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Alle Artikel · 10.04.2025 06:24

Haïti im Würgegriff der Gewalt: Frankreich erhöht Unterstützung im Kampf gegen bewaffnete Gangs

Die Lage in Haiti gleicht einem Pulverfass. In Port-au-Prince regieren längst nicht mehr die staatlichen Institutionen – sondern bewaffnete Banden, die mit brutalem Vorgehen ganze Viertel kontrollieren. Rund 80 Prozent der Hauptstadt sollen laut...

Die Lage in Haiti gleicht einem Pulverfass. In Port-au-Prince regieren längst nicht mehr die staatlichen Institutionen – sondern bewaffnete Banden, die mit brutalem Vorgehen ganze Viertel kontrollieren. Rund 80 Prozent der Hauptstadt sollen laut aktuellen Schätzungen in der Hand dieser Gruppen sein. Schulen sind geschlossen, Krankenhäuser geplündert, die Straßen unsicher. Der Alltag der Bevölkerung ist von Angst und Gewalt geprägt.

Wenn der Staat kaum noch existiert

Was sich in Haiti abspielt, ist keine gewöhnliche Sicherheitskrise. Es ist ein Zusammenbruch. Rivalisierende Gangs liefern sich offene Kämpfe, Milizen versuchen sich als Selbstjustiz, und die nationale Polizei (PNH) ist häufig schlichtweg überfordert. Hunderte Tote, tausende Flüchtende – und kaum Perspektive auf Besserung.

Vor diesem Hintergrund hat Frankreich sein Engagement auf der Karibikinsel deutlich ausgeweitet.

Frankreich liefert mehr als nur Worte

Um der Polizei Haitis wieder Handlungsspielraum zu verschaffen, stellt Paris umfangreiche Hilfe bereit. Das Paket ist beachtlich: Es reicht von Drohnen, Nachtsichtgeräten und Schutzwesten über Fahrzeuge und IT-Ausstattung bis hin zu Waffen. Aber nicht nur Technik kommt zum Einsatz – auch gezielte Schulungen stehen auf dem Plan.

Spezialisierte Einheiten der haitianischen Polizei werden von französischen Experten ausgebildet. Ziel ist es, die Einsatzfähigkeit vor allem in urbanen Kampfzonen zu verbessern – dort, wo es momentan am heftigsten zur Sache geht.

Militärkooperation "SABRE Haïti" – ein neuer Ansatz?

Ein weiterer Schritt: die militärische Zusammenarbeit. In Martinique wurden Ende 2024 erstmals haitianische Soldaten vom 33. französischen Marineinfanterie-Regiment ausgebildet. Im Fokus: urbaner Häuserkampf, Erste Hilfe unter Beschuss, Waffenhandhabung.

Die Botschaft ist klar: Frankreich will nicht länger zusehen – es will helfen, dass Haiti sich selbst helfen kann.

Internationale Hilfe – zögerlich und unvollständig

Trotz der französischen Initiative: Allein kann Paris das Ruder nicht herumreißen. Die im Oktober 2023 von der UNO gebilligte multinationale Sicherheitsmission (MMAS) kommt nur schleppend voran. Von den versprochenen 1.000 Polizisten aus Kenia waren ein Jahr später gerade einmal 400 im Einsatz – zu wenig, um ein Land wie Haiti nachhaltig zu stabilisieren.

Die Lage ist komplex – und gerade deshalb braucht es ein starkes, koordiniertes internationales Engagement. Frankreich sendet ein Signal – doch viele andere Staaten halten sich auffallend zurück.

Was nun?

Frankreichs Engagement in Haiti ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch damit aus diesem Schritt ein Weg wird, braucht es Ausdauer, Zusammenarbeit und echte Solidarität. Es reicht nicht, Ausrüstung zu liefern – auch politische Reformen, wirtschaftliche Unterstützung und langfristige Entwicklungsstrategien sind gefragt.

Denn solange Gangs mehr Macht haben als die Polizei, ist kein Frieden möglich. Und solange internationale Partner zögern, wird es für Haiti kaum einen Ausweg aus der Gewaltspirale geben.

Bleibt die Frage: Wie lange noch muss ein Land im Herzen der Karibik leiden, bevor die Weltgemeinschaft wirklich hinschaut?

Von Andreas M. Brucker

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