Alle Artikel · 07.11.2025 08:25
Ein Ticket, fünf Leben – wie ein Freundeskreis aus Paris mit 250 Millionen Euro das Glück fand
250 Millionen Euro. Einmal, zweimal, dreimal ausgesprochen – wie ein Mantra, das langsam Realität wird. Für Philippe Taurand, Tabakladenbesitzer im noblen 16. Arrondissement von Paris, ist dieser Satz zur magischen Formel geworden. Denn in...
250 Millionen Euro.
Einmal, zweimal, dreimal ausgesprochen – wie ein Mantra, das langsam Realität wird. Für Philippe Taurand, Tabakladenbesitzer im noblen 16. Arrondissement von Paris, ist dieser Satz zur magischen Formel geworden. Denn in seinem Laden wurde das Ticket gekauft, das zur größten Lotteriegewinnsumme in der Geschichte der „Française des Jeux“ geführt hat.
Doch das eigentlich Erstaunliche an diesem Rekordgewinn ist nicht die Zahl selbst. Sondern wer dahinter steckt.
Nicht ein Glückspilz – sondern gleich fünf. Und die hatten etwas gemeinsam, das man mit Geld nicht kaufen kann: eine fast fünfzigjährige Freundschaft.
Die Entscheidung beim Mittagessen
Es war ein gewöhnlicher Tag, irgendwo in der Île-de-France. Beim Mittagessen, wie sie es wohl seit Jahrzehnten regelmäßig abhielten, kam die Sprache auf die unfassbare Summe, die an jenem Augusttag bei EuroMillions zur Verlosung stand. 250 Millionen Euro. Eine Summe, die selbst notorische Nicht-Spieler ins Grübeln bringt.
Und dann die spontane Idee: „Warum nicht? Einmal zusammen spielen. Nur dieses eine Mal.“ Gesagt, getan – und mit diesem einen Ticket, das sie gemeinsam kauften, veränderte sich alles.
Nie zuvor hatten sie zusammen gespielt. Der „Hauptspieler“ unter ihnen griff sonst nur dann zum Spielzettel, wenn der Jackpot über 50 Millionen kletterte. Diesmal war die Schwelle mehr als überschritten – und der Entschluss stand fest.
Ein Schock, den man erst verdauen musste
Die „Française des Jeux“ hielt sich bedeckt. Nur bruchstückhaft sickerten Informationen durch. Mindestens eine Frau sei unter den Gewinnern, das Ticket sei sicher in einem Tresor gelagert worden, und es habe eine Weile gedauert, bis die Gruppe überhaupt bereit war, sich zu melden.
Kein Wunder. Der Schock sitzt tief, wenn plötzlich neunstellige Beträge auf die Gewinner warten. Worte wie „unfassbar“, „überwältigend“, „nicht zu begreifen“ taugen kaum, um das zu beschreiben, was wohl in diesen Tagen in den Köpfen der Gewinner vorging.
„Wir waren überwältigt vom Glück“, zitiert die FDJ die Glücklichen.
Ein Vierteljahrhundert Nachbarschaft – und plötzlich Millionäre
Im Tabac an der Rue d’Auteuil herrscht seit der Nachricht gespannte Aufregung. Kunden versuchen sich als Hobbydetektive, spekulieren, wer aus dem Viertel wohl dazugehört. Der Besitzer ist überzeugt: „Es sind Stammkunden. Keine Touristen.“
Ein Arzt lacht: „Ich bin’s nicht, leider. Ich bin in ihrem Alter – aber auch nicht mit ihrem Glück.“
Und was würde der Tabakhändler selbst mit so viel Geld tun? Die Antwort kommt schnell: Aufhören zu arbeiten, für die Kinder vorsorgen – und endlich wirklich leben.
Ein Satz, der wohl vielen durch den Kopf schießt. Doch was heißt „wirklich leben“ mit 50 Millionen Euro auf dem Konto?
Von Glück und Verantwortung
Offiziell bestätigt: Die fünf Freunde haben sich das Geld geteilt. Ob exakt zu gleichen Teilen, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Die FDJ bestätigt lediglich, dass bei Gruppen-Spielscheinen ein offizielles Formular verlangt wird, das genau regelt, wie viele Personen beteiligt sind. Danach gibt’s dann auch mehrere Schecks – nicht nur einen.
Doch mit dem Geld kommt nicht nur das Glück. Auch die Verantwortung. Deshalb bietet die Lotteriegesellschaft den Großgewinnern eine langfristige Begleitung an: finanzielle Beratung, psychologische Unterstützung, Hilfe beim Ankommen in einem neuen Leben, in dem plötzlich alles möglich ist – und nichts mehr wie zuvor.
Wenn Träume zu Täuschungen werden
Natürlich gibt es auch Trittbrettfahrer. So rief, nur wenige Tage nach dem offiziellen Ziehungstermin, ein Mann aus Decazeville bei einer Lokalzeitung an. Er behauptete, der Gewinner zu sein, kannte sogar die Zahlen und den richtigen Tabakladen.
„Ich will, dass ihr das druckt – aber nennt meinen Namen nicht“, sagte er noch.
Doch ein Traum reicht eben nicht. Die FDJ entlarvte ihn als Hochstapler. Offenbar hatte der Mann nicht nur eine Redaktion kontaktiert. Was bleibt, ist ein bizarrer Versuch, ins Rampenlicht zu treten – ohne auch nur einen Cent gewonnen zu haben.
Ein kleines Stück Ewigkeit in der Auslage
Zurück in Paris freut sich Philippe Taurand trotzdem über die neue Bekanntheit seines Geschäfts. Bald sollen Aufkleber auf der Tür verkünden, was hier passiert ist. „Das gibt einen kleinen Werbeschub“, meint er verschmitzt. Dabei hatte er schon einmal einen Großgewinn in seinem Laden – damals noch in Francs.
Ein Ort also, der das Glück schon kennt. Und der jetzt zur stillen Bühne einer außergewöhnlichen Geschichte wird.
Eine Frage bleibt
Was bleibt von einem Leben, das sich über Jahrzehnte mit denselben Menschen, denselben Gesprächen, denselben Ritualen abgespielt hat – wenn plötzlich alles anders ist?
Vielleicht sind genau diese Freundschaften das wahre Kapital dieser fünf Menschen.
Denn 250 Millionen Euro machen reich.
Aber fünf Freunde – machen glücklich.
Autor: C.H.