À la une · 09.06.2025 06:49
Gift in der Küche: Wie Cadmium heimlich unsere Gesundheit bedroht
Ein Metall, das Krebs auslösen kann – und es liegt direkt auf unseren Tellern. Cadmium, ein schweres Metall mit bedrohlichem Ruf, dringt unbemerkt in unsere Nahrung ein. Die große Gefahr: Man sieht es nicht,...
Ein Metall, das Krebs auslösen kann – und es liegt direkt auf unseren Tellern. Cadmium, ein schweres Metall mit bedrohlichem Ruf, dringt unbemerkt in unsere Nahrung ein. Die große Gefahr: Man sieht es nicht, man schmeckt es nicht – aber es wirkt.
Überall im Essen – wie konnte das passieren?
Die Franzosen lieben Brot, Kartoffeln und Gemüse. Genau diese Lebensmittel aber sind laut der französischen Gesundheitsbehörde Anses die Hauptquellen für Cadmium in der täglichen Ernährung. Auch Algen, Krustentiere, Innereien, Schokolade und einige Frühstückscerealien sind oft stark belastet. Und weil sich Cadmium im Körper über Jahrzehnte anreichert – besonders in Leber und Nieren – wird daraus ein schleichendes Problem. Die Halbwertszeit? Zwischen 10 und 30 Jahren.
Die französische Studie ESTEBAN zeigt, wie weit verbreitet die Belastung schon ist: Knapp die Hälfte der Erwachsenen und fast jedes fünfte Kind weist höhere Cadmium-Werte auf als empfohlen. Bei Kleinkindern unter drei Jahren sind es sogar 36 %. Ein Weckruf, der nicht lauter hätte ausfallen können.
Gesundheitliche Folgen – mehr als nur ein Risiko
Cadmium ist kein harmloser Mitesser. Es ist giftig für die Nieren, schwächt die Knochen und beeinträchtigt die Fortpflanzungsfähigkeit. Besonders brisant: Es steht im Verdacht, das Risiko für bestimmte Krebsarten, wie etwa Bauchspeicheldrüsenkrebs, zu erhöhen – eine Krankheit, deren Häufigkeit in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist.
Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter gelten als besonders gefährdet. Denn bei Eisenmangel – was bei Frauen nicht selten vorkommt – nimmt der Körper noch mehr Cadmium über den Darm auf. Ein Teufelskreis mit toxischem Ausgang.
Woher kommt das Gift überhaupt?
Der Hauptschuldige ist schnell gefunden: die Landwirtschaft. Genauer gesagt, der Einsatz von phosphathaltigen Düngemitteln. Diese stammen oft aus Gesteinen, die natürlicherweise mit Cadmium belastet sind – etwa aus marokkanischen Minen, auf die Frankreich stark angewiesen ist.
Und obwohl die Anses bereits 2019 empfahl, den Cadmium-Gehalt in Düngern auf maximal 20 mg/kg zu senken, erlaubt die französische Gesetzgebung weiterhin bis zu 90 mg/kg. Im Vergleich dazu ist Finnland mit seiner Grenze von 22 mg/kg beinahe ein Vorzeigeland. Warum also zögert Frankreich?
Ärzte schlagen Alarm
Nicht nur Wissenschaftler sind beunruhigt – auch viele Hausärzte machen sich Sorgen. Die Unions Régionales des Professionnels de Santé (URPS) fordern die Regierung in einem offenen Brief auf, das Problem endlich ernst zu nehmen. Der Begriff „Gesundheitsbombe“ fällt. Ihre Forderung: weniger Cadmium im Dünger, strengere Kontrollen in der Lebensmittelkette und eine Förderung biologischer Landwirtschaft – denn Bio-Produkte enthalten im Schnitt 48 % weniger Cadmium.
Was tun, bis sich was tut?
Solange von oben keine klaren Regeln kommen, bleibt dem Einzelnen nur, sich selbst zu schützen. Und das geht so:
- Abwechslung auf dem Teller – Monotonie in der Ernährung erhöht das Risiko.
- Bio kaufen, wo es geht – zumindest reduziert das die Belastung.
- Weniger Innereien, Krustentiere und dunkle Schokolade – sie zählen zu den Spitzenreitern beim Cadmiumgehalt.
- Und: Rauchen aufgeben! Tabak ist eine der größten Cadmium-Quellen überhaupt.
Klingt machbar, oder?
Politik in der Pflicht – bevor es zu spät ist
Cadmium galt lange als Problem der Industrie. Doch heute dringt es über den Acker direkt in unsere Küchen – und das sollte niemanden kalt lassen. Es braucht neue gesetzliche Grenzwerte, strengere Importregeln für Dünger und eine aktive Aufklärung der Bevölkerung.
Denn wenn fast die Hälfte aller Erwachsenen in Frankreich schon jetzt über der empfohlenen Belastungsgrenze liegt, kann man nicht mehr von einem Randphänomen sprechen. Es ist Zeit zu handeln – entschlossen, schnell und auf breiter Front.
Von Andreas M. Brucker