Aktuell · 16.07.2026 01:01
Fall Lyhanna: Jérôme Barella wegen Mordes und Vergewaltigung unter formeller Untersuchung
Im Fall der im Gers tot aufgefundenen elfjährigen Lyhanna ist der bereits inhaftierte Jérôme Barella in Agen zusätzlich wegen Mordes und Vergewaltigung einer Minderjährigen unter 15 Jahren unter formelle Untersuchung gestellt worden.
Agen – 16.07.2026: Im Justizpalast von Agen hat sich die rechtliche Lage für Jérôme Barella deutlich verschärft. Der 41-Jährige wurde am Mittwoch im Zusammenhang mit dem Tod der elfjährigen Lyhanna zusätzlich wegen Mordes an einer Minderjährigen unter 15 Jahren im Zusammenhang mit einer Vergewaltigung sowie wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen unter 15 Jahren unter formelle Untersuchung gestellt. Das teilte die Staatsanwaltschaft Agen mit.
Die Entscheidung fiel nach einer mehrstündigen Anhörung vor dem Ermittlungsrichter. Barella war seit dem 1. Juni bereits wegen Entführung und Freiheitsberaubung formell beschuldigt. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft und wird nach Angaben von AFP im Gefängnis von Mont-de-Marsan isoliert untergebracht. Seine Anwältinnen wollten sich am Mittwoch nicht zu dem Verfahren äußern.
Lyhanna war am Freitag, dem 29. Mai, nach dem Unterricht an ihrem Collège in Fleurance im Département Gers verschwunden. Ihre Eltern meldeten sie als vermisst. Nach Angaben der Ermittler wurde sie zuletzt gesehen, als sie in ein Auto stieg. Die Gendarmerie leitete in den folgenden Tagen eine großangelegte Suche im Raum Fleurance ein.
Am 4. Juni wurde der Leichnam des Kindes in einem stillgelegten landwirtschaftlichen Silo in einem Nachbarort gefunden. Die rechtsmedizinische Untersuchung konnte die genaue Todesursache nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht mit Sicherheit bestimmen. Sie ergab jedoch Hinweise auf eine Vergewaltigung. Diese Erkenntnisse führten Ende Juni zu einem ergänzenden Antrag der Staatsanwaltschaft auf die nun erhobenen Vorwürfe.
Am 6. Juli durchsuchten Ermittler der Forschungsabteilung der Gendarmerie in Toulouse erneut das Haus des Beschuldigten in Montestruc-sur-Gers. Die Ermittlungen werden beim Strafgericht Agen geführt, nachdem die zunächst zuständige Staatsanwaltschaft Auch die Akte an dessen Spezialabteilung für schwere Verbrechen abgegeben hatte. Über mögliche Beweise und den Inhalt der Aussagen des Beschuldigten machten die Behörden keine weiteren Angaben.
Eine formelle Untersuchung entspricht in Frankreich nicht einem Schuldspruch. Sie setzt voraus, dass ein Ermittlungsrichter gewichtige oder übereinstimmende Indizien prüft und ein gerichtliches Ermittlungsverfahren eröffnet oder fortführt. Ob es zu einer Anklage und einem Prozess kommt, entscheidet sich erst nach Abschluss dieser Ermittlungen.
Der Fall hat weit über den Gers hinaus Bestürzung ausgelöst. Zugleich werden seit Wochen mögliche Versäumnisse bei der Bearbeitung früherer Hinweise gegen den Beschuldigten untersucht. Ein Ende Juni vorgestellter vorläufiger Inspektionsbericht sprach von Mängeln bei Nachverfolgung, Koordination und Steuerung eines früheren Verfahrens. Für Lyhannas Angehörige bleibt nun vor allem die Hoffnung auf eine lückenlose Aufklärung.
Quellen
- AFP via Capitol
- TF1 Info
- Französisches Bildungsministerium