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Alle Artikel · 09.07.2025 10:02

Fliegen wird teurer – Frankreichs plant Umbau der Luftverkehrssteuer

Fliegen könnte in Frankreich ab 2026 deutlich teurer werden. Die Regierung plant im Rahmen des Haushaltsgesetzes eine Reihe neuer Abgaben auf den Luftverkehr. Damit sollen einerseits zusätzliche Staatseinnahmen generiert, andererseits klimapolitische Ziele unterstützt werden....

Fliegen könnte in Frankreich ab 2026 deutlich teurer werden. Die Regierung plant im Rahmen des Haushaltsgesetzes eine Reihe neuer Abgaben auf den Luftverkehr. Damit sollen einerseits zusätzliche Staatseinnahmen generiert, andererseits klimapolitische Ziele unterstützt werden. Doch die Pläne stossen bei Fluggesellschaften und Flughäfen auf massiven Widerstand.

Die französische Regierung berät derzeit über den Haushaltsentwurf für 2026, der eine signifikante Neugestaltung der Luftverkehrssteuer vorsieht. Im Zentrum stehen drei Massnahmen: die Abschaffung der Kerosinsteuerbefreiung, die Anhebung der Mehrwertsteuer auf Inlandsflüge sowie eine neue Passagierabgabe in Paris.

Ende der Kerosinsteuerbefreiung – ein Paradigmenwechsel

Bislang ist Kerosin in Frankreich, wie fast überall in der EU, von der Energiesteuer (TICPE) befreit. Diese Ausnahmeregelung gilt für alle kommerziellen Flüge und wird seit Jahren von Umweltverbänden kritisiert, da sie fossile Mobilität subventioniert. Nun soll die Befreiung für Inlandsflüge entfallen.

Nach Schätzungen des französischen Finanzministeriums könnte diese Massnahme jährlich rund 660 Millionen Euro zusätzlich in die Staatskasse spülen. Für Passagiere würde sich dies in einem Preisanstieg von etwa 60 Euro für ein Hin- und Rückflugticket innerhalb Frankreichs niederschlagen. Eine Summe, die gerade bei Low-Cost-Anbietern oder Geschäftsreisenden deutliche Auswirkungen auf die Nachfrage haben dürfte.

Höhere Mehrwertsteuer auf Inlandsflüge

Eine zweite Massnahme betrifft die Mehrwertsteuer. Der ermässigte Steuersatz von 10 % auf inländische Flugtickets soll auf den Standardsatz von 20 % angehoben werden. Im Durchschnitt bedeutet dies einen Aufschlag von rund 13 Euro pro Ticket. Befürworter argumentieren, dass hierdurch eine Angleichung an die steuerliche Behandlung anderer Transportmittel wie Bahn oder Fernbus erfolge. Kritiker hingegen warnen vor einer schleichenden Verteuerung des regionalen Luftverkehrs, der insbesondere in strukturschwachen Gebieten für Konnektivität sorgt.

Neue Flughafenabgabe in der Île-de-France

Darüber hinaus plant die Regierung die Einführung einer neuen Passagierabgabe von je einem Euro für Abflug und Ankunft in den Flughäfen der Île-de-France. Die Einnahmen sollen an Île-de-France Mobilités fliessen, den regionalen Verkehrsverbund, um Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr zu finanzieren – insbesondere angesichts des strukturellen Defizits und der Kostensteigerungen bei Grossprojekten wie der Metro-Erweiterung Grand Paris Express.

Widerstand der Branche – Sorge um Wettbewerbsfähigkeit

Die Luftverkehrswirtschaft reagiert mit scharfer Kritik. Thomas Juin, Präsident der Union des aéroports français, wies darauf hin, dass das Passagieraufkommen auf Inlandsstrecken seit 2017 bereits um 14 % gesunken sei – nicht zuletzt wegen der Konkurrenz des Hochgeschwindigkeitszugs TGV und der pandemiebedingten Einbrüche. Zusätzliche Steuerlasten könnten die Nachfrage weiter dämpfen.

Auch Fluggesellschaften wie Air France oder Transavia warnen vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber Nachbarländern, in denen Kerosin weiterhin steuerfrei bleibt. Eine mögliche Folge könnte die Verlagerung von Kapazitäten ins Ausland sein, insbesondere bei Billigfluglinien, die auf minimale Kostenstrukturen angewiesen sind. Frankreich riskiere, sich vom europäischen Luftverkehrsknotenpunkt zu einem Hochsteuerstandort zu entwickeln.

Ökologische Ziele und fiskalische Zwänge

Für die Regierung stehen zwei Argumentationslinien im Vordergrund: Einerseits sollen die Steuermehreinnahmen den Haushalt konsolidieren, der aufgrund hoher Sozial- und Klimainvestitionen sowie steigender Schuldzinsen unter Druck steht. Andererseits betont das Umweltministerium, dass «die ökologische Transformation des Sektors ohne Preissignale nicht gelingen kann».

Frankreich hatte bereits 2021 ein Gesetz verabschiedet, das Kurzstreckenflüge auf Strecken unter zweieinhalb Stunden verbietet, wenn es eine direkte Bahnverbindung gibt. Nun folgt mit der Kerosinbesteuerung der nächste Schritt in der Dekarbonisierung des Verkehrs. Auf europäischer Ebene gibt es ähnliche Diskussionen: Die EU-Kommission plant im Rahmen von «Fit for 55» eine graduelle Einführung einer Kerosinsteuer bis 2033.

Zwischen Klima, Haushalt und Wirtschaftskraft

Die Frage bleibt, wie weit die Gesellschaft – und die Wirtschaft – bereit ist, diese Verteuerung zu tragen. Klimapolitisch sind Lenkungsabgaben ein effizientes Instrument, um umweltschädliches Verhalten unattraktiver zu machen. Fiskalisch kann der Staat seine Einnahmen verbessern. Doch volkswirtschaftlich besteht die Gefahr, dass Arbeitsplätze im Luftverkehr abgebaut und Frankreichs internationale Anbindung geschwächt wird.

Der Haushaltsstreit 2026 dürfte daher auch zu einem Grundsatzstreit über die künftige Mobilität in Frankreich werden: zwischen dem Ziel der Klimaneutralität und dem Anspruch, ein international wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort zu bleiben.

Autor: P. Tiko

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