Aktuell · 03.07.2026 08:05
Frankreich meldet deutliches Übersterblichkeits-Plus während Juni-Hitzewelle
Gesundheitsministerin Stéphanie Rist verweist auf vorläufige Zahlen: In der Woche vom 22. bis 28. Juni wurden rund 2.025 zusätzliche Todesfälle erfasst – national knapp +30 %, in Paris deutlich darüber.
Paris – 03.07.2026: Die französische Gesundheitsministerin Stéphanie Rist hat am Freitag vorläufige Zahlen zu den Folgen der Ende Juni abgeklungenen Hitzewelle vorgestellt. Nach Angaben von Santé publique France wurden in der Woche vom 22. bis 28. Juni landesweit etwa 2.025 zusätzliche Todesfälle im Vergleich zur Vorwoche registriert. Das entspricht einem Anstieg von knapp 30 Prozent. Die Gesundheitsbehörde weist darauf hin, dass die Datengrundlage noch unvollständig ist und die tatsächliche Zahl höher liegen könnte.
Ermittelt wurden die Zahlen über zwei Schnellmeldesysteme: zum einen die elektronischen Totenscheine, die zeitnah von Ärztinnen und Ärzten übermittelt werden, zum anderen das Syndromsurveillancesystem SurSaUD, das Notfallkontakte und Sterbefälle erfasst. Eine Zunahme der Mortalität zeichnete sich ab dem 23. Juni ab. Je nach Region und Sterbeort – Krankenhaus, Pflegeheim oder Wohnung – ist die Abdeckung der Meldungen unterschiedlich, weshalb eine endgültige, qualitätsgesicherte Bilanz erst nachträglich veröffentlicht wird.
Besonders betroffen war die Île-de-France, wo die vorläufige Übersterblichkeit deutlich über dem nationalen Mittel lag. Aus Paris liegen Hinweise auf einen außergewöhnlich starken Ausschlag vor. Parallel stiegen die Hausbesuche und Todesfeststellungen von SOS Médecins an, ebenso die Zahl der Notfall- und Intensivaufnahmen wegen hitzebedingter Beschwerden wie Dehydration, Hitzschlag und kardiale Dekompensation. Météo-France hatte zuvor großflächig vor sehr hohen Temperaturen gewarnt und für mehrere Départements erhöhte Alarmstufen aktiviert.
Fachleute betonen, dass akute Hitze vor allem vulnerable Gruppen trifft: ältere und pflegebedürftige Menschen, Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen sowie Menschen in schlecht isolierten Wohnungen oder ohne ausreichende Kühlung. Seit der tödlichen Hitzewelle 2003 verfügen Kommunen und Präfekturen über Hitzepläne mit öffentlicher Warnkommunikation, Telefon-Hotlines, kühlen Anlaufstellen in Rathäusern und Bibliotheken sowie Besuchsdiensten. Die jüngsten Zahlen nähren jedoch die Debatte, ob diese Maßnahmen flächendeckend greifen und ausreichend finanziert sind.
Aus dem Pariser Krankenhausverbund AP-HP wurde eine hohe Auslastung der Notaufnahmen gemeldet. Generaldirektor Nicolas Revel verwies auf angespannte Dienstpläne und zusätzliche Betten in der Akutversorgung, vermied aber eine vorzeitige Gesamteinschätzung. Das Gesundheitsministerium kündigte an, gemeinsam mit den Regionalagenturen für Gesundheit die Versorgungskapazitäten, insbesondere in Alten- und Pflegeeinrichtungen, zu überprüfen und Hitzeschutzprotokolle für Personal, Bewohnerinnen und Bewohner zu evaluieren.
Santé publique France will in den kommenden Wochen konsolidierte epidemiologische Berichte mit Aufschlüsselungen nach Altersgruppen und Regionen vorlegen. Bis zur Veröffentlichung dieser Auswertungen gelten die nun genannten Werte als belastbare, aber vorläufige Indikatoren. Die Regierung ruft derweil dazu auf, bewährte Präventionsregeln strikt zu beachten – ausreichend trinken, körperliche Anstrengung in der größten Hitze vermeiden, Innenräume kühlen und gefährdete Personen aktiv betreuen.
Quellen
- Santé publique France
- TF1
- Le Monde
- AFP
- Agence Anadolu (AA)