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Aktuell · 06.07.2026 12:44

Guide Michelin führt “Grappes” ein – neue Auszeichnung für Frankreichs Winzer

Ab 2026 erweitert der Guide Michelin sein Bewertungssystem um die "Grappes": ausgezeichnet werden Winzerinnen und Winzer, deren Arbeit Terroir, Handschrift und handwerkliche Integrität sichtbar macht. Zum Start stehen Burgund und Bordeaux im Fokus.

Paris – 06.07.2026: Der Guide Michelin, seit Jahrzehnten Referenz der Spitzengastronomie, führt eine neue Auszeichnung ein: die "Grappes" für Winzerinnen und Winzer. Prämiert werden Erzeuger, deren Weine eine erkennbare Ortsprägung, eine konsistente stilistische Handschrift und nachvollziehbare handwerkliche Sorgfalt vereinen. Mit dem Schritt öffnet sich die Marke stärker in Richtung Weinkultur und ergänzt ihr bestehendes Spektrum aus Restaurantsternen und Hotelschlüsseln um ein drittes, auf Herkunft und Produzenten fokussiertes Feld.

Zum Start sind erste Kapitel in zwei traditionsreichen Regionen geplant: Burgund und das Bordelais. Die Auswahl soll ab 2026 schrittweise ausgebaut werden. Nach Angaben des Hauses handelt es sich nicht um klassische Produkt-Rankings oder Punkte pro einzelnen Jahrgang, sondern um eine Auszeichnung für die Gesamtleistung eines Betriebs über mehrere Jahre. Kriterien wie Kontinuität, Terroirtreue, Transparenz in der Arbeit im Weinberg und Keller sowie verantwortungsvolle Bewirtschaftung spielen eine zentrale Rolle.

Strategisch zielt der Vorstoß auf eine breitere Positionierung der Marke Michelin als Medium für Lebensart. In einem Umfeld, in dem soziale Netzwerke Trends beschleunigen und Bewertungen fragmentieren, setzt der Verlag auf kuratierte Auswahl und erzählerische Einordnung. Für die Gastronomie ist der Schritt folgerichtig: Sommeliers und Küchenchefs vernetzen ihre Karten zunehmend mit Produzenten, und Gäste fragen häufiger nach Herkunft, Rebsorten und ökologischen Standards. Die "Grappes" könnten Winzern – insbesondere kleineren, bisher weniger sichtbaren Gütern – zusätzliche Wahrnehmung und wirtschaftlichen Rückenwind verschaffen.

Gleichzeitig wirft die Neuerung Fragen nach Verfahren und Unabhängigkeit auf. Beobachter werden darauf achten, wie Auswahlteams zusammengestellt sind, wie Verkostungen und Betriebsbesuche dokumentiert werden und inwiefern potenzielle wirtschaftliche Verflechtungen offengelegt werden. Michelin betont, dass die Auszeichnung auf wiederholten Begegnungen mit den Betrieben, tiefen regionalen Recherchen und einem klaren methodischen Rahmen basiere. Eine regelmäßige Aktualisierung der Listen ist vorgesehen, um Entwicklungen bei Stil, Qualität und Generationenwechseln abzubilden.

Die Entscheidung fügt sich in eine internationale Dynamik ein: Mehrere Publikationen haben ihre Weinformate in den vergangenen Jahren modernisiert, digitale Guides entstanden, und Produzenten kommunizieren direkter mit ihrem Publikum. Vor diesem Hintergrund kann die Einführung der "Grappes" als kulturpolitisches Signal gelesen werden: Wein wird nicht nur als Handelsgut, sondern als Ausdruck regionaler Identität verstanden. Ob sich das neue Siegel in Handel, Gastronomie und bei Konsumentinnen und Konsumenten schnell etabliert, wird sich mit den ersten Auszeichnungen zeigen.

Quellen

  • Franceinfo
  • MICHELIN (Offizielle Mitteilung)
  • Boursorama
  • The Brussels Times

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