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À la une · 15.04.2025 05:44

Gefängnisse aus dem Baukasten: Frankreichs Notlösung gegen die Überbelegung

Wenn der Platz in den Gefängnissen knapp wird, greift der Staat zu unkonventionellen Mitteln. Frankreichs Justizminister Gérald Darmanin kündigte kürzlich den Bau von 3.000 modularen Haftplätzen an – in Form von Fertigbau-Gefängnissen. Innerhalb von...

Wenn der Platz in den Gefängnissen knapp wird, greift der Staat zu unkonventionellen Mitteln. Frankreichs Justizminister Gérald Darmanin kündigte kürzlich den Bau von 3.000 modularen Haftplätzen an – in Form von Fertigbau-Gefängnissen. Innerhalb von nur 18 Monaten sollen die ersten Insassen einziehen können. Klingt nach Pragmatismus – doch ist das wirklich die Lösung für ein strukturelles Problem?


Ein Land am Limit

Die französischen Gefängnisse platzen aus allen Nähten. Der Durchschnitt liegt bei einer Auslastung von über 130 Prozent – manche Anstalten sind sogar zu mehr als 200 Prozent belegt. Die Lage ist derart prekär, dass inzwischen regelmäßig Gefangene auf Matratzen am Boden schlafen müssen.

Es ist also keine Überraschung, dass die Regierung auf Tempo setzt. Der Plan: fünfzehn neue Strukturen für den offenen Vollzug und zehn Einrichtungen für kurze Haftstrafen. Der Startschuss fällt in Troyes-Lavau, wo bis Herbst 2026 ein erster Modulbau mit 50 Plätzen entstehen soll.


Bauen wie auf der Baustelle – aber schneller

Die Idee hinter den Modul-Gefängnissen ist einfach: Statt aufwendig vor Ort zu bauen, werden die Strukturen industriell vorgefertigt und am Einsatzort montiert. Eine Gefängniszelle für 200.000 Euro – das ist etwa die Hälfte der Kosten eines klassischen Gefängnisplatzes. Und statt sieben Jahre wie üblich, soll der Bau in eineinhalb Jahren abgeschlossen sein.

Frankreich schaut sich das Modell nicht ohne Grund aus dem Ausland ab. Großbritannien und Deutschland haben bereits Erfahrungen mit ähnlichen Systemen gesammelt – mit teils positiven Ergebnissen.


Was schnell geht, ist nicht immer gut

Doch wo schnell gebaut wird, entstehen auch Fragen. Die Gewerkschaft UFAP-UNSA Justice fordert klare Regeln für die Auswahl der Häftlinge. Wer in einer solchen Einrichtung untergebracht wird, müsse genau geprüft werden – Stichwort: Sicherheitsrisiken und Schutz der Bediensteten.

Denn es geht nicht nur um Quadratmeter und Gitterstäbe. Es geht auch um Menschen, um Konflikte, um komplexe soziale Dynamiken hinter Mauern.


Mehr Zellen, gleiche Probleme?

Kritiker erinnern zudem an ein fundamentales Dilemma: Mehr Haftplätze lösen nicht automatisch die Probleme im Strafvollzug. Frankreich kämpft nicht nur mit Überbelegung, sondern auch mit einer hohen Rückfallquote und mangelhafter Wiedereingliederung von Ex-Häftlingen. Kurz gesagt: Wer einfach nur mehr Platz schafft, heilt nicht die Ursachen.

Rehabilitation, Ausbildung, Therapie – diese Begriffe fallen seltener, wenn es um Gefängnisbau geht. Aber sie sind entscheidend, wenn es darum geht, Kriminalität wirklich zu reduzieren.


Ein Baustein, kein Fundament

Natürlich ist der modulare Ansatz eine kurzfristige Erleichterung. Er verschafft dem System Luft – zumindest temporär. Aber ohne eine tiefere Reform der Strafpolitik bleibt er ein Pflaster auf einer chronischen Wunde.

Und vielleicht sollte man sich auch fragen: Wollen wir wirklich eine Gesellschaft, in der wir schneller neue Gefängnisse bauen können als neue Chancen für ein besseres Leben?

M.A.B.

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