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Alle Artikel · 27.10.2025 12:04

Er meldete den Tod von Brigitte Bardot: Aqababe – Der Gossip-Influencer ohne Hemmungen und Grenzen

Ein Gerücht, ein Post, ein paar Klicks – und ganz Frankreich hält für einen Moment den Atem an. So geschehen am 23. Oktober: Brigitte Bardot, Schauspielikone und Symbolfigur des französischen Films, sieht sich gezwungen,...

Ein Gerücht, ein Post, ein paar Klicks – und ganz Frankreich hält für einen Moment den Atem an. So geschehen am 23. Oktober: Brigitte Bardot, Schauspielikone und Symbolfigur des französischen Films, sieht sich gezwungen, ihre eigene Todesmeldung zu dementieren. Der Auslöser? Ein einziger Mann, ein Name, der seit Jahren polarisiert: Aqababe.

Hinter dem Pseudonym steckt Aniss Zitouni, ein 27-jähriger Blogger und Influencer, der sich ganz der Welt der „Gossips“ verschrieben hat. Keine Boulevard-Enthüllung ist ihm zu heikel, kein Promi zu prominent. Mit fast zwei Millionen Followern auf Instagram, TikTok und X ist er längst ein Star der sozialen Netzwerke – wenn auch ein höchst umstrittener.

Ruhm aus dem Schatten

Aqababe ist kein klassischer Influencer. Er verkauft keine Beauty-Produkte, macht keine Tanz-Challenges und gibt keine Urlaubstipps. Stattdessen speist er seine Community – die er liebevoll „Chipies“ nennt – mit vermeintlichen Insiderinfos, meist über Reality-TV-Kandidaten, Rapper oder Schauspieler. Fotos, Leaks, Gerüchte – bei ihm landet alles, was in der Klatschwelt zirkuliert.

„Ein Gossip ist ein Gossip“, sagt er über sich selbst. Und: „Ich habe privat eine Ethik – aber Aqababe hat keine.“ Diese Trennung zwischen Person und Persona ist sein Selbstschutz – und zugleich sein Geschäftsmodell.

Wenn der Tod zum Post wird

Der Fall Brigitte Bardot ist kein Einzelfall, aber ein Lehrstück. Ohne jede Bestätigung veröffentlichte Aqababe die Nachricht vom angeblichen Tod der Schauspielerin. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Bardot selbst meldete sich zu Wort – lebendig, empört, glasklar.

Ein Shitstorm folgte. Aber auch hier zeigt sich das Paradoxe dieses Influencers: Jeder Skandal scheint ihn größer zu machen. Aufmerksamkeit ist sein Antrieb, Reichweite seine Währung – unabhängig vom Wahrheitsgehalt seiner Beiträge.

Schnitzeljagd auf Kosten der Wahrheit

Ein weiteres Beispiel: Die „digitale Jagd“ auf Xavier Dupont de Ligonnès. Der Mann, der seit über einem Jahrzehnt verschwunden ist und verdächtigt wird, seine Familie ermordet zu haben, wurde plötzlich von Aqababe ins Rampenlicht gezerrt. Angeblich, so der Influencer, gebe es heiße Spuren – sogar Fotos. Über 400.000 seiner Follower beteiligten sich an der Online-Suche.

Was dabei herauskam? Falsche Fährten, viel Lärm, keine Ergebnisse. Die Justiz musste eingreifen, klarstellen, sogar bremsen. Ermittler sprachen von Zeitverschwendung – ein deutliches Signal an allzu eifrige Internetdetektive.

Rechtsbruch als Randnotiz

Aqababe ist kein Unbekannter für die Justiz. Mehrfach wurde er bereits verurteilt – unter anderem wegen Verleumdung, öffentlicher Beleidigung und unerlaubter Filmaufnahmen im Gerichtssaal. Dennoch bleibt er aktiv, unbeeindruckt, fast trotzig.

Er positioniert sich bewusst außerhalb journalistischer Standards. Für ihn zählt nicht die Sorgfalt, sondern die Schnelligkeit. Ein heißes Gerücht ist wertvoller als eine bestätigte Nachricht – Hauptsache, die Likes stimmen.

Ein Produkt seiner Zeit

Was macht jemanden wie Aqababe so erfolgreich? Es ist der perfekte Sturm aus Social Media, Voyeurismus und Sensationshunger. Seine Follower wollen unterhalten werden – mit Drama, Eskalation und Skandalen. Und Aqababe liefert.

Doch das Spiel hat Grenzen. Wenn Unschuldige geschädigt, Ermittlungen gestört oder Todesnachrichten vorschnell verbreitet werden, kippt der Unterhaltungswert in Verantwortungslosigkeit. Die digitale Welt verzeiht viel – aber nicht alles.

Was bleibt?

Aqababe ist kein Zufall. Er ist das Produkt einer Zeit, in der Likes oft wichtiger sind als Fakten. In der jeder ein Medium sein kann – mit allen Risiken, die das mit sich bringt. Seine Karriere erzählt von Ruhm, der nicht auf Können, sondern auf Kontroversen basiert. Von Einfluss, der sich nicht hinterfragen lässt. Und von einer Öffentlichkeit, die mit jeder Interaktion auch Verantwortung trägt.

Denn am Ende stellt sich eine simple, aber gewichtige Frage: Wie viel Wahrheit sind wir bereit für ein bisschen Unterhaltung zu opfern?

Von C. Hatty

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