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Alle Artikel · 17.02.2025 08:43

Frankreichs Landwirtschaft zwischen Export und Selbstversorgung: Ein ungenutztes Potenzial?

Frankreich hätte die Möglichkeit, sich selbst vollständig mit Lebensmitteln zu versorgen – doch stattdessen setzt das Land stark auf den Export. Ein neuer Bericht kritisiert diese Strategie und warnt vor wachsender Abhängigkeit von internationalen...

Frankreich hätte die Möglichkeit, sich selbst vollständig mit Lebensmitteln zu versorgen – doch stattdessen setzt das Land stark auf den Export. Ein neuer Bericht kritisiert diese Strategie und warnt vor wachsender Abhängigkeit von internationalen Märkten.

Ein paradoxes System: Genug Land, aber nicht genug Nahrung für alle

Frankreich besitzt 28 Millionen Hektar Agrarfläche – mehr als genug, um seine Bevölkerung eigenständig zu ernähren. Doch trotz dieser Flächen gibt es acht Millionen Menschen, die in Ernährungsunsicherheit leben, während viele Landwirte kaum von ihrer Arbeit existieren können. Coline Sovran von der Organisation Terre de Liens, die sich für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzt, spricht von einem eklatanten Widerspruch: „Wir haben die Ressourcen, um unser Land zu ernähren – aber wir nutzen sie anders.“

Export statt Selbstversorgung

Der Grund dafür? Rund 43 % der landwirtschaftlichen Flächen in Frankreich sind auf den Export ausgerichtet. Vor allem Getreide und Wein dominieren die Ausfuhren. Gleichzeitig importiert das Land einen Großteil seiner Lebensmittel:

  • 50 % des konsumierten Hähnchenfleisches stammen aus dem Ausland.
  • 40 % der Früchte werden importiert.
  • Ein Drittel des Gemüses kommt nicht aus französischer Produktion.
  • Sogar die Butter in verarbeiteten Lebensmitteln ist zur Hälfte importiert.

Agronom Philippe Pointereau, Präsident von Terre de Liens, sieht darin eine bedenkliche Entwicklung: „Wenn ein Land so stark von internationalen Märkten abhängt, hat es seine Ernährungssouveränität bereits verloren.“

Ein Gesetz mit fraglicher Wirkung

Das Thema Ernährungssouveränität ist derzeit auch Gegenstand einer parlamentarischen Debatte. Die Regierung möchte mit einem neuen Gesetz die Landwirtschaft als „wesentliches Allgemeininteresse“ einstufen und dadurch die heimische Produktion stärken. Doch Kritiker wie Pointereau sind skeptisch: „Der Gesetzentwurf ändert nichts am eigentlichen Problem. Im Gegenteil – er könnte die aktuelle Fehlentwicklung sogar noch verstärken.“

Der finale Parlamentsentscheid über das Gesetz soll noch vor dem Salon de l’Agriculture fallen, der am 22. Februar beginnt. Ob die Reform wirklich einen Kurswechsel bringt oder nur symbolische Politik bleibt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Wohin steuert Frankreichs Landwirtschaft?

Die Debatte zeigt, dass Frankreichs Agrarpolitik vor einer entscheidenden Weichenstellung steht. Setzt das Land weiterhin auf Exporte, oder gibt es einen echten Wandel hin zu einer stärkeren Selbstversorgung? Der neue Bericht mahnt zur Umkehr – doch ob die Politik diesen Appell erhört, bleibt ungewiss.

Von C. Hatty

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