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Alle Artikel · 16.03.2025 10:38

Ein Tag im Château de Bussy-Rabutin – Adelige Skandale und französische Eleganz

Frankreich ist voll von beeindruckenden Schlössern, aber nur wenige erzählen so viele Geschichten wie das Château de Bussy-Rabutin in Burgund. Wer sich für Geschichte, höfische Intrigen und barocke Pracht interessiert, sollte sich diesen Ort...

Frankreich ist voll von beeindruckenden Schlössern, aber nur wenige erzählen so viele Geschichten wie das Château de Bussy-Rabutin in Burgund. Wer sich für Geschichte, höfische Intrigen und barocke Pracht interessiert, sollte sich diesen Ort nicht entgehen lassen.

Warum? Ganz einfach: Dieses Schloss ist nicht nur architektonisch reizvoll, sondern auch die Lebensgeschichte seines berüchtigten Besitzers – Roger de Rabutin, Comte de Bussy – ist faszinierend. Der einstige Höfling Ludwigs XIV. fiel in Ungnade, wurde verbannt und verwandelte sein Schloss in ein Denkmal seines scharfzüngigen Geistes.

Anreise und erster Eindruck

Das Château liegt in der sanften Hügellandschaft Burgunds, etwa 15 Kilometer von Semur-en-Auxois entfernt. Schon die Anfahrt durch die idyllischen Dörfer fühlt sich wie eine Zeitreise an. Plötzlich öffnet sich der Blick auf das Schloss – ein eleganter, symmetrischer Bau mit breitem Wassergraben, umgeben von sattgrünen Wiesen.

Der erste Eindruck? Prachtvoll, aber nicht protzig. Das Schloss wirkt eher zurückhaltend im Vergleich zu den bombastischen Loire-Schlössern, doch gerade diese schlichte Eleganz macht es so besonders.

Ein breiter Kiesweg führt über eine Brücke direkt zum Eingang. Schon hier erkennt man, dass dies kein gewöhnliches Adelshaus ist – und das liegt vor allem an seinem früheren Besitzer.

Roger de Rabutin: Ein Skandal im französischen Adel

Roger de Rabutin war kein gewöhnlicher Aristokrat. Als Offizier, Schriftsteller und Höfling Ludwigs XIV. bewegte er sich an der Spitze der Gesellschaft. Doch seine spitze Zunge wurde ihm zum Verhängnis.

Sein berüchtigtes Werk Histoire amoureuse des Gaules – eine scharfzüngige Satire über die amourösen Eskapaden des französischen Adels – brachte ihm die Verbannung ein. Ludwig XIV. verstand keinen Spaß, wenn es um die Ehre seines Hofes ging. So wurde Roger in sein Schloss nach Burgund verbannt und blieb dort jahrzehntelang in einer Art höfischem Exil.

Doch anstatt zu resignieren, verwandelte er sein Schloss in eine Art Denkmal seines Lebens. Das merkt man sofort, wenn man das Innere betritt.

Ein Rundgang durch das Schloss

Der Rundgang beginnt in den prächtigen Salons. Besonders beeindruckend sind die mit Gold und Ornamenten verzierten Wände, die überall mit Porträts geschmückt sind. Doch es sind nicht nur einfache Porträts – sie sind mit bissigen Kommentaren versehen!

Bussy-Rabutin hatte nichts von seinem Humor verloren und schrieb zu jedem Porträt kluge oder ironische Bemerkungen. Es ist, als würde er mit den Besuchern sprechen, seine Meinung über diese oder jene Persönlichkeit kundtun und dabei mit einem Augenzwinkern provozieren.

Eines der bekanntesten Zimmer ist der Salon des Hommes de Guerre – eine Galerie von Militärhelden mit Kommentaren, die nicht immer schmeichelhaft sind. Roger konnte es sich einfach nicht verkneifen.

Dann geht es weiter in das Cabinet de Travail, das Arbeitszimmer des Hausherrn. Hier verfasste er Briefe und Schriften, darunter auch viele an Madame de Sévigné, die berühmte Briefautorin des 17. Jahrhunderts. Man kann sich gut vorstellen, wie er an seinem Schreibtisch saß, das Schreiben nutzte, um seinen Frust über das Exil zu verarbeiten.

Der Rundgang führt schließlich in den prunkvollen Schlafsaal mit seinem opulenten Himmelbett – ein Raum, der die Würde eines verbannten Aristokraten bewahren sollte.

Die Gärten: Ein Spiegel des Schlosses

Nach den prunkvollen Innenräumen geht es hinaus in die weitläufigen Gärten. Auch hier spiegelt sich der Stil des Hausherrn wider: Symmetrisch, durchdacht, aber nicht übertrieben.

Die französischen Gärten sind von Hecken umrahmt, Brunnen sprudeln leise, und in der Ferne grasen Kühe auf den Wiesen. Ein perfekter Ort für einen Spaziergang oder ein Picknick – genau so, wie es sich der Hausherr wohl selbst gewünscht hätte.

Ein Highlight ist die Aussichtsterrasse, von der aus man über die Landschaft Burgunds blicken kann. Kein Wunder, dass sich Roger de Rabutin hier trotz seiner Verbannung eine Art Paradies schuf.

Kulturelle Highlights

Neben der Geschichte des Besitzers beeindruckt das Château auch durch seine Architektur und Inneneinrichtung. Viele Elemente stammen noch aus dem 17. Jahrhundert, darunter die Deckenmalereien, originale Möbel und kunstvolle Holzvertäfelungen.

Wer sich für französische Literatur interessiert, sollte unbedingt einen Blick in die Bibliothek werfen – ein echtes Juwel mit historischen Werken.

Und natürlich gibt es auch regelmäßig kulturelle Veranstaltungen. Im Sommer finden Konzerte, Lesungen und historische Führungen statt, die das Schloss zum Leben erwecken.

Kulinarische Highlights in der Umgebung

Nach so viel Geschichte meldet sich irgendwann der Hunger. Glücklicherweise bietet die Region Burgund einige der besten Spezialitäten Frankreichs.

Ein Abstecher ins nahegelegene Semur-en-Auxois lohnt sich, wo man in kleinen Bistros Spezialitäten wie Boeuf Bourguignon oder Epoisses-Käse probieren kann. Oder wie wäre es mit einem Glas Burgunderwein in einer der urigen Weinstuben?

Für Süßmäuler gibt es in der Region exzellente Pain d’Épices – einen würzigen Honigkuchen, der perfekt zum Kaffee passt.

Lohnt sich ein Besuch?

Definitiv! Wer sich für Geschichte, Literatur und französische Kultur interessiert, wird im Château de Bussy-Rabutin einen außergewöhnlichen Ort entdecken.

Es ist nicht einfach nur ein Schloss – es ist ein Stück gelebte Geschichte, voller Witz, Ironie und Eleganz. Ein Besuch fühlt sich an wie eine Reise in die Gedankenwelt eines Mannes, der sich nicht den Mund verbieten ließ.

Wer also mal ein anderes Frankreich erleben will, abseits der großen Touristenströme, sollte sich dieses Juwel nicht entgehen lassen.

Ein Reisebericht von V.O.Yager

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