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Alle Artikel · 09.01.2023 10:19

Franzosen trinken weniger - bleiben aber an der Spitze beim Alkoholgenuss

Auch wenn die Franzosen inzwischen immer weniger Alkohol trinken, bleibt Frankreich in der Gruppe der Länder mit dem höchsten Alkoholkonsum in Europa. Sind die Franzosen bald keine Genießer mehr? Den Zahlen zufolge trinken sie...

Auch wenn die Franzosen inzwischen immer weniger Alkohol trinken, bleibt Frankreich in der Gruppe der Länder mit dem höchsten Alkoholkonsum in Europa.

Sind die Franzosen bald keine Genießer mehr? Den Zahlen zufolge trinken sie zumindest viel weniger als früher. Zwischen den 1960er Jahren und heute ist der Konsum um mehr als das 2,5-fache gesunken. "Dieser Rückgang lässt sich durch Warnungen der Wissenschaft, höhere Bildung und Prävention erklären. Man hat insbesondere gelernt, die Zusammenhänge zwischen Alkohol und Krankheiten zu erkennen", wird Prof. Amine Benyamina, Leiter der Abteilung für Psychiatrie und Sucht am Hôpital Paul Brousse in Villejuif, von der Zeitung la Depeche du Midi zitiert.

Frankreich ist jedoch mit 10,3 Litern reinem Alkohol pro Person und Jahr nach wie vor der Spitzenreiter unter den OECD-Ländern mit dem höchsten Alkoholkonsum. Laut Umfragen aus 2017 trinken 10% der Erwachsenen täglich. Es gibt auch eine Randgruppe von sehr starken Trinkern - etwa 10% der 18- bis 75-Jährigen trinken allein 58% der konsumierten Gesamtalkoholmenge. Wein bleibt bei weitem das am meisten konsumierte Getränk in Frankreich, gefolgt von Bier und hochprozentigen Alkoholika.

Alkohol, insbesondere Wein, gilt als Teil der französischen Kultur. Sein Image ist positiv. Wein wird täglich in Frankreich zu den Mahlzeiten konsumiert.

Gleichzeitig werden alkoholfreie Zeiten wie der "Dry January" auch in Frankreich immer beliebter. Dieses 2013 in Großbritannien eingeführte Experiment zielt darauf ab, vom 1. bis zum 31. Januar vollständig auf Alkohol zu verzichten. Im vergangenen Jahr nahmen 35% der Franzosen am "Dry January" teil. 16.000 Teilnahmewillige hatten sich auf der offiziellen Website Dryjanuary.fr angemeldet.

Die Vorteile eines Monats ohne Alkohol sind zahlreich: besserer Schlaf, Gewichtsverlust, schönere Haut, mehr Fitness oder auch einfach nur gespartes Geld. Wer die Herausforderung annimmt, kann oft seinen Konsum später besser steuern. Britische Studien zu diesem Thema zeigen, dass die Wirkung noch sechs Monate danach anhalten kann.

Angesichts der neuen Situation passen sich manche Hersteller an und entwickeln alkoholfreie Produktreihen. Eine Wende, die immer mehr Verbraucher anspricht, insbesondere die jüngeren Generationen. Tourtel Twist zum Beispiel, das 2014 auf den Markt gebracht wurde und heute Marktführer bei alkoholfreiem Bier ist, verzeichnete bis 2021 einen Zuwachs von 23%. Auch Heineken legt in seinem jüngsten Jahresbericht ein zweistelliges Wachstum für sein 0,0%-Bier offen. Alkoholfreie Cocktails und "leichtere" Weine sind in Frankreich ebenfalls auf dem Vormarsch.

Laut Suchtforschern sind die zahlreichen Schäden des Alkohols hinreichend bekannt. Zunächst gibt es durch Alkoholkonsum Probleme mit der körperlichen Gesundheit. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Zirrhose, Schlaganfall ... Alkohol ist direkt für etwa 60 Krankheiten verantwortlich, darunter auch ein Großteil der Krebserkrankungen. Darüber hinaus verursacht Alkoholkonsum psychische Schäden. wie etwa Stimmungsschwankungen, Angstzustände oder Depressionen. Alkohol ist auch für viele "soziale" Schäden verantwortlich. Alkoholkonsum ist bei jedem zweiten Unfall im Spiel.

Nach Ansicht von Experten sind die Präventionskampagnen in Frankreich noch viel zu zurückhaltend. Die Behörden treten dem Alkoholkonsum deutlich weniger entschlossen entgegen, als sie es zum Beispiel beim Tabak tun. Man will wahrscheinlich den wichtigen Wirtschaftssektor Weinbau nicht schwächen. Dabei wäre es durchaus möglich, trotzdem eine echte Präventionspolitik zu betreiben.

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