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À la une · 07.07.2025 07:03

Flammen in Südfrankreich – Angst, Asche und die bange Frage nach der Zukunft

Es ist Samstag, der 5. Juli 2025, 13:30 Uhr. Am Col de la Tortue, einem scheinbar friedlichen Pass bei Fabrègues im Hérault, tanzen plötzlich Flammen über das dürre Gras. Binnen Minuten schiebt der mistralartige...

Es ist Samstag, der 5. Juli 2025, 13:30 Uhr. Am Col de la Tortue, einem scheinbar friedlichen Pass bei Fabrègues im Hérault, tanzen plötzlich Flammen über das dürre Gras. Binnen Minuten schiebt der mistralartige Wind die Glutwelle Richtung Norden. Sie überspringt die sechsspurige A9 wie ein Funke, der von einer Kerze auf die nächste springt.

Autofahrer sitzen fest. Zehn Kilometer Stau auf beiden Seiten. Sommerferienzeit, chassé-croisé. Familien schwitzen in stillstehenden Autos, während in der Ferne dunkle Rauchpilze aufsteigen.

Ein Wettlauf, den niemand gewinnen will

Die Feuerwehr rückt mit hunderten Kräften an. Zwei Canadair-Löschflugzeuge donnern übers Massif de la Gardiole. Vier Dash-Flugzeuge werfen rot gefärbtes Löschmittel ab. Ein Puma-Löschhubschrauber kreist über den Baumwipfeln, ein leichter Wasserbomber zischt heran. Fast wie ein Film – nur ohne Popcorn, ohne Happy End.

Denn schon wenige Stunden später hat das Feuer über 400 Hektar Vegetation verschlungen. Büsche, Kiefern, Eichen – Asche. Grauer Staub bedeckt Straßen und Gärten zwischen Fabrègues und Mireval.

https://twitter.com/infoccitanie/status/1941517396084400146

„Die Luft war irrespirable“

So beschreibt es Lorette, Bewohnerin von Mireval. Sie klingt immer noch atemlos, als sie sagt: „Man sah nichts mehr. Überall dicke Rauchschwaden, große Ascheflocken fielen vom Himmel.“ Fast wie Schnee, nur ohne Schönheit.

In Frontignan bricht Sandrine in Tränen aus. Ihr Zuhause existiert nicht mehr. Verkohlte Balken, verbrannte Erinnerungen. „Es gibt nichts mehr“, sagt sie leise.

https://twitter.com/theotthomas/status/1941891460674015557

Industrie in Gefahr

Besonders heikel wurde es, als die Flammen das Testgelände des Reifenherstellers Goodyear erreichten. Ein Industriebrand hätte fatale Folgen haben können. Doch die Feuerwehr drängte das Feuer zurück. „Am Ende gab es mehr Angst als Schaden“, versucht Mirevals Bürgermeister Christophe Durand zu beruhigen.

Nachtsieg der Einsatzkräfte

Erst in der Nacht zu Sonntag gelingt es, das Feuer einzukesseln. 400 Feuerwehrleute stehen im Schein ihrer eigenen Flutlichter, während zwei Löschflugzeuge in der Dunkelheit letzte Brandnester bekämpfen.

Trotzdem bleibt die Gefahr. 200 Feuerwehrleute patrouillieren am Morgen danach, löschen Glutnester, sichern Waldränder. Denn ein Funke reicht – und alles beginnt von vorn.

Südfrankreich brennt – nicht nur hier

Fast zeitgleich bricht bei Moux im Département Aude ein weiteres Feuer aus. Ein brennendes Auto auf der A61 entzündet den trockenen Boden. 480 Hektar brennen nieder, Flammen fressen sich bis wenige Meter an die ersten Häuser heran.

In den Bouches-du-Rhône, nahe der Côte Bleue, geht ein Stück Mittelmeerwald verloren. Einhundert Hektar schwarz verkohlter Hang. Zypressen, Pinien, Ginster – alles verbrannt.

https://twitter.com/theotthomas/status/1941891460674015557

Rote Alarmstufe im Süden

Die Behörden schlagen Alarm. Hérault, Aude, Bouches-du-Rhône – alle drei Départements verhängen rote Waldbrandwarnungen. Wald- und Berg-Zugänge sind gesperrt. Kein Spaziergang mehr, keine Mountainbike-Tour. Zu gefährlich. Ein weggeworfener Zigarettenstummel reicht, um alles zu entfachen.

Klimawandel? Urbanisierung? Menschliche Nachlässigkeit?

Sicherlich von allem etwas. Sicher ist: Die Mittelmeerregion wird trockener, heißer, anfälliger. Städte wachsen immer näher an Pinienwälder und Macchia heran. Prävention, sagen Experten, ist kein nettes Extra mehr, sondern überlebenswichtig. Mehr Freischneidungen um Häuser, mehr Brandschneisen, mehr Bewusstsein.

Denn niemand möchte erleben, was Sandrine erlebt hat. Das Flackern der Flammen in den Fenstern. Den Moment, in dem das Zuhause zu Asche wird.

Und jetzt?

Für viele Menschen in Südfrankreich heißt es aufräumen, verarbeiten, wieder Mut fassen. Die schwarzen Baumgerippe stehen wie Mahnmale in der Landschaft. Sie fragen wortlos:

Wie wollen wir in Zukunft leben – wenn alles, was wir lieben, in wenigen Stunden zu Asche werden kann?

Autor: Andreas M. Brucker

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