Alle Artikel · 13.12.2024 09:24
Ein verschollenes Meisterwerk von Henri Manguin kehrt nach Jahrzehnten nach Frankreich zurück
Nach mehr als 70 Jahren ist das Gemälde „La Plaine, Cassis-sur-Mer“ des Malers und Vertreters des französischen Fauvismus Henri Manguin wieder in Frankreich und wird nun im Musée d'art moderne André Malraux in Le...
Nach mehr als 70 Jahren ist das Gemälde „La Plaine, Cassis-sur-Mer“ des Malers und Vertreters des französischen Fauvismus Henri Manguin wieder in Frankreich und wird nun im Musée d'art moderne André Malraux in Le Havre ausgestellt. Das Werk, das während der deutschen Besatzung verschleppt wurde, galt seit 1950 als verschollen und wurde kürzlich vom deutschen Chemiekonzern Bayer an Frankreich zurückgegeben.
Ein Stück Kunstgeschichte kehrt heim
Das Gemälde, 1913 gemalt, zeigt eine farbenfrohe Landschaft der Provence mit Bäumen, Bergen und Häusern – ein typisches Werk des Fauvismus, einer Bewegung, die durch kräftige Farben und vereinfachte Formen geprägt ist. Henri Manguin, ein Zeitgenosse von Künstlern wie Henri Matisse und André Derain, gilt als einer der bedeutenden Vertreter dieses Stils.
„La Plaine, Cassis-sur-Mer“ wurde 1916 vom französischen Staat erworben und zunächst im Außenministerium deponiert. Während der Besatzung durch die deutsche Armee zwischen 1940 und 1944 verschwand das Gemälde aus dem Ministeriumsgebäude, offenbar im Zuge der systematischen Plünderung von Kunstwerken durch die Besatzungsmacht.
Eine überraschende Wiederentdeckung
Nach dem Krieg tauchte das Gemälde 1950 in Düsseldorf auf, wo es von der Kunstinstitution Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen verkauft wurde. Diese stand damals unter der Leitung von Hildebrand Gurlitt, einem Kunsthändler, der tief in den Handel mit während des Krieges geraubten Kunstwerken verwickelt war. Bayer erwarb das Werk und hielt es bis 2024 in seinen Beständen.
Als das Gemälde im Rahmen einer geplanten Auktion bei Sotheby’s Köln identifiziert wurde, begann eine gründliche Recherche. Bayer und Sotheby’s erkannten die Verbindung des Gemäldes zur französischen Nationalkollektion und kontaktierten das Centre national des arts plastiques (CNAP). Die Rückgabe des Werks an Frankreich markiert einen wichtigen Erfolg in der Aufarbeitung von während des Zweiten Weltkriegs verschleppten Kunstwerken.
Ein häufiger Verlust
„La Plaine, Cassis-sur-Mer“ ist eines von zahlreichen Werken, die während des Zweiten Weltkriegs aus französischen Sammlungen verschwanden. Solche Werke tauchen oft Jahrzehnte später in privaten Sammlungen oder auf Auktionen auf. Allein in den letzten fünf Jahren hat das CNAP 32 Kunstwerke wieder in den nationalen Bestand aufgenommen. Dank des Status der Werke als „unveräußerlich und unantastbar“ können juristische Schritte eingeleitet werden, doch das CNAP bevorzugt häufig einvernehmliche Lösungen, die meist zur Rückgabe führen.
Eine neue Heimat im Musée Malraux
Um das Werk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat das CNAP beschlossen, das Gemälde dem Musée d'art moderne André Malraux in Le Havre zu überlassen. Dort wird es neben Werken von Albert Marquet, Othon Friesz und Charles Camoin in die Dauerausstellung integriert. Dieser Schritt gibt dem Gemälde die verdiente Sichtbarkeit zurück und stärkt das künstlerische Erbe Frankreichs.
Ein Erfolg mit Symbolkraft
Die Rückkehr des Gemäldes verdeutlicht die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit bei der Restitution von Kulturgütern. Gleichzeitig ist sie ein Symbol für die Wiederherstellung des kulturellen Gedächtnisses, das während des Krieges schwer beschädigt wurde. „La Plaine, Cassis-sur-Mer“ steht nun nicht mehr nur für die Farben und Formen der Provence – es erzählt auch eine Geschichte von Verlust, Wiederentdeckung und Gerechtigkeit.