Tag & Nacht

Ein bevorstehendes Wochenende voller Turbulenzen für Passagiere des Flughafens Paris-Orly. Wegen eines Streiks einer Fluglotsen-Gewerkschaft werden am Samstag und Sonntag bis zu 70 % der Flüge gestrichen. Ausgenommen davon sind Flüge in die Überseegebiete. Die Fluglotsen, die kürzlich bereits Gehaltserhöhungen erhalten haben, fordern diesmal mehr Personal, um für die kommenden Jahre gerüstet zu sein.

Warum der Streik?

Der Streik wurde von der Gewerkschaft Unsa-Icna ausgerufen, die mit 17 % der Stimmen die zweitgrößte Vertretung der Fluglotsen stellt. Die Unsa-Icna kritisiert das Ende April zwischen der Direction générale de l’aviation civile (DGAC) und der größten Fluglotsen-Gewerkschaft SNCTA (60 % der Stimmen) geschlossene Abkommen. Sie befürchtet, dass es nicht ausreicht, um einem drohenden Personalmangel bis 2027 vorzubeugen.

Massive Flugstreichungen

In Reaktion auf den Streikaufruf forderte die DGAC am Freitag die Fluggesellschaften auf, ihr Flugprogramm am Samstag um 70 % zu reduzieren. Dies gilt von 04:00 bis 21:30 GMT am Flughafen Paris-Orly. Diese Reduzierung wurde später auch auf den Sonntag ausgedehnt.

Die Flüge in die französischen Überseegebiete – ein wesentlicher Bestandteil des Flugverkehrs in Orly – sollen jedoch erhalten bleiben, um die „territoriale Kontinuität“ zu gewährleisten. Für alle anderen Reisenden bedeutet dies jedoch erhebliche Einschränkungen und mögliche Änderungen ihrer Reisepläne.

Vergangene Streiks und Forderungen

Bereits am 25. April hatte ein Streik der Fluglotsen inmitten der Schulferien zu massiven Störungen im gesamten französischen Luftverkehr und in Europa geführt. Damals kam es erst in letzter Minute zu einer Einigung mit der SNCTA, was jedoch nicht ausreichte, um Tausende Flugstreichungen zu verhindern.

Die damaligen Proteste richteten sich gegen begleitende Maßnahmen einer Neugestaltung der französischen Flugsicherung, insbesondere gegen Gehaltsregelungen. Die Lotsen forderten unter anderem eine Gehaltserhöhung von 25 % über fünf Jahre. Laut der Zeitung Les Échos erhielten sie schließlich Gehaltserhöhungen zwischen 226 und 1.001 Euro pro Monat.

Langfristige Sorgen um genügend Personal

Der aktuelle Streik ruft erneut Besorgnis über zukünftige Personalengpässe hervor. Der französische Verkehrsminister Patrice Vergriete, bedauerte den Streik und appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Fluglotsen. „Ich bedauere das Verhalten einiger lokaler Gewerkschaftsvertreter, die die Legitimität eines Mehrheitsabkommens nicht anerkennen und die Passagiere dafür bezahlen lassen“, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Unsa-Icna betont jedoch, dass das kürzlich geschlossene Gehaltsabkommen die drohenden Personalprobleme nicht löse. „Die Manager des Flughafens Orly verharren in Geiz und Rechenexzessen, die die Teams schnell wieder in einen Personalmangel zurückwerfen werden“, warnte die Gewerkschaft in einem Flugblatt.

Weitere Proteste und langfristige Herausforderungen

Neben dem Streik von Unsa-Icna hat auch die Gewerkschaft Usac-CGT einen Streik vom 23. bis 30. Mai angekündigt, um gegen die geplante Schwächung des „territorialen Netzes“ durch die Flugsicherungsreform zu protestieren.

Wie geht es weiter? Kann man auf eine baldige Lösung hoffen oder drohen noch mehr Turbulenzen? Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Verantwortlichen eine nachhaltige Lösung finden können. Bis dahin bleibt den Passagieren in Frankreich wohl nichts anderes übrig, als sich auf weitere Unannehmlichkeiten einzustellen.


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