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Alle Artikel · 14.10.2024 08:59

Gabriel Attal zur Haushaltskrise: „Seit 50 Jahren gibt Frankreich mehr aus, als es einnimmt“

Frankreich steht erneut vor einer finanziellen Herausforderung, die das Land schon seit Jahrzehnten begleitet: Ein Haushaltsdefizit, das für das Jahr 2024 auf 6,1 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geschätzt wird. Gabriel Attal, der ehemalige Premierminister...

Frankreich steht erneut vor einer finanziellen Herausforderung, die das Land schon seit Jahrzehnten begleitet: Ein Haushaltsdefizit, das für das Jahr 2024 auf 6,1 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geschätzt wird. Gabriel Attal, der ehemalige Premierminister und Vorsitzende der Präsidialfraktion Ensemble in der Nationalversammlung, äußerte sich am 14. Oktober auf France Inter zur Haushaltskrise und verteidigte seine Bilanz als Regierungschef. „Seit 50 Jahren gibt Frankreich mehr aus, als es einnimmt“, erklärte er und betonte, dass er während seiner acht Monate im Amt Maßnahmen zur Einsparung von 40 Milliarden Euro ergriffen habe.

Sparmaßnahmen unter Attals Führung

Gabriel Attal, der nach seiner Amtszeit weiterhin eine zentrale Rolle in der französischen Politik spielt, betonte, dass er bereits während seiner Zeit als Premierminister Maßnahmen ergriffen habe, um das Staatsbudget zu stabilisieren. „Das Erste, was ich angesichts der Haushaltslage getan habe, war, einen Erlass zu unterzeichnen, der 10 Milliarden Euro an Haushaltsmitteln noch im laufenden Jahr streicht“, sagte Attal. Alle Ministerien hätten den Gürtel enger schnallen müssen, um einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung zu leisten.

„Ich habe Maßnahmen ergriffen, um 40 Milliarden Euro an Einsparungen in nur acht Monaten zu identifizieren oder umzusetzen“, betonte er weiter. Er ging sogar so weit zu fragen, ob es jemals eine Regierung in der Vergangenheit gegeben habe, die ein so beeindruckendes Sparprogramm in einem so kurzen Zeitraum vorgelegt habe. Es klingt fast wie ein Rekordversuch – allerdings einer, der angesichts der weiterhin steigenden Staatsverschuldung kaum wahrgenommen wurde.

Unterstützung für den neuen Premierminister

Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt stellt sich Attal hinter den aktuellen Premierminister Michel Barnier und unterstützt dessen Bestreben, die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen. „Es ist entscheidend, die begonnenen Anstrengungen fortzusetzen, um den Haushalt auszugleichen“, sagte Attal und betonte die Wichtigkeit von Kontinuität in der Haushaltspolitik.

Doch es bleibt die Frage: Reichen Sparmaßnahmen allein aus, um das Defizit nachhaltig zu senken? Attal gibt zu, dass bestimmte Ausgaben unvermeidlich waren, wie das „Quoi qu'il en coûte“ während der Covid-19-Pandemie oder das Energiepreis-Schutzschild, um die Bürger vor steigenden Energiekosten zu schützen. Aber er deutete auch an, dass einige Ausgaben weniger dringlich gewesen seien, ohne jedoch genauer auf diese Posten einzugehen.

Das Parlament greift ein

Die Haushaltslage Frankreichs hat auch im Parlament für Wirbel gesorgt. Der Abgeordnete der Linkspartei France Insoumise, Éric Coquerel, Vorsitzender des Finanzausschusses, hatte kürzlich vorgeschlagen, den Ausschuss in eine Untersuchungskommission zum Haushaltsdefizit umzuwandeln. Attal zeigte sich offen für diese Idee: „Es ist immer positiv, wenn das Parlament seine Rolle bei der Bewertung spielt“, sagte er und betonte, dass bereits mehrere Minister zu diesem Thema angehört worden seien.

Ein langer Weg der Reformen

Gabriel Attal erinnerte zudem an die bereits seit 2017 unter Präsident Emmanuel Macron eingeleiteten Reformen, die darauf abzielen, das Defizit zu reduzieren. Die Regierung habe damals erkannt, dass strukturelle Veränderungen notwendig seien, um den finanziellen Kurs Frankreichs zu korrigieren. Allerdings erkennt auch Attal an, dass es noch viele Hürden gibt: „Die heutige Herausforderung besteht darin, die Haushaltslage zu stabilisieren“, betonte er und verwies auf die Notwendigkeit, eine ehrliche Bestandsaufnahme der bisherigen Ausgabenpolitik vorzunehmen.

Doch während Attal sich um eine rationale Erklärung bemüht und auf seine Sparmaßnahmen verweist, bleibt die Frage offen: Wie tief muss Frankreich noch sparen, um das Haushaltsdefizit endlich in den Griff zu bekommen? Der Quoi qu'il en coûte war zwar in Krisenzeiten notwendig, aber nun steht die Regierung vor dem schwierigen Spagat zwischen Haushaltskonsolidierung und sozialer Verantwortung.

Ein Balanceakt zwischen Ausgaben und Sparen

Frankreich befindet sich in einem ständigen Balanceakt zwischen dringend notwendigen Investitionen und der Notwendigkeit, das Budget zu straffen. In den vergangenen Jahren war das Defizit teilweise der Krise geschuldet – von der Pandemie bis zur Energiekrise – doch nun wird erwartet, dass der Staat diese Schulden abbaut. „Wahrscheinlich sind einige Ausgaben weniger dringlich“, räumte Attal ein, doch die Priorisierung bleibt schwierig.

Während die Wirtschaft von Investitionen profitiert, erhöht das ständige Ausgabenwachstum den Druck auf die Staatskasse. Die Frage, ob es unter den aktuellen Bedingungen überhaupt realistisch ist, das Haushaltsdefizit kurzfristig zu senken, bleibt daher bestehen.

Blick in die Zukunft: Was bleibt zu tun?

Was also bedeutet das für die Zukunft? Attal glaubt, dass die Reformen fortgesetzt werden müssen – doch Sparen allein reicht nicht aus. Investitionen in zukunftsträchtige Bereiche wie Bildung, Technologie und die grüne Transformation könnten den entscheidenden Unterschied machen, um Frankreichs Wirtschaft langfristig zu stärken und gleichzeitig die Schulden in den Griff zu bekommen.

Wird der neue Premierminister Michel Barnier den harten Sparkurs fortsetzen? Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, ob Frankreich es schafft, aus dieser finanziellen Sackgasse herauszukommen. Fest steht jedoch, dass die Balance zwischen notwendigen Investitionen und einem verantwortungsvollen Haushalt schwer zu erreichen ist.

https://twitter.com/franceinter/status/1845705807205142542

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