Aktuell · 04.07.2026 10:04
Explosion in Monaco: Interpol-Fahndung nach 39-jähriger Verdächtiger – drei Familienmitglieder schwer verletzt
Nach einer gezielten Explosion in einem Wohnhaus in Monaco Ende Juni wurden drei Angehörige einer Familie schwer verletzt. Die Justiz ließ eine Rote Notice für eine 39-jährige Verdächtige ausstellen, Ermittlungen zu politischen und wirtschaftlichen…
Monaco – 04.07.2026: In der Nacht zum 30. Juni 2026 hat ein im Treppenhaus eines Wohngebäudes deponierter Sprengsatz die Innenstadt von Monaco erschüttert. Drei Mitglieder einer Familie wurden dabei verletzt, zwei Erwachsene nach Behördenangaben schwer; ein Jugendlicher erlitt leichtere Verletzungen. Rettungskräfte brachten die Betroffenen in Kliniken im benachbarten Nizza, darunter das CHU Pasteur und das Kinderkrankenhaus Lenval. Die monegassische Polizei sperrte den Tatort weiträumig ab und befragte Anwohner.
Die Staatsanwaltschaft von Monaco leitete umgehend ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Mordes ein. Gegen eine 39-jährige Frau wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen; Interpol veröffentlichte hierzu eine Rote Notice. Ermittler und mehrere Medien nennen die Beschuldigte als Anastasiia Berezovska. Nach bisherigem Kenntnisstand soll sie sich auf der Flucht befinden. Französische und monegassische Behörden koordinieren die Fahndung, unterstützt von internationalen Partnerdiensten.
Hinweise deuten auf eine gezielte Tat hin. Laut Zeugenaussagen wurde ein Paket im Eingangsbereich platziert und offenbar per Fernzündung ausgelöst, als die Opfer das Haus betraten. Videoaufnahmen aus Monaco und der angrenzenden Gemeinde Beausoleil werden ausgewertet. Der Sprengsatz wird in Frankreich kriminaltechnisch untersucht, um Bauweise, Zündmechanismus und mögliche Herkunft der Komponenten zu bestimmen. Konkrete Angaben zu Ergebnisoffenbarungen machen die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen bislang nicht.
Unter den Verletzten soll nach übereinstimmenden Berichten der in der Ukraine geborene Unternehmer Vadym Yermolaiev sein, gegen den die Behörden in Kyjiw 2023 Sanktionen verhängt hatten. Ermittler prüfen unterschiedliche Spuren – von privaten Konflikten bis zu politischen und wirtschaftlichen Interessenlagen, auch mit Blick auf Geschäftsbeziehungen in von Russland kontrollierten Gebieten der annektierten Krim. Offiziell betonen die Behörden, dass weder Täterschaft noch mögliche Auftraggeber abschließend eingeordnet sind.
Generalprokurator Stéphane Thibault verwies auf die internationale Dimension des Falls. Neben den monegassischen und französischen Diensten seien weitere europäische Partner eingebunden. Eine Zusammenarbeit mit ukrainischen Stellen, darunter dem Sicherheitsdienst SBU, wurde nach Angaben aus Justizkreisen angestoßen. Details über potenzielle Komplizen oder Unterstützer werden derzeit zurückgehalten.
Die Attacke trifft ein Fürstentum, das seinen Ruf auf strikte Sicherheitsstandards und enge Überwachung des öffentlichen Raums stützt. Entsprechend groß ist die Verunsicherung in der Bevölkerung. Zugleich lenkt der Fall den Blick auf Geldflüsse im internationalen Umfeld wohlhabender Privatpersonen und die Verwundbarkeit exklusiver Wohnlagen. Für die Ermittler hat nun die Rekonstruktion des Tatablaufs Priorität – sowie die Festnahme der Verdächtigen, um Motive und Hintergründe gerichtlich klären zu können.
Quellen
- Franceinfo
- Associated Press
- Euronews
- Le Parisien
- Le Temps
- AFP