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Abonnenten · 25.03.2025 05:52

Ende der US-Hilfe bedroht Millionen Leben: Aids-Bekämpfung vor dem Kollaps

Ein dramatischer Weckruf aus Genf: Die plötzliche Kürzung der amerikanischen Auslandshilfe im Kampf gegen HIV/Aids könnte in den kommenden vier Jahren zu 6,3 Millionen zusätzlichen Todesfällen führen – warnt die Direktorin des UN-Programms Onusida,...

Ein dramatischer Weckruf aus Genf: Die plötzliche Kürzung der amerikanischen Auslandshilfe im Kampf gegen HIV/Aids könnte in den kommenden vier Jahren zu 6,3 Millionen zusätzlichen Todesfällen führen – warnt die Direktorin des UN-Programms Onusida, Winnie Byanyima. Ihr Appell ist eindringlich und direkt: Ohne sofortige Kurskorrektur droht ein Rückfall in die düstersten Zeiten der Pandemie.

Ein Rückschritt in die 1990er-Jahre?

Es ist ein Szenario, das viele für längst überwunden hielten – doch Byanyima malt ein besorgniserregendes Bild: In Afrika, in Osteuropa, in Teilen Lateinamerikas. „Wir werden wieder Menschen sterben sehen, wie damals in den 1990er- und 2000er-Jahren“, sagte sie am Montag bei einer Pressekonferenz in Genf.

Der Rückzug der US-Finanzierung habe bereits jetzt verheerende Folgen: Kliniken mussten schließen, tausende Gesundheitskräfte wurden entlassen. Dabei stammten bisher rund 50 Prozent der Onusida-Finanzierung aus den Vereinigten Staaten.

Schock und Stillstand

Die Dramatik liegt auch in der Art des Rückzugs: schnell, abrupt und ohne Übergang. Zwar wurden einzelne Programme von der US-Regierung ausgenommen, doch das reichte offenbar nicht, um den weltweiten Hilfsapparat aufrechtzuerhalten. Der plötzliche Wegfall von Mitteln habe ganze Versorgungsnetze ins Wanken gebracht, heißt es von der UN-Agentur.

„Es ist vernünftig, wenn die USA ihren Beitrag langfristig reduzieren wollen“, sagt Byanyima. „Aber der plötzliche Rückzug lebenswichtiger Hilfe ist katastrophal.“

Tödliche Lücke – ohne Ersatz in Sicht

Noch schwerwiegender: Kein anderes Land ist bislang eingesprungen, um die Lücke zu füllen. Die Weltgemeinschaft schaut zu – während Programme der Prävention, Diagnostik und Behandlung weltweit ins Stocken geraten.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 6,3 Millionen zusätzliche Tote innerhalb von vier Jahren – das ist das Zehnfache der Todesopfer im Jahr 2023. Und es ist mehr als nur eine Zahl. Es sind Kinder, Frauen, Männer – Menschen, die mit Medikamenten hätten weiterleben können.

Trumps Schatten über der Gesundheitskrise

Die Warnung richtet sich gezielt an US-Präsident Donald Trump. Byanyima fordert ihn auf, einen „Deal“ zur Prävention einzugehen. Denn jede in Prävention investierte Dollar, so ihr Argument, bringe ein Vielfaches an gesellschaftlichem Nutzen.

Doch ob dieser Appell Gehör findet?

Wegweiser aus der Krise – oder ins Desaster?

In den letzten 25 Jahren wurde im Kampf gegen Aids viel erreicht: Medikamente wurden weltweit zugänglich, Todeszahlen gingen zurück, Aufklärungskampagnen zeigten Wirkung. Jetzt steht all das auf dem Spiel. Was über Jahrzehnte aufgebaut wurde, könnte in wenigen Monaten verloren gehen.

Die Pandemie hat uns gelehrt: Globale Gesundheitskrisen kennen keine Grenzen. Was in einem Land beginnt, betrifft am Ende uns alle. Und doch zeigt sich auch hier: Wenn politische Entscheidungen überstürzt getroffen werden, geraten langfristige Erfolge ins Wanken.

Wer übernimmt Verantwortung?

Noch gibt es Hoffnung. Internationale Partnerschaften, wie der Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria, könnten einspringen – doch dazu braucht es politischen Willen. Europa, Kanada, die G7-Staaten? Bisher blieb es ruhig.

Und das ist vielleicht dien schlimmste Erkenntnis dieser Krise: Das Schweigen derer, die helfen könnten.

Von C. Hatty.

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