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Aktuell · 16.07.2026 16:45

EVARS-Unterricht: Ministerium zieht erste Bilanz nach der Einführung

Am Ende des Schuljahres 2025/2026 zieht Bildungsminister Édouard Geffray eine erste Bilanz des verbindlichen EVARS-Programms. Die Umsetzung ist institutionell verankert, doch die flächendeckende Durchführung der vorgesehenen Unterrichtseinheiten bleibt die entscheidende Bewährungsprobe.

Paris – 16.07.2026: Das französische Bildungsministerium zieht zum Ende des Schuljahres 2025/2026 eine erste Bilanz des neuen Unterrichtsprogramms zur emotionalen, partnerschaftlichen und sexuellen Bildung. EVARS ist seit September 2025 verbindlicher Bestandteil der Lehrpläne an Collèges und Lycées; an Grundschulen gilt das altersgerecht angepasste Programm EVAR. Bildungsminister Édouard Geffray bewertet die Einführung damit nach rund zehn Monaten Unterrichtspraxis, nicht nach einem vollen Kalenderjahr.

Der institutionelle Schritt ist erheblich. Zwar verpflichtet das Bildungsgesetz Schulen bereits seit 2001, pro Altersgruppe mindestens drei jährliche Einheiten zur Sexualerziehung anzubieten. Über lange Zeit fehlten jedoch ein einheitlicher Lehrplan, präzise Inhalte und ein belastbares Verfahren zur Überprüfung der Umsetzung. Der nationale Lehrplan von 2025 sollte diese Lücke schließen und den Unterricht stärker in den regulären Bildungsauftrag integrieren.

EVAR in der Grundschule konzentriert sich auf zwischenmenschliche Beziehungen, Gleichberechtigung, den Schutz der eigenen Grenzen und die Prävention von Gewalt. EVARS erweitert diesen Rahmen ab dem Collège um Fragen der Sexualität, der Zustimmung, der Gesundheit sowie der digitalen Risiken. Das Programm ist nach Altersstufen gegliedert. Es soll keine zusätzliche Fachdisziplin schaffen, sondern Unterricht, schulische Gesundheitsdienste und Präventionsarbeit miteinander verbinden.

Die ersten vom Minister im Januar vorgelegten Daten zeigten einen noch ungleichmäßigen Start. Bis zum 31. Dezember 2025 hatten demnach 66 Prozent der Grundschüler, 48 Prozent der Collégiens und 35 Prozent der Lycéens mindestens eine Einheit besucht. Diese Werte belegten einerseits eine rasche Mobilisierung in vielen Einrichtungen, machten andererseits aber deutlich, wie weit der Weg zur gesetzlichen Vorgabe von drei Sitzungen pro Jahr noch war.

Für die praktische Durchführung sind vor allem die Schulleitungen, Lehrkräfte, Schulärzte, Pflegekräfte und Sozialarbeiter zuständig. Externe Verbände können nur unter der Verantwortung der Schule und innerhalb des staatlichen Rahmens mitwirken. Das Ministerium setzt zugleich auf Fortbildungen, um Lehrpersonal und weitere Beteiligte für sensible Themen wie Zustimmung, sexistische Gewalt, Diskriminierung und den Umgang mit problematischen Online-Inhalten zu qualifizieren.

Die politische Kontroverse um das Programm hat dessen Einführung begleitet. Konservative Gruppen kritisierten einzelne Formulierungen und Inhalte, während Gewerkschaften vor allem fehlende Zeit, unzureichende Fortbildung und knappe personelle Ressourcen beanstandeten. Das Ministerium hält dem entgegen, dass ein verbindlicher Lehrplan gerade Schutz vor lokalen Abweichungen biete und den Schulen einen gemeinsamen, rechtlich abgesicherten Rahmen verschaffe.

Entscheidend wird nun die zweite landesweite Erhebung zum Ende des Schuljahres sein. Sie soll zeigen, ob aus der formalen Einführung eine regelmäßig erreichte Unterrichtspraxis geworden ist. Für die Regierung ist EVARS zugleich ein Instrument der Prävention: Schülerinnen und Schüler sollen Grenzverletzungen erkennen, Hilfe suchen und über Gleichberechtigung sowie Beziehungen in einer altersangemessenen, sachlichen Form sprechen können.

Quellen

  • Franceinfo
  • Ministère de l'Éducation nationale – Eduscol
  • Ministère de l'Éducation nationale
  • Sénat

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