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Alle Artikel · 11.04.2025 06:45

Glanz, Engagement und große Namen: Das erwartet uns beim Festival de Cannes 2025

Cannes rüstet sich für seine 78. Ausgabe – und verspricht nicht weniger als eine Feier der Vielfalt, des Kinos und der gesellschaftlichen Debatte. Vom 13. bis zum 24. Mai verwandelt sich die Croisette erneut...

Cannes rüstet sich für seine 78. Ausgabe – und verspricht nicht weniger als eine Feier der Vielfalt, des Kinos und der gesellschaftlichen Debatte. Vom 13. bis zum 24. Mai verwandelt sich die Croisette erneut in den glanzvollsten Laufsteg der Filmwelt, auf dem sich Ikonen und Newcomer die Klinke in die Hand geben.

Robert De Niro kehrt fast 50 Jahre nach seiner legendären Rolle in Taxi Driver zurück – und zwar nicht mit einem neuen Film, sondern als Ehrenpreisträger für sein Lebenswerk. Diese besondere Auszeichnung wird ihm gleich zur Eröffnung verliehen.

Doch das Festival blickt nicht nur zurück, sondern nach vorn: Zum ersten Mal eröffnet ein Debütfilm den Wettbewerb. Die französische Regisseurin Amélie Bonnin bringt mit Partir un jour frischen Wind – und ein mutiges Zeichen der Erneuerung.

Politisch, engagiert und mutig

Iris Knobloch, die Festivaldirektorin, ließ bei der Vorstellung der diesjährigen Auswahl keinen Zweifel: Dieses Festival will mehr sein als eine Filmgala. Es versteht sich als Plattform für offene Gesellschaften, Vielfalt und künstlerischen Widerstand. Gerade in Zeiten zunehmender Abschottung und Intoleranz soll Cannes ein Fenster zur Welt bleiben – ein Lichtstrahl für das Verbindende im Kino.

Das zeigt sich nicht nur in der Auswahl der Filme, sondern auch in der Haltung: Der Ruf nach Aufarbeitung sexueller Gewalt im Kulturbereich ist präsent. Der Aufruf der französischen Grünen-Politikerin Sandrine Rousseau, Cannes solle ein Ort des mentalen Wandels werden, hallt in der Festivalorganisation deutlich nach.

Vielfalt und Rekorde: 2.909 Filme im Auswahlprozess

Das Auswahlkomitee hat sich durch sage und schreibe 2.909 Filme gearbeitet – darunter über 1.000 Debüts. Daraus entstand eine Auswahl von rund 60 Werken aus 156 Ländern. 32 Prozent davon stammen von Regisseurinnen. Ein neuer Rekord, der von einer lebendigen, internationalen Filmszene zeugt – und vom Mut, neue Stimmen zu fördern.

Thierry Frémaux, der Delegierte des Festivals, brachte es auf den Punkt: „Das Kino lebt. Es überrascht, es berührt, es provoziert – überall auf der Welt.“

Die Rückkehr der Favoriten

Wes Anderson ist wieder mit dabei – sein neuer Film The Phoenician Scheme bringt Benicio Del Toro und Scarlett Johansson auf den roten Teppich. Anderson, bekannt für seinen einzigartigen Stil, ist längst ein Stammgast in Cannes. Und diesmal bringt er gleich den ganzen Cast mit. Bus und Hotel sind schon gebucht.

Auch die Brüder Dardenne kehren mit Jeunes mères zurück und erzählen erneut bewegende Geschichten aus dem modernen Belgien. Julia Ducournau, Gewinnerin der Goldenen Palme 2021, will mit Alpha nachlegen – einem Film über eine Elfjährige in einer fiktiven Version des New York der 80er, gezeichnet vom AIDS-Ausbruch. Ihre Werke bleiben unkonventionell, körperlich, mutig – echtes Autor*innenkino.

Dominik Moll präsentiert Dossier 137, ein Krimi um die Polizei der Polizei – früher charmant „Bœufs-carottes“ genannt. Der Film blickt auf die Fundamente der Demokratie und zeigt, wie Kino auch ein Ort der Erinnerung und Mahnung sein kann.

Überraschungen und Debüts

Ari Aster – sonst eher bekannt für schaurige Horrorerlebnisse – wagt sich mit Eddington an ein politisches Drama über Kommunalwahlen in den USA. Und mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle dürfte das kein leiser Film werden.

Scarlett Johansson, Harris Dickinson und Hafsia Herzi – sie alle wechseln dieses Jahr die Seiten und geben ihr Regiedebüt. Die Auswahl Un certain regard ist prall gefüllt mit frischen Perspektiven, ungewöhnlichen Stoffen und Regisseur*innen, die sich etwas trauen.

Und was macht Bono? Ja, genau der. Der U2-Sänger zeigt mit Stories of Surrender einen Mix aus Film, Konzert und Performance – irgendwo zwischen Poesie und Selbstinszenierung. Cannes eben.

Stars auf der Leinwand – und dahinter

Besonders spannend wird es auch bei den Schauspieler*innen, die dieses Jahr erstmals selbst Regie führen. Neben Johansson und Dickinson bringt Alex Lutz mit Connemara ein Stück französischer Literatur auf die Leinwand, während Romane Bohringer mit Dites-lui que je l’aime die Geschichte ihrer eigenen Mutter verarbeitet – ein sehr persönlicher und emotionaler Film.

Die US-Regielegende Richard Linklater sorgt mit Nouvelle Vague für cinephile Verzückung: Seine Hommage an Jean-Luc Godards À bout de souffle erzählt nicht nur die Entstehung des Films, sondern feiert das kreative Chaos, das zur Geburt der Nouvelle Vague führte. Wie sehr braucht man eigentlich diese Art von jugendlicher Freiheit im Kino?

Ein weiteres Highlight: Sylvain Chomet erzählt in animierter Form das Leben von Marcel Pagnol – der Mann, der vor genau 70 Jahren die erste Goldene Palme verlieh.

Jury, Glamour und eine Prise Nostalgie

Juliette Binoche übernimmt in diesem Jahr den Juryvorsitz. Eine Französin löst eine andere (Greta Gerwig) ab – Premiere! Ihre Karriere ist der Inbegriff filmischer Vielseitigkeit: von Hollywood bis Iran, von Blockbuster bis Arthouse. Eine würdige Wahl, wie viele finden.

Moderiert wird das Ganze von Laurent Lafitte, der schon 2016 bewiesen hat, dass er auf dieser Bühne nicht nur charmant, sondern auch schlagfertig ist.


Das Festival von Cannes 2025 verspricht Emotion, Kontroversen und ganz großes Kino. Und zwischen den Stars, den Premieren und dem politischen Anspruch bleibt eine alte Wahrheit bestehen: Gute Geschichten brauchen keine Grenzen – nur offene Ohren, offene Augen und ein offenes Herz.

Von Catherine H.

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