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Aktuell · 03.07.2026 11:46

Gemenne warnt: Ohne Ausstieg aus Öl und Gas bleiben Hitze und Brände Dauerkrise

Der Klimaforscher François Gemenne mahnt in einem Interview, dass Frankreich Anpassung und Dekarbonisierung zugleich vorantreiben muss – sonst verschärfen Hitzewellen, Dürren und Brände die sozialen und wirtschaftlichen Risiken.

Paris – 03.07.2026: François Gemenne, Politikwissenschaftler und Mitautor von Berichten des Weltklimarats (GIEC), hat in einem Interview mit franceinfo die Grenzen reiner Anpassungsstrategien an den Klimawandel betont. Solange Frankreich und Europa stark von Öl, Gas und Kohle abhängig blieben, würden Hitzewellen, Waldbrände und Dürren als wiederkehrende Risiken den Alltag prägen, sagte er. Nötig sei ein doppelter Ansatz: Emissionen konsequent senken und gleichzeitig Infrastrukturen robuster machen.

Konkret forderte Gemenne, die energetische Sanierung von Wohngebäuden, Schulen und Pflegeeinrichtungen zu beschleunigen. Thermisch bessere Gebäude senkten den Bedarf an Klimageräten und schützten zugleich vor Hitzerisiken, die besonders für ältere Menschen und Kinder gefährlich seien. Städte müssten ihre Bau- und Grünflächenplanung so ausrichten, dass sie künftige Hitzespitzen abpuffern – etwa durch Entsiegelung, mehr Schatten und Wasserflächen. Parallel brauche es widerstandsfähigere Netze, damit Stromversorgung und Kühlketten auch bei langanhaltenden Hochtemperaturlagen stabil bleiben.

Der Forscher kritisierte politische Trägheit und Investitionslücken. Europa importiere weiterhin große Mengen fossiler Energien und mache sich dadurch verwundbar. Diese Abhängigkeit schlage sich nicht nur in Klimarisiken nieder, sondern auch in ökonomischen Belastungen für Haushalte und Unternehmen, die in Trocken- und Hitzejahren zusätzlich anstiegen. In Frankreich betonten Behörden und Netzbetreiber wie RTE zwar die Robustheit des Systems, doch aus Sicht von Fachleuten braucht es eine verlässlichere, auf Langfristziele ausgerichtete Planung – von der Netzerweiterung bis zur Beschleunigung von Genehmigungen für erneuerbare Energien.

Gemenne warnte vor einem scheinhaften Gegensatz zwischen Anpassung und Dekarbonisierung. Beides müsse parallel erfolgen: Wer nur baue, um sich gegen Hitze zu wappnen, ohne Emissionen zu senken, verschiebe das Problem in die Zukunft – zu höheren Kosten und mit größerem Risiko. Zugleich dürfe Klimapolitik soziale Aspekte nicht ausblenden. Förderprogramme müssten Familien mit geringem Einkommen erreichen, damit sie Wohnräume effizient kühlen oder dämmen und sich vor Extremereignissen schützen können, ohne in Energiearmut zu geraten.

Nach den jüngsten Hitzewellen rücken in Frankreich Prävention und Krisenpläne wieder stärker in den Blick. Kommunen aktualisieren Notfallkonzepte, Gesundheitsdienste werben für Hitzeschutzpläne, und der Staat arbeitet an Vorgaben für hitzeresiliente Neubauten. Gemenne plädiert dafür, diese Maßnahmen mit klaren Pfaden zur Emissionsminderung zu verknüpfen – etwa über verbindliche Sanierungsfahrpläne, verlässliche Finanzierung und eine schnelle Skalierung erneuerbarer Kapazitäten. Nur so lasse sich die Häufigkeit und Intensität extremer Ereignisse langfristig begrenzen.

Quellen

  • franceinfo
  • RTL
  • La Tribune
  • RTE

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