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Alle Artikel · 21.04.2025 06:18

Europas Schattenreich – Warum wir aufwachen müssen

Am 17. April 2025 veröffentlichte der französische Verlag Gallimard ein Werk, das nicht weniger als ein intellektueller Paukenschlag ist: L'Empire de l'ombre. Guerre et terre au temps de l'IA, herausgegeben von Giuliano da Empoli....

Am 17. April 2025 veröffentlichte der französische Verlag Gallimard ein Werk, das nicht weniger als ein intellektueller Paukenschlag ist: L'Empire de l'ombre. Guerre et terre au temps de l'IA, herausgegeben von Giuliano da Empoli. Es ist der vierte Band der ambitionierten Reihe Le Grand Continent – und ein leidenschaftlicher Aufruf an Europa, sich aus der bequemen Lethargie zu lösen, bevor es endgültig zum Spielball fremder Mächte wird.

Die Welt, wie sie hier gezeichnet wird, ist eine der dunklen Kräfte. Eine Bühne der großen Männer – Trump, Putin, Xi Jinping – auf der die wahre Handlung im Hintergrund abläuft. Dort agieren neue Eliten, die nicht gewählt wurden, aber mit enormem Einfluss ausgestattet sind: Kreml-Ideologen, Tech-Giganten aus Kalifornien, strategische Denker ohne demokratische Legitimation. Sie formen neue Imperien – lautlos, effizient, skrupellos.


Freiwillige Unterwerfung oder europäisches Erwachen?

Da Empoli spricht von der vassalisation heureuse – einer „glücklichen Vasallisierung“. Eine Form der Selbstaufgabe, bei der Europa nicht gezwungen wird, sondern freiwillig und fast dankbar seine Unabhängigkeit aufgibt. Klingt übertrieben? Vielleicht. Aber ist es das wirklich?

Im Schatten dieser Entwicklung ruft der Band nach einer intellektuellen und kulturellen Selbstverteidigung. Und nicht mit Panzern, sondern mit Ideen – mit Bildung, Philosophie, kritischem Denken. Mit dem Mut, unbequeme Fragen zu stellen und selbstbewusst aufzutreten. Was zählt, ist nicht allein militärische oder technologische Stärke, sondern ein geerdetes Selbstverständnis.


Globale Stimmen, vereint in einem Buch

Der Band vereint Beiträge von Größen aus Politik, Technologie, Wissenschaft und Aktivismus – ein Who’s who des 21. Jahrhunderts: Daron Acemoglu analysiert wirtschaftliche Machtverlagerungen, Sam Altman blickt auf die Rolle der künstlichen Intelligenz, Marc Andreessen träumt von techno-utopischen Zukünften, Peter Thiel provoziert mit seiner Vision eines neuen Kapitalismus. Sogar Mario Draghi, der ehemalige italienische Premier, meldet sich zu Wort. Und Svetlana Tikhanovskaïa bringt die Perspektive der bedrohten Demokratien ein.

Ein Kaleidoskop, das nicht nur informiert, sondern inspiriert. Und manchmal erschüttert.

Am Ende wartet dann noch ein literarischer Höhepunkt: die Postface von Benjamín Labatut. Der chilenische Autor, bekannt für seine dichte Mischung aus Wissenschaft, Dichtung und Philosophie, verleiht dem Werk eine geradezu metaphysische Tiefe. Seine Reflexion über das Verhältnis von Mensch, Macht und Maschine hallt lange nach.


Europa – wohin?

L'Empire de l'ombre ist kein klassisches Sachbuch. Es ist auch keine nüchterne Analyse. Es ist ein Manifest. Eine Fanfare für Europa, das seine Stimme wiederfinden muss – und zwar jetzt. Die geopolitischen Verschiebungen sind kein fernes Zukunftsszenario mehr. Sie passieren in Echtzeit. Und wer nur zuschaut, wird irgendwann nicht mehr gefragt, sondern übergangen.

Die Beiträge fordern auf zur Reflexion, ja, aber auch zur Handlung. In einer Welt, in der technologische Überlegenheit zur neuen Währung der Macht geworden ist, muss sich Europa fragen: Wollen wir nur Nutzer fremder Plattformen bleiben? Oder selbst zum Gestalter werden?

Ganz ehrlich: Wann, wenn nicht jetzt?


Ein Buch, das bleibt

Dieses Werk richtet sich an alle, die mehr wollen als Schlagzeilen. An alle, die verstehen wollen, warum die Welt gerade aus den Fugen gerät – und wie Europa darauf reagieren kann. Und es ist ein Buch für jene, die trotz allem noch an die Kraft von Ideen glauben.

L'Empire de l'ombre. Guerre et terre au temps de l'IA ist erhältlich als gebundene Ausgabe (21,50 €) und als E-Book (15,99 €). Umfang: 288 Seiten geballter Denkanstoß.

Und vielleicht ist genau das, was Europa gerade am dringendsten braucht.

Catherine H.

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