MONTAG, 29. JUNI 2026 Anmelden / Beitreten Mitgliedskonto
Zurück

Aktuell · 29.06.2026 04:48

Étienne Gernelle über die europäische Selbstwahrnehmung: „Eine reiche Depressive, die nicht weiß, wie glücklich sie ist“

Étienne Gernelle, Direktor von „Le Point“ und Mitautor von „Il suffit de s’aimer: le destin européen“, spricht über die Herausforderungen und das Selbstbild der Europäischen Union.

Paris – 29.06.2026: In einem Interview mit Franceinfo am 27. Juni 2026 äußerte sich Étienne Gernelle, der Direktor des französischen Nachrichtenmagazins „Le Point“ und Mitautor des Buches „Il suffit de s’aimer: le destin européen“, ausführlich zur aktuellen Lage der Europäischen Union und deren Selbstwahrnehmung. Er verglich Europa dabei mit einer „reichen Depressiven, die nicht weiß, wie glücklich sie ist“ und hob die Notwendigkeit hervor, das europäische Selbstbewusstsein zu stärken.

Gernelle kritisierte die Tendenz innerhalb der EU, sich vor allem auf interne Schwierigkeiten zu konzentrieren, etwa bürokratische Hürden oder politische Uneinigkeiten, während ihre globalen Errungenschaften und ihre wirtschaftliche Stärke oft übersehen würden. Dabei sei Europa die größte Volkswirtschaft der Welt und ein bedeutender Akteur in Handel, Diplomatie sowie globalen politischen Fragen.

Noch immer sei die Union von internen Spannungen geprägt, durch die sich oft ein negatives Bild sowohl innerhalb der Mitgliedstaaten als auch international verbreiten könne. Dieses beeinträchtige das Ansehen Europas und gefährde dessen Einfluss. Deshalb müsse es gelingen, das positive Selbstverständnis zu fördern und die gemeinschaftlichen Erfolge stärker in den Vordergrund zu rücken.

Im Ausblick auf die Zukunft plädierte Gernelle für eine verstärkte politische Integration in der EU. Eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sei unabdingbar, um den globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel, geopolitischen Krisen und wirtschaftlichen Ungleichgewichten wirksam zu begegnen. Nur durch eine engere Zusammenarbeit könne Europa seine handlungsfähige und unabhängige Rolle auf der Weltbühne behaupten.

Darüber hinaus betonte der Chefredakteur von „Le Point“ die Wichtigkeit, eine positive europäische Identität zu fördern. Er rief dazu auf, stolz auf die Erfolge und Errungenschaften der Union zu sein, um das Vertrauen der Bürger zu stärken. Eine gemeinsame Identität sei entscheidend, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu festigen und die Europäische Union als starken globalen Partner zu positionieren.

Sein Buch „Il suffit de s’aimer: le destin européen“, das er zusammen mit anderen Autoren verfasst hat, richtet sich genau auf diese Thematik und möchte einen Beitrag zur Debatte über Europas Zukunft leisten. Gernelle sieht in einer bewussteren Wahrnehmung der eigenen Stärken einen Schlüssel, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts besser zu begegnen.

Die Debatte um Europas Selbstverständnis gewinnt vor dem Hintergrund aktueller Krisen und geopolitischer Umbrüche zunehmend an Bedeutung. Gernelles Perspektive gibt wichtigen Impulse, wie Europa seine Rolle auf der Weltbühne ausbauen kann, ohne die internen Werte und Errungenschaften aus den Augen zu verlieren.

Quellen

  • Franceinfo

Nachrichten per E-Mail erhalten

Mit dem kostenlosen Mitgliedskonto von France Premium legen Sie fest, welche Hinweise Sie per E-Mail bekommen möchten: sofort bei wichtigen Meldungen oder als ruhige Tageszusammenfassung.

  • News und Tageszeitung nach Ihren Interessen
  • Wetter- und Verkehrshinweise für gewählte Regionen
  • Fußball-Liveereignisse zu ausgewählten Teams
  • Rezepte, Kultur, Veranstaltungen und Premium-Hinweise
Newsletter bestellen

Die Anmeldung ist kostenlos. Sie können Ihre Auswahl jederzeit im Mitgliedskonto ändern oder abbestellen.