Aktuell · 03.07.2026 14:05
„Dieses Projekt weiterzuführen war meine Verantwortung“: Yoon Sunwoo zeigt neuen „Pari“ in der Galerie Florence Loewy
In Paris entwickelt die Künstlerin ihr partizipatives Ritual weiter: Bei „Pari“ werden Schmuckstücke getauscht und persönliche Erinnerungen verhandelt – nun im intimen Rahmen der Galerie Florence Loewy.
Paris – 03.07.2026: Die Künstlerin Yoon Sunwoo hat in der Pariser Galerie Florence Loewy eine neue Fassung ihres Projekts „Pari“ präsentiert. Mit dem Satz „Dieses Projekt weiterzuführen war meine Verantwortung“ begründet sie den Schritt, ihre partizipative Arbeit nach „Le Pari #0–#99“ von 2023 fortzuschreiben und an den aktuellen Ort anzupassen.
Die Performance knüpft formal an die frühere Version an, verschiebt aber deren Schwerpunkt. Wieder steht ein Tauschritual im Zentrum: Besucherinnen und Besucher können Schmuckstücke einbringen, Erinnerungen teilen und Objekte gegen andere Dinge eintauschen. Der Moment des Gebens und Nehmens wird dabei zum eigentlichen Medium – weniger eine Schau fertiger Werke als ein Prozess, der Bedeutungen, Besitz und Wertvorstellungen neu verhandelt. In der konzentrierten Situation der Galerie entsteht so ein stilles Labor, in dem persönliche Geschichten an Gegenstände gebunden und zeitweise neu verteilt werden.
Sunwoos Praxis bewegt sich zwischen Schmuckkunst, Performance und sozialer Plastik. Sie nutzt tragbare Objekte als Marker gelebter Biografien und öffnet Verhandlungen über Handhabe, Erinnerung und Verantwortung. Fragen wie „Wer gibt was, warum und an wen?“ strukturieren den Ablauf. Sichtbar wird, wie stark Alltagsdinge von Beziehungen geprägt sind und wie Kunst als Vermittlerin funktionieren kann, ohne die Souveränität der Teilnehmenden zu unterlaufen.
Ausbildung und bisherige Stationen der Künstlerin geben dem Projekt Kontur: Sunwoo hat an der Haute école des arts du Rhin studiert und in Paris wiederholt mit Häusern und Festivals zusammengearbeitet, darunter bei Parcours Bijoux 2023, wo „Le Pari #0–#99“ erstmals Aufmerksamkeit erhielt. Die jetzige Ausgabe versteht sich nicht als spektakuläre Neuerfindung, sondern als konzentrierte Weiterführung – eine Fortsetzung der damals etablierten Ethik des Teilens und Zuhörens, nun in einem institutionelleren, zugleich intimen Umfeld.
Die Galerie Florence Loewy, die sich seit Jahren an Schnittstellen von Design, Buchkunst und zeitgenössischer Kunst bewegt, bietet dafür einen passenden Resonanzraum. Das Setting bleibt offen für Unvorhergesehenes: Gespräche können Form und Dauer der Begegnungen verändern, Tauschversuche scheitern oder gelingen, Erinnerungen stoßen auf Skepsis oder bekommen ein neues Gegenüber. Am Ende steht kein klassisch abgeschlossenes Werk, sondern ein Protokoll veränderter Beziehungen – zwischen Menschen, Objekten und Zeiten.
Mit „Pari“ unterstreicht Sunwoo, dass performative Schmuckkunst nicht bloß Gestaltungsfrage ist, sondern soziale Choreografie: Das Wertvolle entsteht im Austausch. Die Präsentation lädt ein, diese Dynamik mitzuvollziehen – und Verantwortung für das, was man gibt und annimmt, bewusst zu übernehmen.
Quellen
- franceinfo
- Klimt02 – Parcours Bijoux 2023
- Le Bijoutier International – Programmübersicht 2023
- Paris Musées – Dossier 2023