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Alle Artikel · 16.05.2025 06:26

Finanzskandal um den Rassemblement National – Jordan Bardella beklagt "politisches Mobbing"

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass neue Schlagzeilen die politische Landschaft Frankreichs erschüttern. Diesmal steht - mal wieder - der Rassemblement National (RN) im Kreuzfeuer der Justiz – und Parteichef Jordan Bardella reagiert mit...

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass neue Schlagzeilen die politische Landschaft Frankreichs erschüttern. Diesmal steht - mal wieder - der Rassemblement National (RN) im Kreuzfeuer der Justiz – und Parteichef Jordan Bardella reagiert mit einem Frontalangriff gegen das System.

Millionenkredite unter der Lupe

Mehr als 2,3 Millionen Euro – das ist die Summe, um die es in den aktuellen Ermittlungen geht. Zwischen 2020 und 2023 sollen 23 Privatpersonen dem RN wiederholt Kredite gewährt haben. Auffällig: Das Geld kam an, aber wurde bislang kaum oder nur schleppend zurückgezahlt.

Die Justiz wittert mögliche Verstöße gegen das Parteiengesetz. Es geht um Betrug, Urkundenfälschung, unzulässige Darlehen von Privatpersonen an eine Partei und um nicht erlaubte Spenden über der gesetzlich festgelegten Grenze von 7.500 Euro.

Was auf den ersten Blick wie ein Finanzverfahren aussieht, hat längst eine politische Dimension erreicht.

Bardellas Konter: David gegen Goliath

Jordan Bardella ließ sich bei einem Besuch in Montceau-les-Mines nicht lange bitten. In einem emotionalen Statement sprach er von einer „finanziellen Hinrichtung“ seines Parteiapparats. Ihm zufolge blieb dem RN keine andere Wahl, als auf Privatkredite zurückzugreifen – schließlich habe keine einzige Bank dem rechten Lager im Wahlkampf Geld leihen wollen.

Verträge, rechtliche Absicherung, volle Transparenz – all das, so Bardella, sei gegeben. Umso mehr sieht er in den Ermittlungen ein gezieltes Manöver, um den RN wirtschaftlich zu ruinieren.

„Wir haben uns nichts vorzuwerfen“, sagte er. Seine Rhetorik wirkt kämpferisch, jedoch fast verzweifelt.

Altlasten und neue Baustellen

Der Zeitpunkt der Ermittlungen ist kein Zufall. Schon seit Jahren kämpft der RN an mehreren juristischen Fronten. In der berüchtigten Affäre um die Assistenten des Europäischen Parlaments wurde Marine Le Pen unlängst zu vier Jahren Haft, davon zwei auf Bewährung, sowie zu 100.000 Euro Geldstrafe und fünf Jahren Unwählbarkeit verurteilt – ein schwerer Schlag.

Und auch Bardella selbst bleibt nicht unberührt. Im Raum steht der Vorwurf, er habe 2015 seine parlamentarische Tätigkeit mit manipulierten Dokumenten gerechtfertigt. Beweise? Noch nicht. Aber der Journalist Tristan Berteloot spricht von fabrizierten Unterlagen, mit denen Bardellas Rolle verschleiert werden sollte.

Der RN-Chef wehrt sich vehement – und spricht von einer „groben Inszenierung zur Destabilisierung“ seiner Partei.

Opferrolle als Strategie

Wer den RN kennt, weiß: Der Griff zur Opferrolle ist fester Bestandteil der Kommunikation. Bereits Marine Le Pen wusste, wie man juristische Ermittlungen als Angriff auf das „wahre Frankreich“ verkauft. Bardella tritt nun in ihre Fußstapfen – und nutzt die Gelegenheit, um seine Basis zu mobilisieren.

Er stellt die Ermittlungen als Teil eines größeren Plans dar – eines politischen Apparates, der den RN systematisch bekämpfen will. Die Sprache ist drastisch: „Hassjustiz“, „Schikane“, „finanzielle Erstickung“.

Doch was steckt wirklich hinter dieser Rhetorik? Nur Verteidigung – oder auch Ablenkung?

Explosives Potenzial für den Wahlkampf

Ein Punkt steht außer Frage: Sollte sich auch nur ein Teil der Vorwürfe bestätigen, wäre das ein schwerer Imageschaden. Der RN, der sich gerne als „saubere Alternative“ zu den etablierten Parteien inszeniert, müsste sich unangenehme Fragen zur Finanzierung und Transparenz gefallen lassen.

Besonders heikel: Die Ermittlungen könnten den Wahlkampf der Kommunalwahlen, die im März 2026 stattfinden werden, beeinflussen. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt – denn nichts schreckt Wähler mehr ab als der Verdacht von Korruption und Intransparenz.

Gleichzeitig zeigt sich hier ein Grundproblem der französischen Parteienlandschaft: Die Abhängigkeit von privaten Geldern. Wer nicht auf staatliche Finanzierung oder Banken zählen kann, sucht Alternativen – manchmal mit rechtlichem Risiko.

Und jetzt?

Wohin sich die Sache entwickelt, bleibt offen. Die Ermittlungen stehen erst am Anfang, und bis zu einer möglichen Anklage kann viel passieren. Eines jedoch ist sicher: Der RN wird diese Auseinandersetzung öffentlichkeitswirksam inszenieren – als Schlacht gegen ein feindlich gesinntes Establishment.

Ob das verfängt? Die Antwort liegt – wie so oft – beim Wähler.

Von Andreas M. Brucker

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