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Aktuell · 22.06.2026 14:47

Ehemaliger Justizminister Éric Dupond-Moretti wegen Verleumdung verurteilt

Der frühere französische Justizminister Éric Dupond-Moretti wurde für die Verleumdung eines Richters verurteilt, nachdem er diesen beschuldigt hatte, das Ermittlungsgeheimnis in einem Fall verletzt zu haben, in dem er selbst als Anwalt tätig war.

Paris – 22.06.2026: Der ehemalige französische Justizminister Éric Dupond-Moretti wurde heute von einem Pariser Gericht für schuldig befunden, den ehemaligen Ermittlungsrichter Édouard Levrault öffentlich verleumdet zu haben. Dupond-Moretti hatte Levrault beschuldigt, das Ermittlungsgeheimnis in einem Fall verletzt zu haben, in dem er selbst als Verteidiger auftrat.

Die Verurteilung basiert auf Äußerungen, die Dupond-Moretti im Jahr 2024 in einem Interview gemacht hatte, in dem er Levrault vorwarf, Informationen aus einem laufenden Verfahren an die Presse weitergegeben zu haben. Diese Anschuldigungen wurden von Levrault als unbegründet und schädlich für seinen Ruf zurückgewiesen.

Der Prozess zog aufgrund der prominenten Positionen der beteiligten Personen und der Schwere der Vorwürfe erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Dupond-Moretti, der von 2020 bis 2024 als Justizminister tätig war, hatte während seiner Amtszeit mehrfach für Kontroversen gesorgt, unter anderem durch seine scharfe Kritik an bestimmten Richtern und Staatsanwälten.

Levrault, der in der Vergangenheit in mehreren hochkarätigen Fällen ermittelt hatte, äußerte sich nach dem Urteil erleichtert und betonte die Bedeutung des Schutzes des Ermittlungsgeheimnisses für die Integrität der Justiz. Er erklärte, dass die Verleumdungsklage nicht nur seinem persönlichen Ruf, sondern auch dem Ansehen der gesamten Justizbehörde gegolten habe.

Dupond-Moretti, der für seine markanten und oft polarisierenden Aussagen bekannt ist, zeigte sich enttäuscht über das Urteil und kündigte an, Berufung einzulegen. Seine Verteidiger argumentierten, dass seine Äußerungen im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit als Anwalt und Minister gefallen seien und daher durch die Meinungsfreiheit gedeckt seien.

Die Verurteilung von Dupond-Moretti wirft erneut Fragen zur Beziehung zwischen Politik und Justiz in Frankreich auf. Kritiker werfen ihm vor, seine politische Macht genutzt zu haben, um die Justiz unter Druck zu setzen und persönliche Konflikte auszutragen. Befürworter hingegen betonen die Notwendigkeit, die Unabhängigkeit der Justiz zu wahren und solche Vorwürfe ernst zu nehmen.

Das Urteil wird voraussichtlich weitreichende Diskussionen über die Grenzen der Meinungsfreiheit und die Verantwortung von Politikern gegenüber der Justiz auslösen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Fall auf die politische Karriere von Dupond-Moretti und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die französische Justiz auswirken wird.

In der Vergangenheit war Dupond-Moretti bereits mit anderen rechtlichen Herausforderungen konfrontiert. Im November 2023 wurde er von der Cour de Justice de la République von Vorwürfen der Amtsmissbrauchs freigesprochen. Damals hatte das Gericht entschieden, dass keine "absichtlichen Elemente" in seinem Verhalten vorlagen.

Die heutige Verurteilung könnte jedoch das Ende seiner politischen Karriere markieren, insbesondere wenn die Berufung erfolglos bleibt. Sie unterstreicht die Bedeutung der Wahrung der Unabhängigkeit der Justiz und die Notwendigkeit, dass Politiker ihre Äußerungen mit Bedacht wählen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die staatlichen Institutionen zu erhalten.

Quellen

  • Franceinfo

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