SAMSTAG, 18. JULI 2026 Anmelden / Beitreten Mitgliedskonto
Zurück

Aktuell · 18.07.2026 14:01

Gallifet: Aix’ stille Adresse für Gegenwartskunst

Im Hotel de Gallifet in Aix-en-Provence verbinden sich zeitgenoessische Kunst, provenzalisches Handwerk, Gartenkueche und ein eigensinniger Sinn für Gastlichkeit.

Aix-en-Provence – 18.07.2026: Nur wenige Schritte vom Cours Mirabeau entfernt liegt das Gallifet hinter einer unaufdringlichen Fassade in der Rue Cardinale. Das private Zentrum für Gegenwartskunst hat sich in einem Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert eingerichtet und wirkt gerade deshalb nicht wie ein weiterer Ausstellungsbetrieb. Es ist eher ein Haus mit mehreren Stimmen: Kunstort, Gartenrestaurant, Laden und Treffpunkt zugleich.

Nicolas Mazet öffnete das Familienhaus 2010 für die Kunst und gab ihm damit eine neue, behutsam zeitgenoessische Bestimmung. Sechs Ausstellungsräume und ein rund 500 Quadratmeter großer Garten bilden den Rahmen für drei große Schauen im Jahr. Die Architektur bleibt dabei nicht bloss dekorative Kulisse: Alte Räume, hohe Fenster und die Ruhe des Quartier Mazarin setzen der oft lauten Gegenwartskunst einen angenehm widerstaendigen Takt entgegen.

Derzeit ist bei Gallifet die Ausstellung "Ne rien jeter, 33 ans apres" des Fotografen Francois Halard zu sehen, auf Deutsch etwa: Nichts wegwerfen, 33 Jahre später. Schon der Titel trifft den Geist des Hauses. Hier wird nicht der schnelle Effekt gesucht, sondern die erneute Betrachtung dessen, was Zeit angesetzt hat: Bilder, Gegenstaende, Handwerk und Erinnerungen. Die Ausstellung ist bis 27. September 2026 dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

Dass Gallifet den Begriff Kunst nicht auf die Wand im Ausstellungsraum beschraenkt, zeigt die kleine Boutique am Eingang zum Garten. La Petite Maison de Gallifet praesentiert Unikate, Kunstobjekte, Bücher, Schmuck und Keramik in kleinen Auflagen. Der Fokus liegt auf Gestalterinnen und Gestaltern aus der Provence und dem weiteren Sueden. Das ist keine Souvenirabteilung, sondern der Versuch, regionale Produktion als Teil einer gegenwaertigen künstlerischen Szene sichtbar zu machen.

Im Sommer verlaengert sich dieser Gedanke in den Garten. Unter alten Baeumen arbeitet das Restaurant Gallifet Kitchen mit Produkten aus der Region; auch Erzeugnisse aus dem eigenen Gemueseanbau fliessen in die Kueche ein. Seit dieser Saison verantworten Lisa Desforges und Bruno Hammerle das kulinarische Angebot. Kunstbesuch und Mittagessen werden so nicht kuenstlich miteinander verklebt, sondern teilen ganz einfach denselben Ort und dieselbe Aufmerksamkeit für Materialien.

Das Modell ist in einer Stadt wie Aix-en-Provence bemerkenswert, deren Kulturkalender im Sommer gern nach großer Oper, Festivalglanz und prominenten Namen klingt. Gallifet setzt daneben auf kleinere Massstaebe und die Idee der Verweildauer. Fuehrungen, Gespraeche, Workshops und Abendessen geben dem Haus eine soziale Funktion, ohne die Kunst zur blossen Begleitmusik eines lauen provenzalischen Abends zu machen.

Gerade diese Mischung erklärt die Anziehungskraft des Ortes. Gallifet ist weder Museum noch Galerie, weder Restaurant mit Bildern noch Kunstladen mit Terrasse. Das Haus versteht Kultur als Alltagspraxis: Man schaut, isst, entdeckt und kommt ins Gespraech. In der sommerlichen Hitze von Aix ist das eine erfreulich unangestrengte Form der Ernsthaftigkeit.

Quellen

  • Franceinfo
  • Gallifet
  • Tourismusbüro Aix-en-Provence

Nachrichten per E-Mail erhalten

Mit dem kostenlosen Mitgliedskonto von France Premium legen Sie fest, welche Hinweise Sie per E-Mail bekommen möchten: sofort bei wichtigen Meldungen oder als ruhige Tageszusammenfassung.

  • News und Tageszeitung nach Ihren Interessen
  • Wetter- und Verkehrshinweise für gewählte Regionen
  • Fußball-Liveereignisse zu ausgewählten Teams
  • Rezepte, Kultur, Veranstaltungen und Premium-Hinweise
Newsletter bestellen

Die Anmeldung ist kostenlos. Sie können Ihre Auswahl jederzeit im Mitgliedskonto ändern oder abbestellen.