À la une · 19.05.2026 06:36
Ein Strand für den Mythos: Cannes ehrt Brigitte Bardot
An der Croisette glitzert das Mittelmeer wie eh und je. Sonnenbrillen spiegeln Palmen, Fotografen lauern auf den nächsten großen Auftritt – und nun trägt einer der bekanntesten Strände der Stadt einen Namen, der seit...
An der Croisette glitzert das Mittelmeer wie eh und je. Sonnenbrillen spiegeln Palmen, Fotografen lauern auf den nächsten großen Auftritt – und nun trägt einer der bekanntesten Strände der Stadt einen Namen, der seit Jahrzehnten untrennbar mit Cannes verbunden ist: Brigitte Bardot.
Der frühere Strand Macé heißt seit Montag offiziell „Plage Brigitte Bardot“. Damit setzt Cannes einer Frau ein Denkmal, die hier Mitte der fünfziger Jahre zur Legende wurde. 1955, beim Filmfestival, erschien die junge Schauspielerin in einem geblümten Bikini am Strand, tanzte barfuß vor Fotografen und veränderte nebenbei das Bild weiblicher Freiheit im europäischen Kino. Aus der Schauspielerin entstand ein Mythos. Und Cannes? Wurde zur Bühne dieses Mythos.
Der Strand liegt nur wenige Schritte vom Palais des Festivals entfernt, dort, wo jedes Jahr der rote Teppich ausgerollt wird und die Filmwelt für knapp zwei Wochen den Atem anhält. Genau an diesem Ort verschmelzen Kino und Erinnerung nun endgültig miteinander. Zur Einweihung zeigte die Stadt unter freiem Himmel Louis Malles Film „Viva Maria!“ – kostenlos, direkt am Wasser. Eine ziemlich cineastische Art, Abschied zu nehmen.
Denn Bardot starb im Dezember 2025. Ihr Name aber zieht weiterhin durch Frankreich wie eine Melodie aus einer anderen Zeit. Für viele bleibt sie das Gesicht der Nouvelle Vague, obwohl sie nie ganz Teil dieser Bewegung war. Andere erinnern sich an die Frau, die früh dem Filmgeschäft den Rücken kehrte und sich kompromisslos dem Tierschutz widmete. In Frankreich reicht oft schon das Kürzel „BB“, und jeder weiß sofort, wer gemeint ist.
Die Ehrung trägt deshalb eine zweite Ebene in sich. Cannes feiert nicht nur die Schauspielerin, sondern auch die Aktivistin. Außerhalb der Sommersaison dürfen Hunde künftig zu bestimmten Zeiten an den Strand. Eine kleine Entscheidung vielleicht, aber eine mit Symbolkraft. Bardot kämpfte jahrzehntelang lautstark gegen Tierquälerei, Pelzindustrie und Massentierhaltung. Freunde nannten sie hartnäckig. Gegner eher unbequem. Wahrscheinlich stimmte beides.
Natürlich bleibt die Figur Brigitte Bardot kompliziert.
Ihre späteren politischen Äußerungen lösten immer wieder heftige Debatten aus. Mehrfach stand sie wegen umstrittener Aussagen vor Gericht. In Frankreich gehört diese Ambivalenz längst zur öffentlichen Erinnerung an sie dazu. Ikone und Reizfigur zugleich – das passt nicht jedem, erst recht nicht in einer Zeit, in der kulturelle Ehrungen genauer betrachtet werden als früher.
Doch Cannes entscheidet sich sichtbar für das Bild der jungen Bardot. Für jene Frau, die einst lachend über die Croisette lief und deren Auftreten das internationale Bild französischer Eleganz mitprägte. Städte wie Cannes leben von ihren Geschichten, von Fotografien, von den großen Bildern des Kinos. Manche dieser Bilder verblassen. Andere bleiben wie Salz auf der Haut.
Brigitte Bardot gehört zur zweiten Kategorie.
Und nun trägt ein Stück Mittelmeer ihren Namen.
Von C. Hatty
🔴 @davidlisnard, Bernard d’Ormale, président de la @FBB_Officiel, Iris Knobloch et Thierry Frémaux, respectivement présidente et délégué général du @Festival_Cannes, ont dénommé, sur une initiative de la #MairieDeCannes, la plage Brigitte Bardot, sur la Croisette. #Cannes2026 pic.twitter.com/iT59vvKlYW
— Cannes (@villecannes) May 18, 2026