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Alle Artikel · 21.03.2025 06:42

Frankreich rehabilitiert Frauen, die vor 1975 wegen Abtreibung verurteilt wurden

Ein halbes Jahrhundert nach der historischen Legalisierung der Abtreibung hat der französische Senat am 20. März ein starkes Zeichen gesetzt: Frauen, die vor der Einführung der sogenannten Loi Veil im Jahr 1975 wegen eines...

Ein halbes Jahrhundert nach der historischen Legalisierung der Abtreibung hat der französische Senat am 20. März ein starkes Zeichen gesetzt: Frauen, die vor der Einführung der sogenannten Loi Veil im Jahr 1975 wegen eines Schwangerschaftsabbruchs verurteilt wurden, sollen offiziell rehabilitiert werden. Und nicht nur sie – auch jene, die ihnen damals geholfen haben.

Das ist mehr als nur ein juristischer Akt. Es ist eine symbolische Anerkennung jahrzehntelangen Leids, das viele Frauen still ertragen haben – beschämt, verschwiegen, vergessen. Diese neue Gesetzesinitiative ist eine Art späte Wiedergutmachung für eine Zeit, in der weibliche Selbstbestimmung strafbar war.

Ein einstimmiger Senat – selten genug

Das Gesetzesvorhaben stammt aus den Reihen der sozialistischen Fraktion, initiiert von Laurence Rossignol, einst Ministerin für Frauenrechte. Unterstützt wurde es von der Regierung – und es wurde einstimmig angenommen. Eine politische Einigkeit, die man nicht alle Tage erlebt.

In den kommenden Wochen wird das Gesetz der Nationalversammlung vorgelegt. Doch schon jetzt ist klar: Das Thema hat eine gesellschaftliche Wucht. Es geht um Anerkennung und Gerechtigkeit – auch posthum.

Ein Schweigen, das endlich gebrochen wird

Vor 1975 galt in Frankreich: Abtreibung ist illegal. Wer es dennoch wagte, musste mit Haftstrafen rechnen – oder mit der lebensgefährlichen Realität eines illegalen Eingriffs. Viele Frauen verloren dabei ihr Leben. Noch mehr litten im Stillen. An den körperlichen Folgen – und an der moralischen Verurteilung.

Die nun beschlossene Initiative will diesem Schweigen etwas entgegensetzen. Der Staat soll sich offiziell zu seiner Verantwortung bekennen – und anerkennen, dass die damaligen Gesetze nicht nur gegen das Recht auf Gesundheit, sondern auch gegen die sexuelle und reproduktive Autonomie von Frauen verstießen.

Ein Komitee für Erinnerung und Anerkennung

Konkret sieht der Gesetzestext auch die Schaffung einer nationalen Kommission vor, die sich mit dem erlittenen Unrecht auseinandersetzt. Ihre Aufgabe: Den Schmerz dokumentieren, die Geschichten der betroffenen Frauen sammeln und weitergeben. Nicht nur, um sie zu würdigen – sondern auch, um die kollektive Erinnerung zu bewahren.

Dabei geht es nicht nur um Betroffene, sondern auch um jene, die halfen: Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen, Feministinnen – Menschen, die unter Einsatz ihrer Freiheit anderen Frauen in der Not beistanden.

Eine längst überfällige Würdigung

Mit dem Gesetz wird nicht nur der rechtliche Rahmen von damals hinterfragt. Es ist auch ein kulturpolitisches Signal: Die Zeit des Schweigens soll ein Ende finden. Die Geschichten derjenigen, die unter dem Damoklesschwert eines Abtreibungsverbots lebten, gehören ins kollektive Gedächtnis. Nicht als Randnotizen, sondern als Mahnung und Erinnerung.

Frankreich hatte erst im vergangenen Jahr die "garantierte Freiheit zur Abtreibung" in der Verfassung verankert – ein historischer Schritt. Dass nun auch die Vergangenheit aufgearbeitet wird, macht die Botschaft rund: Reproduktive Rechte sind nicht nur ein aktuelles Thema – sie haben eine Geschichte, die oft von Schmerz geprägt war.

Ein Blick zurück – mit Blick nach vorn

Wird dieses Gesetz konkrete Entschädigungen bringen? Nein, darum geht es hier nicht primär. Es geht um Anerkennung. Um Respekt. Und darum, dass der Staat sagt: „Was damals geschehen ist, war Unrecht.“

So gesehen ist die Rehabilitierung kein Ende, sondern ein Anfang. Ein Anfang, Frauen sichtbar zu machen, die zu lange unsichtbar waren. Und ihre Geschichten in das kollektive Bewusstsein zu schreiben – wo sie hingehören.

Von C. Hatty

https://twitter.com/publicsenat/status/1902735083196604802

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