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Alle Artikel · 16.06.2025 07:20

Distanz: Frankreich hält sich aus Israels Verteidigung gegen Iran heraus

Der Nahe Osten steht erneut in Flammen – und Frankreich bleibt außen vor. Präsident Emmanuel Macron hat klargestellt, dass Paris sich an keiner militärischen Verteidigungsaktion Israels beteiligt hat. Der Grund? Israel habe schlicht nicht...

Der Nahe Osten steht erneut in Flammen – und Frankreich bleibt außen vor. Präsident Emmanuel Macron hat klargestellt, dass Paris sich an keiner militärischen Verteidigungsaktion Israels beteiligt hat. Der Grund? Israel habe schlicht nicht um Unterstützung gebeten.

Eine klare Ansage inmitten eines eskalierenden Konflikts zwischen zwei mächtigen Akteuren – Iran und Israel. In den letzten Tagen flogen Hunderte Raketen, Luftalarmsirenen heulten von Tel Aviv bis in den Süden Israels, und die Welt blickt erneut besorgt auf eine Region, in der ein Funke genügt, um einen Flächenbrand zu entfachen.

Frankreichs diplomatischer Balanceakt

Emmanuel Macron meldete sich gestern aus Nuuk in Grönland – eine symbolträchtige Kulisse für einen Präsidenten, der Distanz demonstrieren will. Er betonte: Frankreich habe sich nicht an den Verteidigungsmaßnahmen Israels beteiligt, weil keine Anfrage erfolgt sei. Das klingt nüchtern – ist aber politisch geladen.

Denn während im April 2024 noch französische Einheiten von einer Basis in Jordanien aus iranische Raketen auf Israel abfingen, hat sich das diplomatische Klima zwischen Paris und Tel Aviv seither merklich abgekühlt. Grund dafür: der israelische humanitäre Blockadekurs im Gazastreifen. Frankreich zeigt sich zunehmend kritisch – ein enger Schulterschluss scheint derzeit ausgeschlossen.

Putins Vermittlerrolle? Macron winkt ab

Eine bemerkenswerte Szene spielte sich auf internationaler Bühne ab: Donald Trump, nie um markige Worte verlegen, brachte Wladimir Putin als möglichen Vermittler im Nahostkonflikt ins Spiel. Macron reagierte mit einem klaren Nein. Wer selbst internationales Recht ignoriere, könne kein neutraler Schlichter sein – so der französische Präsident.

Eine deutliche Kante, die Frankreich zeigt. Putin, der Angreifer im Ukrainekrieg, wird von westlichen Demokratien ohnehin als schwer vermittelbarer Akteur gesehen. Dass Trump ihn dennoch ins Spiel bringt, ist bezeichnend – und sorgt für Stirnrunzeln bei vielen westlichen Partnern.

Die USA als möglicher Vermittler

Trump hält auch eine amerikanische Beteiligung für denkbar. Zwar sei sein Land momentan nicht in den Konflikt involviert, doch eine künftige Rolle als Vermittler sei „möglich“. Eine Formulierung, die alles offen lässt – typisch für die aktuelle amerikanische Außenpolitik, die seit Trumps Comeback als extrem schwer berechenbar erscheint.

Doch was würde eine US-Vermittlung überhaupt bewirken – und ist sie noch glaubwürdig? Der Nahe Osten hat in den letzten Jahrzehnten erlebt, wie kurzlebig amerikanische Friedensinitiativen sein können. Dennoch: Ohne die USA bewegt sich in dieser Region wenig. Das weiß auch Macron.

Israel schlägt zu – mit aller Härte

Während auf der diplomatischen Bühne verhandelt wird, sprechen auf der militärischen Ebene Bomben. Israel hat in den letzten Tagen massive Luftschläge gegen den Iran geführt, darunter Ziele im Westen des Landes. Medien berichten von Angriffen auf Raketendepots und strategische Stellungen.

Die iranische Nachrichtenagentur IRNA bestätigte sogar den Tod mehrerer hochrangiger Offiziere der Revolutionsgarden. Für Israel ein symbolischer Sieg – und ein deutliches Zeichen: Wer Israel angreift, muss mit heftiger Reaktion rechnen.

Ministerpräsident Benyamin Nétanyahou ließ keinen Zweifel daran, dass sein Land bereit ist, einen hohen Preis zu zahlen – solange der Gegner einen noch höheren entrichten muss. „Der Iran wird einen sehr hohen Preis zahlen für den vorsätzlichen Mord an Zivilisten“, erklärte er bei einem Besuch in Bat Yam, einem Ort, der selbst Ziel eines iranischen Angriffs war.

Bilanz des Schreckens

Der menschliche Preis des Krieges ist bereits jetzt erschütternd. Allein in Israel starben durch iranische Raketenangriffe seit Freitag 13 Menschen – darunter drei Kinder. Weitere 380 Menschen wurden verletzt, teils schwer. In Iran ist die Opferzahl noch höher: Mindestens 128 Tote binnen zweier Tage.

Ein Pulverfass mit Zündschnur

Das Szenario erinnert an frühere Eskalationszyklen in der Region. Jeder Angriff erzeugt neue Reaktionen, jedes politische Manöver bringt weitere Spannungen. Und mittendrin die Zivilbevölkerung, die den höchsten Preis zahlt – oft vergessen hinter diplomatischen Floskeln und geopolitischen Strategien.

Frankreichs Zurückhaltung in dieser Situation – so nüchtern sie klingt – könnte sich als weitsichtig erweisen. Denn in einem derart explosiven Umfeld ist manchmal die größte Stärke, nicht reflexartig zu handeln.

Oder, um es mit einem alten französischen Sprichwort zu sagen: „Parfois, il faut savoir ne rien faire pour ne pas tout perdre.“ – Manchmal muss man wissen, nichts zu tun, um nicht alles zu verlieren.

Von Andreas M. Brucker

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