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Aktuell · 17.07.2026 16:00

Frankreich sperrt Polymarket nun vollständig

Die französische Glücksspielaufsicht ANJ hat den Zugang zu Polymarket aus Frankreich vollständig blockiert. Zuvor waren Einsätze bereits untersagt, während Quotendaten noch sichtbar blieben.

Paris – 17.07.2026: Frankreich hat den Zugang zur US-Plattform Polymarket aus seinem Staatsgebiet vollständig gesperrt. Die nationale Glücksspielaufsicht ANJ begründet den Schritt damit, dass die weiterhin sichtbaren Wettquoten für politische, sportliche und gesellschaftliche Ereignisse als Werbung für ein nicht zugelassenes Glücksspielangebot gelten können. Damit ist nicht mehr nur der Abschluss von Wetten, sondern auch der Aufruf der Internetseite aus Frankreich betroffen.

Polymarket bezeichnet sich als Prognosemarkt. Nutzer können dort Positionen auf den Ausgang klar definierter Ereignisse kaufen und verkaufen, etwa zu Wahlen, internationalen Konflikten, Sportwettbewerben oder Wetterdaten. Der Preis eines Kontrakts wird häufig als vom Markt gebildete Eintrittswahrscheinlichkeit verstanden. Nach Auffassung der französischen Aufsicht ähnelt dieses Modell jedoch zugleich einer Wettplattform und ist in Frankreich nicht genehmigt.

Bereits im November 2024 hatte die ANJ gegen die in Panama registrierte Betreiberin Adventure One QSS Inc. interveniert. Daraufhin richtete Polymarket eine geografische Sperre ein, die Einsätze aus Frankreich verhindern sollte. Die Startseite mit laufend aktualisierten Quoten blieb nach Angaben der Behörde jedoch erreichbar. Gerade diese Darstellung könne das Interesse an nicht erlaubten Wetten fördern, weshalb die Behörde nun die weitergehende Zugangssperre veranlasste.

Die Maßnahme trifft eine Plattform, deren Reichweite in Frankreich zuletzt deutlich gestiegen war. Nach Zahlen der ANJ verzeichnete Polymarket im Juni 2026 rund 578.751 Besuche und 205.057 einzelne Besucher aus Frankreich. Die Behörde verweist darauf, dass die Bewerbung nicht zugelassener Online-Glücksspiele strafbar sein kann. Auch das öffentliche Verbreiten von Quoten solcher Angebote zu Werbezwecken kann mit einer Geldstrafe geahndet werden.

Die ANJ warnt zudem vor besonderen Risiken dieser Märkte. Anders als bei zugelassenen Glücksspielangeboten fehlten auf solchen Plattformen teils Schutzvorkehrungen wie Einsatz- und Zeitlimits oder verlässliche Altersprüfungen. Hinzu komme das Risiko von Manipulationen: Wer auf ein Ereignis setzt und zugleich dessen Eintritt beeinflussen kann, erhält einen finanziellen Anreiz, den Ausgang zu verändern. Das betrifft besonders Wetten auf Sport, politische Entwicklungen oder messbare Wetterereignisse.

Im Zusammenhang mit Wetterwetten läuft in Paris bereits eine Untersuchung. Météo-France hatte im April 2026 Anzeige erstattet, nachdem der Betrieb eines Temperatursensors möglicherweise im Umfeld von Polymarket-Wetten beeinträchtigt worden war. Die Cybercrime-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft eröffnete am 4. Mai 2026 ein Ermittlungsverfahren und beauftragte das Office anti-cybercriminalité. Die vollständige Sperre von Polymarket ist davon rechtlich getrennt, unterstreicht aber die verschärfte Aufmerksamkeit der französischen Behörden für Prognosemärkte.

Quellen

  • Autorité nationale des jeux
  • AFP über AWP
  • Polymarket Help Center

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