberaubendes Panorama über Besançon und die umgebende Landschaft bietet. Auf den Plattformen der Bastionen zu stehen, mit den Winden des Juras, die um einen wehen, und den Blick auf die malerische Doubs-Schleife zu richten – das ist ein Gefühl von Freiheit, das man so schnell nicht vergisst.
Dieser Blick allein lohnt den Aufstieg. Kann es einen schöneren Ort geben, um die Seele baumeln zu lassen? Die Aussicht weckt nicht nur Fernweh, sondern lässt einen auch über die Größe der Geschichte und die Einflüsse vergangener Jahrhunderte nachdenken.
Abschließende Empfehlungen für einen perfekten Besuch
Für den Besuch der Citadelle de Besançon sollte man mindestens einen halben Tag einplanen, um alles in Ruhe entdecken zu können. Besonders empfehlenswert ist es, sich einer geführten Tour anzuschließen, um tiefere Einblicke in die Architektur und Geschichte der Festung zu bekommen. Wenn die Zeit es zulässt, lohnt es sich auch, am Nachmittag noch durch die Altstadt von Besançon zu schlendern, die mit ihren verwinkelten Gassen, kleinen Cafés und historischen Gebäuden ebenfalls ihren Charme versprüht.
Und noch ein kleiner Tipp: Wer die Zitadelle im Frühling oder Herbst besucht, kann die Farben der Jahreszeiten in vollem Glanz erleben – im Frühling blühen die Blumen in den Gärten der Festung, während im Herbst das Laub der umliegenden Wälder in Gold und Rot leuchtet.
Die Citadelle de Besançon ist mehr als nur ein Bauwerk – sie ist ein lebendiges Zeugnis der Geschichte, ein Zentrum für Kultur und Natur und ein Ort, an dem man die Zeit vergisst. Wer einmal auf diesen alten Mauern steht, versteht, warum sie als eines der Wahrzeichen Frankreichs gilt. Ein Besuch hier ist keine Reise in die Vergangenheit, sondern eine Reise zu sich selbst – mit der Gewissheit, ein kleines Stück Geschichte hautnah erlebt zu haben.