Frankreich · 26.06.2026 08:36
Frankreich und Italien planen neue Sicherheitsallianz für den Libanon
Frankreich und Italien wollen die internationale Sicherheitsarchitektur im Libanon grundlegend neu gestalten. Beim deutsch-französisch-italienischen Gipfel im südfranzösischen Antibes kündigten der französische Präsident Emmanuel Macron und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni an, eine multinationale Koalition...
Frankreich und Italien wollen die internationale Sicherheitsarchitektur im Libanon grundlegend neu gestalten. Beim deutsch-französisch-italienischen Gipfel im südfranzösischen Antibes kündigten der französische Präsident Emmanuel Macron und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni an, eine multinationale Koalition aufbauen zu wollen, die nach dem Auslaufen des Mandats der UN-Friedensmission UNIFIL Ende 2026 deren Aufgaben übernehmen könnte.
Nach den Vorstellungen beider Regierungen soll die neue Mission in enger Abstimmung mit der Europäischen Union und den Vereinten Nationen entstehen. Ihr Hauptziel wäre es, die libanesischen Streitkräfte zu unterstützen, die staatliche Souveränität des Libanon zu stärken und ein erneutes Aufflammen militärischer Auseinandersetzungen im Süden des Landes zu verhindern. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass nach dem Abzug der UN-Blauhelme ein sicherheitspolitisches Vakuum entsteht.
Macron betonte, dass Paris und Rom zunächst Gespräche mit der libanesischen Regierung führen werden. Erst danach sollen weitere europäische und regionale Partner für die Initiative gewonnen werden. Zur Vorbereitung des Projekts könnte in den kommenden Monaten eine internationale Konferenz stattfinden.
Robusteres Mandat als die UNIFIL?
Giorgia Meloni machte deutlich, dass eine künftige internationale Mission über ein klareres und wirksameres rechtliches Mandat verfügen müsse als die bisherige UNIFIL. Nach ihrer Einschätzung habe das bestehende UN-Mandat die Friedenstruppe daran gehindert, Verstöße gegen die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates sowie die Wiederaufrüstung der Hisbollah wirksam zu unterbinden.
Emmanuel Macron ließ zugleich offen, welche Organisationsform letztlich gewählt wird. Denkbar sei sowohl eine multinationale Truppe zur Unterstützung der libanesischen Armee als auch eine neue Mission unter dem Dach der Vereinten Nationen. Über die endgültige Ausgestaltung sei jedoch noch keine Entscheidung gefallen.
Strategischer Kurswechsel
Die Initiative markiert einen bedeutenden Wendepunkt in der internationalen Libanonpolitik. Seit fast fünf Jahrzehnten bildet die UNIFIL den zentralen Pfeiler der internationalen Stabilisierung im Südlibanon. Mit dem Vorstoß reagieren Frankreich und Italien auf die veränderte Sicherheitslage nach den jüngsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah.
Als zwei der wichtigsten Truppensteller der bisherigen Mission wollen beide Staaten verhindern, dass der internationale Einfluss im Libanon mit dem Ende der UNIFIL schwindet. Stattdessen soll eine neue Sicherheitsarchitektur entstehen, die den heutigen geopolitischen Herausforderungen besser gerecht wird und den libanesischen Staat stärker in die Lage versetzt, die Kontrolle über sein gesamtes Staatsgebiet auszuüben.
Ob das Vorhaben umgesetzt werden kann, hängt jedoch von mehreren Voraussetzungen ab. Neben der Zustimmung der libanesischen Regierung bedarf es der Unterstützung weiterer beteiligter Staaten sowie eines tragfähigen völkerrechtlichen Rahmens. Dieser könnte durch eine neue Resolution des UN-Sicherheitsrates oder durch ein anderes multilaterales Abkommen geschaffen werden.
Autor: Andreas M. Brucker