Alle Artikel · 14.10.2025 11:34
Grippe und Covid: Warum jetzt wieder geimpft wird – und wer sich pieksen lassen sollte sollte
Zwei Impfungen, ein Ziel: Schutz. Seit Dienstag läuft in Frankreich die gemeinsame Impfkampagne gegen Grippe und Covid-19 – eine Aktion, die besonders jene schützen soll, die ein hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe tragen. Nach...
Zwei Impfungen, ein Ziel: Schutz. Seit Dienstag läuft in Frankreich die gemeinsame Impfkampagne gegen Grippe und Covid-19 – eine Aktion, die besonders jene schützen soll, die ein hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe tragen. Nach einer ungewöhnlich langen und heftigen Grippewelle im vergangenen Winter soll sich das nicht wiederholen.
Wer soll sich impfen lassen?
Im Grunde alle, die durch Grippe oder Covid ernsthaft erkranken könnten. Dazu gehören laut der französischen Krankenkasse Assurance Maladie Menschen ab 65 Jahren, Schwangere, Personen mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas oder Krebs sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Auch medizinisches Personal und Beschäftigte im Pflege- und Sozialbereich sind aufgerufen, sich impfen zu lassen – ebenso wie Angehörige von besonders gefährdeten Menschen. In Pflegeheimen (Ehpad) und Langzeitpflegeeinrichtungen ist die Impfung ebenfalls ausdrücklich empfohlen.
Neu ist: Auch das Umfeld von Säuglingen unter sechs Monaten soll sich gegen Grippe impfen lassen, um die Kleinsten indirekt zu schützen. Ebenso sollen Beschäftigte, die mit Schweine- oder Geflügelviren arbeiten, eine Grippeimpfung erhalten – um zu verhindern, dass menschliche Influenza-Viren auf Tiere überspringen.
Für die Covid-Impfung gelten weitgehend dieselben Empfehlungen. Zusätzlich sind Menschen mit psychischen Erkrankungen, Demenz oder Trisomie 21 eingeschlossen. Und wer möchte, kann sich grundsätzlich auch dann impfen lassen, wenn er nicht zu den Risikogruppen zählt – kostenlos.
Ein Detail am Rande: Kinder zwischen zwei und siebzehn Jahren erhalten die Grippeimpfung nur dann vollständig erstattet, wenn sie Vorerkrankungen haben. In allen anderen Fällen übernimmt die Krankenkasse 65 Prozent der Kosten.
Wie läuft die Impfkampagne ab?
Ganz praktisch: Wer zur Zielgruppe gehört, hat bereits ein Schreiben mit einem sogenannten bon de prise en charge – einem Kostenübernahmeschein – erhalten. Wer keinen Brief bekommen hat, kann diesen beim Arzt, bei der Hebamme, in der Apotheke oder beim Pflegepersonal anfordern.
Mit dem Schein lässt sich der Impfstoff direkt in der Apotheke abholen oder gleich vor Ort verabreichen. Die Impfung darf auch vom Hausarzt oder einer Pflegekraft durchgeführt werden. Wird der Grippeimpfstoff nicht sofort verwendet, muss er im Kühlschrank gelagert werden – ein simpler, aber wichtiger Hinweis.
Und für alle, die sich gegen beide Krankheiten impfen lassen: Zwischen der letzten Covid-Impfung oder -Infektion und der neuen Dosis sollen sechs Monate liegen – bei über 80-Jährigen oder Immungeschwächten reichen drei Monate. Bei gleichzeitiger Impfung gilt die Faustregel: ein Piks pro Arm.
Welche Impfstoffe stehen bereit?
Fünf verschiedene Grippeimpfstoffe stehen in dieser Saison zur Verfügung. Zwei davon – Efluelda und Fluad – sind speziell für ältere Menschen entwickelt und bieten dort einen verbesserten Schutz. Die bekannten Präparate Vaxigrip und Influvac sind für Erwachsene und Kinder ab sechs Monaten geeignet. Flucelvax wird ab einem Alter von zwei Jahren empfohlen.
Für die Covid-Impfung setzen die Gesundheitsbehörden weiterhin auf den Comirnaty-Impfstoff von Pfizer, in drei Varianten, angepasst an die aktuell zirkulierenden Virusvarianten.
Warum der ganze Aufwand?
Die Antwort ist schlicht: Der letzte Winter war ein Weckruf. Laut Santé publique France hatte die Grippewelle Anfang 2025 eine der höchsten Belastungen in den Krankenhäusern seit Jahren verursacht. Die Zahlen sprechen für sich: Rund drei Millionen Arztbesuche, 30.000 Krankenhauseinweisungen und mehr als 17.000 zusätzliche Todesfälle – über alle Ursachen hinweg.
Besonders problematisch: Die Impfquote lag weit unter den Zielwerten. Nur gut die Hälfte der über 65-Jährigen war gegen Grippe geimpft, bei den Jüngeren mit Risikoerkrankungen sogar nur ein Viertel. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit Jahren eine Quote von mindestens 75 Prozent.
Caroline Semaille, Chefin von Santé publique France, brachte es Anfang Oktober auf den Punkt: „Die Franzosen haben sich zu spät impfen lassen.“ Die neue Kampagne soll genau das ändern – mit klaren Empfehlungen, frühzeitigem Start und doppeltem Schutz.
Denn das Ziel ist nicht nur, schwere Erkrankungen zu verhindern. Es geht auch darum, die Krankenhäuser im Winter zu entlasten, die jedes Jahr an die Grenzen ihrer Kapazität stoßen.
Und vielleicht, Hand aufs Herz, geht es auch um ein Stück Normalität. Um das Gefühl, vorbereitet zu sein, wenn wieder Husten, Fieber und Schnupfen durch die Straßen ziehen.
Die Impfkampagne läuft bis zum 31. Januar – genug Zeit also, um den Schutz aufzufrischen.
Autor: Andreas M. Brucker