DONNERSTAG, 09. JULI 2026 Anmelden / Beitreten Mitgliedskonto
Zurück

Aktuell · 09.07.2026 16:07

Francis Szpiner in Paris wegen passiver Korruption formell beschuldigt

Der Pariser Senator und frühere Bezirksbürgermeister des 16. Arrondissements, Francis Szpiner (Les Républicains), ist am 9. Juli 2026 wegen passiver Korruption im Zusammenhang mit der Vergabe einer Sozialwohnung 2023 unter richterliche Beschuldigung gestellt worden.…

Paris – 09.07.2026: Der Anwalt und Senator Francis Szpiner (Les Républicains) ist am 9. Juli 2026 in Paris formell „mis en examen“ gestellt worden – strafrechtlich beschuldigt wegen passiver Korruption. Im Zentrum der Ermittlungen steht die Zuteilung einer Sozialwohnung im 16. Arrondissement im Jahr 2023, als Szpiner dort noch Bezirksbürgermeister war. Nach übereinstimmenden Medienberichten geht es um den Verdacht, die Vergabe könnte im Gegenzug für sexuelle Handlungen erfolgt sein.

Die Ermittlungen laufen seit 2024. Grundlage der nun erweiterten richterlichen Prüfung ist laut Presseberichten vor allem die Aussage der Empfängerin der Wohnung. Szpiner bestreitet die Vorwürfe und betont seine Unschuld. Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte bereits zuvor bestätigt, dass sie wegen Korruption ermittelt. Mit der förmlichen Beschuldigung übernimmt ein Untersuchungsrichter die Leitung der weiteren Schritte. Sie ist kein Schuldspruch, ermöglicht aber prozessuale Auflagen und vertiefte Zwangsmaßnahmen, etwa die Auswertung elektronischer Kommunikation oder die Anforderung von Unterlagen.

In Korruptionssachen rund um Wohnungsvergabe spielen Sitzungsprotokolle der zuständigen Gremien, interne Kriterienkataloge sowie die Dokumentation der Wartelisten eine besondere Rolle. Beobachter verweisen darauf, dass die Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen in Großstädten häufig umstritten ist – gerade bei knappen Sozialwohnungen. In Paris obliegt die Auswahl in der Regel lokalen Vergabekommissionen, die nach festgelegten sozialen Kriterien priorisieren. Ermittler prüfen in solchen Verfahren regelmäßig, ob von diesen Kriterien abgewichen wurde und wer darauf Einfluss nahm.

Politisch ist der Fall brisant. Szpiner ist eine bekannte Figur des bürgerlichen Lagers und vertritt Paris im Senat. Er war zudem im Kommunalwahljahr 2026 in der Hauptstadt präsent. Aus den Reihen der Opposition und auch aus dem eigenen Lager kommen Forderungen nach Transparenz und rascher Klärung, um mögliche Interessenkonflikte auszuschließen. Für seine Partei geht es dabei um Glaubwürdigkeit in der Integritätsfrage; zugleich gilt die Unschuldsvermutung. Konkrete parteiinterne Maßnahmen wurden bis Redaktionsschluss nicht bekannt.

Rechtlich befindet sich das Verfahren in einem frühen Stadium. Die richterliche Beschuldigung markiert einen wichtigen Schritt, setzt aber noch keinen Anklagebeschluss voraus. Über Umfang weiterer Vernehmungen, mögliche Konfrontationen oder ergänzende Gutachten wurde nichts Offizielles mitgeteilt. Die Pariser Staatsanwaltschaft und die Untersuchungsrichterschaft äußern sich zu laufenden Ermittlungen traditionell zurückhaltend. Weitere Entscheidungen – etwa über Auflagen, die Einbeziehung zusätzlicher Akten der Wohnungsstellen oder eine spätere Anklage – könnten in den kommenden Wochen folgen.

Quellen

  • Franceinfo
  • Le Monde
  • RTL
  • 20 Minutes

Nachrichten per E-Mail erhalten

Mit dem kostenlosen Mitgliedskonto von France Premium legen Sie fest, welche Hinweise Sie per E-Mail bekommen möchten: sofort bei wichtigen Meldungen oder als ruhige Tageszusammenfassung.

  • News und Tageszeitung nach Ihren Interessen
  • Wetter- und Verkehrshinweise für gewählte Regionen
  • Fußball-Liveereignisse zu ausgewählten Teams
  • Rezepte, Kultur, Veranstaltungen und Premium-Hinweise
Newsletter bestellen

Die Anmeldung ist kostenlos. Sie können Ihre Auswahl jederzeit im Mitgliedskonto ändern oder abbestellen.