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Aktuell · 24.06.2026 08:24

Franzosen entnehmen weiterhin Geld von ihrem Livret A – historischer Rückgang seit 2009

Im fünften Monat in Folge haben die Franzosen mehr Geld von ihren regulierten Sparkonten abgehoben als eingezahlt, was einen historischen Rückgang seit 2009 darstellt.

Paris – 24.06.2026: Im Mai 2026 haben die Franzosen erneut mehr Geld von ihrem Livret A, einem der beliebtesten regulierten Sparkonten des Landes, abgehoben als eingezahlt. Bereits der fünfte Monat in Folge zeigt eine negative Nettobewegung: Im Mai überstiegen die Abhebungen die Einzahlungen um 740 Millionen Euro. Damit ergibt sich für die ersten fünf Monate des Jahres ein kumulierter Rückgang von insgesamt 3,01 Milliarden Euro. Ein derart anhaltender Rückgang wurde zuletzt im Jahr 2009 beobachtet.

Die Ursache für diese Entwicklung liegt hauptsächlich in der Senkung des Zinssatzes für das Livret A. Nachdem der Zinssatz Anfang 2025 noch bei 3 % lag, wurde er zum 1. Februar 2026 auf 1,5 % herabgesetzt. Diese deutliche Reduktion hat viele Sparer dazu veranlasst, nach alternativen Anlageprodukten mit attraktiveren Renditen zu suchen. Besonders beliebt sind derzeit Lebensversicherungen, die im Mai 2026 eine Rekordzufuhr von 13,9 Milliarden Euro verzeichneten.

Trotz des Geldabflusses bleibt das Gesamtvolumen des Livret A weiterhin hoch: Ende Mai 2026 beläuft sich das Volumen auf 447 Milliarden Euro. Die realen Erträge für Sparer sind jedoch negativ. Bei einer Inflationsrate von 2,4 % im Mai 2026 gegenüber einem Zinssatz von 1,5 % am Livret A verlieren Sparer rein rechnerisch rund 0,9 % ihrer Kaufkraft. Konkret heißt das, dass 10.000 Euro Einlage pro Jahr etwa 90 Euro an Wert verlieren.

Die Aussichten für den Zinssatz des Livret A sind zudem ungünstig. Schätzungen vom 30. Mai 2026 prognostizieren, dass der Zinssatz bis zum 1. August 2026 weiter auf etwa 1,4 % fallen könnte. Dies widerspricht den ursprünglichen Erwartungen eines Anstiegs auf 1,6 % oder sogar 1,8 % aufgrund der steigenden Inflation. Eine weitere Senkung dürfte die Abwanderung von Geldern aus dem Livret A weiter verstärken.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen sollten Sparer ihre Anlagestrategien überdenken, um den Wert ihres Vermögens vor Inflation zu schützen. Die Suche nach renditestärkeren Produkten wie Lebensversicherungen oder anderen Investitionsmöglichkeiten wird voraussichtlich weiter zunehmen. Die Behörden und Finanzdienstleister stehen damit vor der Herausforderung, das Vertrauen der Sparer in regulierte Spareinlagen zu erhalten und attraktive Angebote zu schaffen.

Die Situation beim Livret A ist ein Spiegelbild der aktuellen wirtschaftlichen Lage in Frankreich, in der Inflation und niedrige Zinsen das Sparverhalten deutlich beeinflussen. Beobachter erwarten, dass der Trend des Geldabflusses bei regulierten Sparkonten auch in den kommenden Monaten anhalten könnte, sofern sich die Zinssätze nicht verbessern oder neue Anreize geschaffen werden.

Quellen

  • France Épargne
  • Banque de France
  • Le Monde

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