Alle Artikel · 28.09.2025 10:31
Ein Niederländer krönt sich in Arras zum Weltmeister der Fritte
Es war ein goldgelber Triumph – und das mitten im Herzen Nordfrankreichs. In Arras, jener Stadt, die für ihre Kopfsteinpflastergassen und herzliche Esskultur bekannt ist, stieg am Samstag die dritte Ausgabe der „Weltmeisterschaft der...
Es war ein goldgelber Triumph – und das mitten im Herzen Nordfrankreichs. In Arras, jener Stadt, die für ihre Kopfsteinpflastergassen und herzliche Esskultur bekannt ist, stieg am Samstag die dritte Ausgabe der „Weltmeisterschaft der Fritte“. Und siehe da: Der Pokal für die beste Fritte wandert diesmal nicht nach Belgien oder Frankreich, sondern in die Niederlande.
Der Sieger heißt Siem van Bruggen, ein Gastronom aus Utrecht. Sein Geheimnis? Eine Zubereitungstechnik, die den klassischen Kartoffelstäbchen eine ganz besondere Note verleiht. Bevor sie im heißen Öl baden dürfen, blanchiert van Bruggen die Fritten zunächst in Wasser, aromatisiert mit Rosmarin. Danach folgt ein doppelter Durchgang im pflanzlichen Öl. Das Ergebnis: außen knusprig, innen weich und zugleich mit einer feinen Kräuternote versehen.
„Ich bin glücklich über diese Auszeichnung. Bei uns in den Niederlanden sind Fritten ein fester Bestandteil der Esskultur“, erklärte der frischgebackene Weltmeister gegenüber den Veranstaltern. Seine Freude war unverkennbar – und man merkte, dass hier jemand nicht einfach nur Kartoffeln frittiert, sondern mit Leidenschaft ein Kulturgut veredelt.
Insgesamt traten 33 Kandidatinnen und Kandidaten an, verteilt auf fünf Kategorien. Neben der klassischen „besten Fritte“ wurden auch die kreativste Variante, die familienfreundlichste Portion, die beste Sauce und die „Fritte des Weltgeschmacks“ prämiert. In diesen Kategorien dominierten Franzosen und ein belgischer Teilnehmer – doch die Krone der Königsdisziplin ging eben nach Utrecht.
Damit sorgt van Bruggen für eine kleine Sensation. Schließlich sind Belgien und Nordfrankreich als Wiege der Pommes frites berühmt, während man die Niederlande eher mit Frikandel oder Hering in Verbindung bringt. Doch wer einmal durch Amsterdam oder Rotterdam geschlendert ist, weiß: Die „Patat“ gehören dort zu den liebsten Snacks – ob mit satten Portionen Mayonnaise, Erdnusssauce oder dem legendären „Patat oorlog“.
Die Veranstaltung selbst ist mehr als ein kulinarischer Wettbewerb. Sie ist ein Fest, das die europäische Imbisskultur feiert. Familien, Touristen und Fachleute kommen zusammen, um die Kunst der perfekten Fritte zu würdigen. Und während manch einer schmunzelnd sagt, „am Ende ist es doch nur eine Kartoffel“, zeigt gerade dieser Wettbewerb: In der Zubereitung steckt Handwerk, Erfahrung – und ein Stück Identität.
Man kann sich fragen: Gibt es überhaupt ein einfacheres Gericht als eine Portion Fritten – und zugleich ein schwierigeres, wenn es um Perfektion geht? Die richtige Kartoffelsorte, die präzise Schnittgröße, die Temperatur des Öls, das Timing beim zweiten Frittieren – alles muss stimmen, damit aus einem simplen Stäbchen ein Meisterwerk wird.
Für Arras ist die Weltmeisterschaft längst ein jährlicher Magnet. Sie zieht neugierige Besucher an, stärkt den kulinarischen Ruf der Region und schafft eine Bühne für jene, die ihre Leidenschaft für die Fritte ernst nehmen. Und natürlich auch für jene, die einfach nur mit knusprigen Tüten voller Glück nach Hause gehen wollen.
Die Auszeichnung für den Niederländer Siem van Bruggen wird gewiss Wellen schlagen. Vielleicht werden künftig mehr Frittenliebhaber in Utrecht vorbeischauen, um die Kreation des neuen Weltmeisters zu probieren. Vielleicht entsteht sogar eine neue Welle kulinarischer Experimente, bei der Kräuter und Aromatisierungen Einzug in die Fritteuse halten.
Eines ist sicher: Die bescheidene Kartoffel hat wieder einmal gezeigt, wie viel Kultur, Stolz und Leidenschaft in ihr steckt. Und in Arras durfte man erleben, wie aus einem Alltagsgericht ein echtes Spektakel wurde.
Von C. Hatty