Tag & Nacht

Zu Beginn des Wochenendes des 15. Juni füllen sich die Straßen Frankreichs mit lautstarken Protesten gegen den Aufstieg der extremen Rechten. Mit einer beeindruckenden Anzahl von fast 200 Demonstrationen und Kundgebungen haben verschiedene Organisationen und fünf Gewerkschaften (CGT, CFDT, UNSA, FSU und Solidaires) zu landesweitem Protest aufgerufen. Von Nîmes bis Nancy, von Périgueux bis Tours – die Botschaft ist klar: Die Demokratie verteidigen, die Extremisten zurückdrängen.

Okzitanien: Vielfalt und Entschlossenheit

In Nîmes, einer Stadt, in der das Rassemblement National (RN) bei den Europawahlen 28,8% der Stimmen erreichte, versammelten sich laut den Organisatoren 2.000 Demonstranten, die Polizei schätzte die Zahl auf 1.000. Diese Diskrepanz ist typisch für Protestberichte – aber die Entschlossenheit der Menschen ist unmissverständlich. Auch in Alès und Perpignan gab es bedeutende Mobilisierungen. Besonders in Perpignan, regiert vom RN-Bürgermeister Louis Aliot, ließen über 1.000 Menschen ihren Protest hören. Ein besonders einprägsames Schild dort lautete: „Marine, Jordan, Louis, schaut uns an. Wir sind schön, wir kommen aus allen Ecken der Welt, aber für euch sind wir zu viel.“

Nouvelle-Aquitaine: Die Jugend erhebt sich

In La Rochelle, im Departement Charente-Maritime, versammelten sich zwischen 600 und 800 Menschen. „La République, la démocratie est en danger“ – die Sorge vor einem demokratischen Rückschritt ist allgegenwärtig. Viele Demonstranten erinnerten an die Worte der Rapperin Diam’s und machten klar: Die Jugend wird sich niemals dem Nationalismus beugen.

Ein beeindruckendes Bild bot sich auch in Périgueux, wo 1.400 Menschen vor dem Justizpalast demonstrierten. Unterstützt von Organisationen wie Attac und der Ligue des droits de l’Homme, protestierten die Bürger gegen den RN, der in der Region 35% der Stimmen erhalten hatte. Auch hier zeugten Schilder wie „Les fachos votent, et vous?“ von der dringlichen Notwendigkeit des Widerstands und der Teilnahme an den Wahlen.

Grand Est: Einigkeit und Feierlichkeit

Nancy erlebte eine der größten Mobilisierungen mit 5.000 Teilnehmern laut CGT, wobei die Polizei von 2.000 sprach. In einer fast festlichen Atmosphäre, wie ein Reporter von France Bleu Sud Lorraine berichtete, trugen die Demonstranten Schilder mit Aufschriften wie „Attention virage à droite“ und „Environnement, quel avenir sous un gouvernement RN?“

Zentrum Val-de-Loire: Soziale Forderungen und Widerstand

In Tours gingen über 500 Menschen auf die Straße, um sowohl gegen die extreme Rechte als auch für soziale Gerechtigkeit zu demonstrieren. Besonders eindrucksvoll war ein Schild, das die Ablehnung des RN gegenüber einer Erhöhung des Mindestlohns und der Gesundheitsbudgets anprangerte: „Le Smic à 1.500 euros? Jordan Bardella a dit non. Tu ne trouves pas de médecin? Ce n’est pas son problème.“ („Der Mindestlohn von 1.500 Euro? Jordan Bardella sagt nein. Du findest keinen Arzt? Das ist nicht sein Problem.“)

Normandie: Ein klares Statement

Auch in Cherbourg zeigten Hunderte Menschen in den Straßen Präsenz. Mit Slogans und klaren Botschaften stellten sie sich gegen den Aufstieg der extremen Rechten und für den Erhalt der Demokratie.

Fazit: Ein klares Zeichen

Die landesweiten Demonstrationen gegen die extreme Rechte zeigen deutlich, dass viele Franzosen nicht bereit sind, tatenlos zuzusehen, wie demokratische Werte und soziale Gerechtigkeit unter Druck geraten. Die Vielfalt der Teilnehmer und die Breite der gezeigten Solidarität sind ein starkes Signal dafür, dass der Kampf um die demokratischen Ideale in Frankreich lebendig und entschlossen geführt wird. Die Demonstrationen dieses Wochenendes beweisen eindrucksvoll: Die Stimme des Volkes ist laut, bunt und unüberhörbar.


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