Tag & Nacht

Gabriel Attal, Premierminister Frankreichs, steht auch persönlich vor einem politischen Wendepunkt. Nach dem zweiten Wahlgang der Parlamentswahlen am 7. Juli 2024 kündigte Attal an, am Montag seine Demission beim Präsidenten der Republik einzureichen. Er gab zu: „Diese Auflösung des Parlaments habe ich nicht gewollt, aber ich musste sie hinnehmen.“ Trotz eines überraschend starken Ergebnisses seiner Partei, die dreimal besser abschnitt als prognostiziert, reichte es nicht für eine Mehrheit.

Ein unerwarteter Ausgang

Die linke Koalition NFP erzielte 180 Sitze. Der präsidentielle Block landete mit 158 Sitzen auf dem zweiten Platz, gefolgt vom Rassemblement National und ihren Verbündeten mit 143 Mandaten. Eine bemerkenswerte Verschiebung im politischen Gleichgewicht Frankreichs.

Die Pflicht ruft trotz Rücktrittsabsicht

Attal betonte die Dringlichkeit seiner Aufgaben angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele: „Ich werde meine Pflichten so lange erfüllen, wie es notwendig ist.“ Er richtete einen Appell an die neu gewählten Abgeordneten, innovativ zu sein und Großes zu schaffen. Seine Vision: Ein neues politisches Angebot, das die Einheit des Landes wahrt und gleichzeitig für Sicherheit sorgt.

Kritik aus den eigenen Reihen

Auch Edouard Philippe, ebenfalls eine führende Figur des präsidentiellen Lagers, äußerte sich kritisch zur Auflösung der Nationalversammlung durch Präsident Emmanuel Macron nach den Europawahlen. Philippe, Vorsitzender der Partei Horizons, sagte: „Die Wahrheit ist, dass keiner der politischen Blöcke im Parlament über eine alleinige Mehrheit zur Regierungsbildung verfügt. Die Auflösung der Versammlung, die Klarheit bringen sollte, hat stattdessen zu großer Ungewissheit geführt.“

Ein Neuanfang für die französische Politik?

Premierminister Attal rief die Abgeordneten dazu auf, „etwas Neues, Großes, Nützliches“ zu schaffen. Er betonte die Notwendigkeit eines politischen Angebots, das klare Werte vertritt: Einheit und Sicherheit, ohne die Menschlichkeit aus den Augen zu verlieren. Es bleibt abzuwarten, wie die politischen Kräfte auf diese Herausforderung reagieren und ob sie in der Lage sind, die geforderte Einheit zu erreichen.

Gabriel Attals angekündigter Rücktritt markiert einen Moment der Reflexion und möglicherweise des Umbruchs. Während Frankreich sich auf die Olympischen Spiele vorbereitet, steht die politische Landschaft vor einem Wandel – mit ungewissem Ausgang.


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