Alle Artikel · 06.03.2025 09:32
Ein perfekter Tag im Hinterland von Aix-en-Provence
Aix-en-Provence – eine Stadt voller Charme, platanengesäumter Boulevards und sprudelnder Brunnen. Doch wer nur die Altstadt erkundet, verpasst ein wahres Juwel: das provenzalische Hinterland. Hier, zwischen sanften Hügeln, duftenden Lavendelfeldern und uralten Dörfern, wartet...
Aix-en-Provence – eine Stadt voller Charme, platanengesäumter Boulevards und sprudelnder Brunnen. Doch wer nur die Altstadt erkundet, verpasst ein wahres Juwel: das provenzalische Hinterland. Hier, zwischen sanften Hügeln, duftenden Lavendelfeldern und uralten Dörfern, wartet eine Landschaft wie aus einem impressionistischen Gemälde. Ein Tag reicht aus, um sich in diese Region zu verlieben – aber Vorsicht, das Fernweh bleibt!
Morgen: Ein malerischer Start in Vauvenargues
Früh raus? Lohnt sich! Wer Aix-en-Provence verlässt und nach Osten fährt, erreicht in knapp 20 Minuten das erste Highlight: Vauvenargues. Das kleine Dorf schmiegt sich an die Nordhänge der Montagne Sainte-Victoire, jenes ikonischen Kalksteinmassivs, das Cézanne in unzähligen Bildern verewigt hat.
Der erste Blickfang? Château de Vauvenargues. Dieses Schloss aus dem 17. Jahrhundert war einst das Zuhause von Pablo Picasso. Der Meister kaufte es 1958 und lebte hier einige Jahre – sein Grab liegt im Schlossgarten. Leider ist das Anwesen nicht öffentlich zugänglich, doch der Anblick allein lohnt sich.
Nach einem kurzen Spaziergang durch das verschlafene Dorf geht es weiter auf die D10. Die Straße schlängelt sich durch Wälder und eröffnet immer wieder spektakuläre Blicke auf die zerklüftete Berglandschaft.
Später Vormittag: Ein Hauch von Mittelalter in Rians
Etwa 30 Kilometer nordöstlich von Aix liegt Rians, ein typisch provenzalisches Dorf mit engen Gassen, alten Steinhäusern und einer guten Portion Authentizität. Hier ticken die Uhren langsamer, und das ist auch gut so.
Erster Stopp: die Église Notre-Dame-de-Nazareth. Die Kirche aus dem 12. Jahrhundert thront auf einer Anhöhe – der perfekte Aussichtspunkt über das umliegende Hügelland. Wer noch Zeit hat, kann durch die gepflasterten Gassen schlendern und den Charme des Ortes aufsaugen.
Kleine Pause gefällig? Dann ab ins Café du Cours. Hier gibt’s starken Espresso und hausgemachte Croissants – genau das Richtige für den weiteren Weg.
Mittag: Wein & Genuss in Puyloubier
Zurück auf der D10 führt die Route gen Süden nach Puyloubier, einem charmanten Weindorf am Fuße der Sainte-Victoire. Der Name? Klingt nicht nur gut – hier wachsen einige der besten Reben der Region!
Die beste Adresse für eine Weinprobe ist das Domaine des Masques. Die Kellerei produziert exzellente Rosé- und Rotweine. Ein Glas "Cuvée Exception" mit Blick auf die Reben? Unbezahlbar!
Direkt nebenan wartet das perfekte Mittagessen: Auberge de la Fenière. Hier gibt’s provenzalische Klassiker – Ratatouille, Lamm mit Thymian, eine Bouillabaisse zum Niederknien. Dazu ein Glas lokaler Rosé – und die Welt ist in Ordnung.
Nachmittag: Felsen & Legenden in Saint-Antonin-sur-Bayon
Der nächste Stopp liegt nur eine kurze Fahrt entfernt: Saint-Antonin-sur-Bayon. Dieses winzige Dorf am Rand der Montagne Sainte-Victoire ist ein Paradies für Naturliebhaber.
Hier beginnt einer der schönsten Spaziergänge der Region: der Sentier Imoucha. Der Pfad führt in knapp einer Stunde durch duftende Garrigue, vorbei an Felsvorsprüngen und alten Schäferhütten. Ständig im Blick: die majestätische Sainte-Victoire, die mit jedem Schritt ein neues Gesicht zeigt.
Ein Highlight entlang des Weges ist die Ermitage Saint-Ser, eine kleine Kapelle, die sich spektakulär in die Felsen schmiegt. Die Legende besagt, dass hier einst ein Einsiedler lebte, der von den Sarazenen getötet wurde. Heute ist es ein ruhiger Ort mit einer Aussicht, die einem den Atem raubt.
Spätnachmittag: Lavendelfelder und Sonnenuntergang in Jouques
Langsam neigt sich der Tag dem Ende zu – aber ein Juwel fehlt noch: Jouques. Das Dorf, rund 25 Kilometer nordöstlich von Aix, ist bekannt für seine Lavendelfelder (im Juni und Juli ein Traum) und seine entspannte Atmosphäre.
Ein letzter Spaziergang durch die alten Gassen führt zur Chapelle Saint-Bacchi, einer romanischen Kapelle aus dem 11. Jahrhundert. Von hier aus öffnet sich ein Panorama über die gesamte Region – perfekt für einen Sonnenuntergang, der die Hügel in goldene Töne taucht.
Und danach? Vielleicht ein letztes Glas Wein im Bistrot de Jouques, bevor es zurück nach Aix geht.
Ein Tag, der nachklingt
Was bleibt von so einer Tour? Die Gerüche von Lavendel und Pinien in der Nase, der Geschmack von Oliven und Rosé auf der Zunge und der Anblick der Sainte-Victoire im Kopf. Das Hinterland von Aix-en-Provence ist nicht nur eine Reise wert – es ist eine Liebeserklärung an die Provence.
Ein Reisebericht von V.O.Yager