À la une · 15.03.2025 07:05
Frankreich rüstet auf: Emmanuel Macron fordert Tempo von der Rüstungsindustrie
Frankreich steht vor großen sicherheitspolitischen Herausforderungen – und Emmanuel Macron will sicherstellen, dass das Land vorbereitet ist. Deshalb versammelte er am Freitag, dem 14. März, die wichtigsten Vertreter der Rüstungsindustrie im Elysee-Palast. Seine Fragen...
Frankreich steht vor großen sicherheitspolitischen Herausforderungen – und Emmanuel Macron will sicherstellen, dass das Land vorbereitet ist. Deshalb versammelte er am Freitag, dem 14. März, die wichtigsten Vertreter der Rüstungsindustrie im Elysee-Palast. Seine Fragen waren klar: Wie viele Waffen und Munition können Sie liefern? Zu welchem Preis? Und wie schnell?
Die internationale Lage spitzt sich zu. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine dauert an, während sich die USA sicherheitspolitisch stärker auf den Pazifikraum konzentrieren. Frankreich kann sich nicht darauf verlassen, dass andere für seine Verteidigung sorgen. Macron setzt daher auf eine massive Stärkung der eigenen Armee – und die Industrie muss liefern.
100 Milliarden Euro für die Verteidigung
Bereits am Donnerstag hat sich der Präsident mit François Bayrou und mehreren Ministern getroffen, um die finanziellen Weichen zu stellen. Die Marschrichtung ist klar: Der Verteidigungshaushalt soll auf 100 Milliarden Euro pro Jahr steigen.
Verteidigungsminister Sébastien Lecornu betont, dass es nicht nur um die Aufstockung von Waffenlagern geht. Frankreich braucht eine nachhaltige Produktionskapazität. Mehr Panzer, mehr Drohnen, mehr Munition – und das möglichst schnell.
Eine neue industrielle Dynamik
Macron hat es am 5. März in seiner Fernsehansprache deutlich gemacht: Frankreich muss schneller aufrüsten und gleichzeitig seine Industrie stärken. Es geht also nicht nur um die Armee, sondern auch um wirtschaftliche und technologische Unabhängigkeit.
Das bedeutet Investitionen in Rüstungsfabriken, die Einstellung von Ingenieuren und Facharbeitern sowie technologische Innovationen. Frankreich soll nicht nur Käufer, sondern auch Produzent modernster Verteidigungstechnologien sein. Das erfordert ein grundlegendes Umdenken in der Industriepolitik.
Verteidigung – ein Thema für alle
Doch warum wird dieses Thema plötzlich so präsent? Weil die geopolitische Lage es erzwingt. Der Krieg in Europa hat gezeigt, dass Friedenszeiten nicht selbstverständlich sind. Und da niemand weiß, wie sich die Lage in den kommenden Jahren entwickelt, wächst auch das Interesse der Bevölkerung an Fragen der nationalen Sicherheit.
Noch vor wenigen Jahren war es undenkbar, dass in französischen Wohnzimmern über Waffenproduktion oder Munitionsbestände diskutiert wird. Heute gehört das zur Realität. Die "Verteidigung", lange ein exklusives Thema der Regierung, ist in den Alltag der Bürger vorgedrungen.
Ein strategischer Wandel
Frankreichs Armee war lange darauf ausgerichtet, weit entfernte Auslandseinsätze mit hochspezialisierten Truppen durchzuführen. Doch die neue Bedrohungslage erfordert eine andere Strategie: Die Fähigkeit, sich auf einen längeren Konflikt vorzubereiten – mit ausreichend Material und Produktionskapazitäten.
Das ist eine gewaltige Herausforderung. Mehr Waffen in kürzerer Zeit herzustellen, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen, und gleichzeitig den Haushalt im Blick zu behalten, ist eine komplexe Aufgabe. Doch sie muss gemeistert werden.
Die Entscheidung fällt jetzt
Macron weiß: Das Thema Verteidigung ist längst nicht mehr nur eine technische Angelegenheit. Es ist eine politische und gesellschaftliche Frage. Die Armee braucht moderne Ausrüstung, die Industrie Planungssicherheit – und die Bevölkerung muss verstehen, warum Milliarden in diesen Bereich fließen.
Das Treffen mit den Rüstungsunternehmen an diesem Freitag war daher mehr als eine Bestandsaufnahme. Es geht um konkrete Zusagen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Frankreich dieser Herausforderung gewachsen ist.
Von C. Hatty