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Alle Artikel · 24.04.2025 06:38

Frankreich streitet über Trauerbeflaggung für Papst Franziskus

Wenn Frankreich die Flaggen auf Halbmast setzt, ist das normalerweise ein Zeichen nationaler Trauer – und ein stilles Ritual, das selten große Wellen schlägt. Doch diesmal sorgt die Entscheidung, am 26. April 2025, dem...

Wenn Frankreich die Flaggen auf Halbmast setzt, ist das normalerweise ein Zeichen nationaler Trauer – und ein stilles Ritual, das selten große Wellen schlägt. Doch diesmal sorgt die Entscheidung, am 26. April 2025, dem Tag der Beisetzung von Papst Franziskus, die Fahnen an öffentlichen Gebäuden zu senken, für ordentlich Zündstoff.

Der Grund? Es geht um die ewige Gretchenfrage in Frankreich: Wie hältst du’s mit der Laïcité?

Ein symbolischer Akt oder ein Bruch mit Prinzipien?

Der französische Premierminister gab die Entscheidung bekannt, die Flaggen zu senken – mit der Begründung, der Papst sei nicht nur Oberhaupt der katholischen Kirche, sondern auch Staatschef des Vatikans. Ein Akt der Diplomatie also, ein Zeichen des Respekts für eine globale Friedensfigur.

So die Regierung.

Doch nicht alle sehen das so unkritisch. Besonders aus dem linken Lager hagelt es Kritik.

Linke Stimmen gegen das Senken der Fahnen

Marine Tondelier von den Écologistes etwa macht aus ihrer Empörung keinen Hehl. Für sie ist das ein „doppelter Standard“ – die Laïcité werde nämlich viel strenger ausgelegt, wenn es um andere Religionen, vor allem den Islam, gehe. Und Manuel Bompard von La France insoumise fragt sich, was eine Republik noch von einer Religion trennt, wenn sie für eine religiöse Autorität die Flaggen senkt.

Jérôme Guedj, sozialistischer Abgeordneter, bringt es drastisch auf den Punkt: Die Entscheidung sei ein „Fehler“, der Lehrkräften das Leben schwer mache – wie soll man Kindern die Neutralität des Staates erklären, wenn dieser solche Zeichen setzt?

Und Alexis Corbière, ebenfalls aus dem linken Lager, bleibt bei seiner Meinung: Der französische Staat hat keine Hommage an religiöse Führer zu leisten – egal wie groß ihre weltliche Bedeutung sein mag.

Ein Déjà-vu – schon einmal war Frankreich in dieser Lage

Ganz neu ist diese Debatte freilich nicht. Als Papst Johannes Paul II. im Jahr 2005 starb, senkte Frankreich ebenfalls die Flaggen. Schon damals war der Aufschrei groß. Interessant: François Bayrou, damals Chef der Zentrumspartei UDF, sprach sich vehement dagegen aus – und verteidigt nun, als Premierminister, genau dieselbe Maßnahme. Seine Begründung? Papst Franziskus habe sich besonders für die Armen und Ausgegrenzten starkgemacht.

Ein Rollentausch, der zeigt, wie wandelbar politische Haltungen sein können, wenn man auf der Regierungsbank sitzt.

Diplomatie oder religiöse Geste?

Verteidiger der Entscheidung erinnern daran: Frankreich senkt die Flaggen auch für weltliche Größen wie Nelson Mandela, Ronald Reagan oder Königin Elizabeth II. Damals gab es keinen Aufschrei – warum also jetzt? Der Akt sei diplomatisch, kein religiöses Bekenntnis.

Aber Hand aufs Herz: Lässt sich in einem Land, das so sehr auf seine strikte Trennung von Kirche und Staat pocht, Religion wirklich ausblenden, wenn es um den Papst geht?

Laïcité à la carte?

Diese Frage führt zum Kern der Debatte: Wird die Laizität in Frankreich nicht ohnehin mit zweierlei Maß gemessen? Kritiker sagen: Ja! Gegenüber dem Islam zeige sich der Staat oft besonders streng, während er bei christlichen Symbolen oder Traditionen gerne mal ein Auge zudrückt.

Ob das stimmt? Das bleibt eine Frage der Perspektive.

Was sicher ist: Die Diskussion über die Flaggen auf Halbmast legt offen, wie umkämpft das Terrain der Laïcité in Frankreich auch 120 Jahre nach deren gesetzlicher Verankerung noch ist. Sie zeigt, wie schwer es sein kann, in einem multireligiösen Land den Spagat zwischen Tradition, Staatsräson und echter Neutralität zu schaffen.

Und am Ende bleibt die Frage: War das nun ein Akt der Diplomatie – oder ein stiller Verrat an der republikanischen Grundfeste?

Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt.

Autor: M.A.B.

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