Alle Artikel · 12.12.2024 09:30
Ein Femizid, der vielleicht hätte verhindert werden können - Der Prozess beginnt
Am Dienstag, dem 10. Dezember, begann im Departement Moselle ein Prozess, der die Tragödie eines Femizids verhandelt – ein Verbrechen, das möglicherweise hätte verhindert werden können. Im Mittelpunkt steht der brutale Tod von Stéphanie...
Am Dienstag, dem 10. Dezember, begann im Departement Moselle ein Prozess, der die Tragödie eines Femizids verhandelt – ein Verbrechen, das möglicherweise hätte verhindert werden können. Im Mittelpunkt steht der brutale Tod von Stéphanie Di Vincenzo, die 2021 von ihrem Lebensgefährten mit mehreren Messerstichen ermordet wurde. Besonders erschütternd: Der Täter hatte sich nur einen Tag zuvor seiner elektronischen Fußfessel entledigt, ohne dass ein Alarm ausgelöst wurde.
Eine Familie im Angesicht des Täters
Die Familie von Stéphanie Di Vincenzo sitzt geschlossen auf der Seite der Nebenkläger. Zum ersten Mal stehen sie dem Mann gegenüber, der ihre Tochter, Schwester und Freundin genommen hat. In der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 2021 eskalierte ein Streit zwischen Liridon Berisa und Stéphanie Di Vincenzo in der Stadt Hayange (Moselle). Stéphanie floh aus der Wohnung und rannte in Richtung einer nahegelegenen Polizeistation – doch diese war geschlossen. Ihr Lebensgefährte holte sie ein und tötete sie mit mehreren Messerstichen.
Ein Fall, der Fragen aufwirft
Bereits beim Prozessauftakt in Metz am 10. Dezember gestand Liridon Berisa die Tat. Doch der Fall wirft weiterhin schwerwiegende Fragen auf, vor allem im Hinblick auf den Umgang mit häuslicher Gewalt. Denn die Tragödie hätte wohl verhindert werden können: In den Monaten vor dem Mord war die Polizei zehnmal zur Wohnung des Paares gerufen worden. Stéphanie hatte sogar Anzeige erstattet, doch diese wurde nie an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.
Auch die elektronische Fußfessel, die Liridon Berisa tragen musste, funktionierte nicht wie vorgesehen. Einen Tag vor dem Mord hatte er das Gerät entfernt – ohne dass dies einen Alarm auslöste. Diese technischen und organisatorischen Mängel wurden später untersucht. Obwohl keine direkten Fehler festgestellt wurden, hob der Bericht hervor, dass es an Ressourcen fehle und eine bessere Koordination der Behörden notwendig sei, um häusliche Gewalt frühzeitig zu erkennen.
Lebenslange Haftstrafe möglich
Der Angeklagte steht vor der Möglichkeit einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Sein Geständnis ist zwar eindeutig, doch für die Familie von Stéphanie und die Öffentlichkeit bleibt die Frage: Wie konnte ein solches Verbrechen trotz aller Warnsignale geschehen?
Eine Lehre aus der Tragödie?
Der Fall Di Vincenzo ist mehr als eine persönliche Tragödie – er steht stellvertretend für die oft mangelhafte Prävention häuslicher Gewalt in Frankreich und anderswo. Der Mord hätte verhindert werden können, wenn die Anzeige der jungen Frau ernst genommen und die Fußfessel technisch einwandfrei funktioniert hätte.
Die Notwendigkeit besserer Strukturen, mehr Mittel und effektiverer Maßnahmen ist offensichtlich. Doch die eigentliche Herausforderung liegt tiefer: Es geht darum, eine Kultur zu schaffen, in der Warnsignale ernst genommen und Opfer geschützt werden – bevor es zu spät ist.
Die Hoffnung bleibt, dass dieser Prozess ein Wendepunkt sein könnte – nicht nur für die Familie von Stéphanie, sondern auch für all jene, die in ähnlichen Situationen Schutz suchen.