FREITAG, 03. JULI 2026 Anmelden / Beitreten Mitgliedskonto
Zurück

Aktuell · 03.07.2026 10:07

Haruki Murakami grenzt sich bei „The Tale of KAHO“ klar von generativer KI ab

Zum Verkaufsstart seines neuen Romans „The Tale of KAHO“ betont Haruki Murakami, dass erzählerische Intimität und menschliche Erfahrung nicht von generativer KI ersetzt werden können.

Tokyo – 03.07.2026: Haruki Murakami hat zum Erscheinen seines neuen Romans „The Tale of KAHO“ bekräftigt, dass er sich bewusst von Texten absetzt, die mit generativer Künstlicher Intelligenz erstellt werden. In einer zur Veröffentlichung verbreiteten Erklärung hob der Autor die menschliche Erfahrung, den Tonfall und das schwer Sagbare als Kern literarischen Erzählens hervor. Das Buch ist in Japan seit dem 3. Juli in gedruckter und digitaler Form im Handel.

Im Zentrum des Romans steht die 26-jährige Bilderbuchautorin Kaho. Bemerkenswert ist Murakamis Entscheidung, erstmals einen ganzen Roman durch eine alleinstehende weibliche Ich-Erzählerin zu führen. Der Text geht auf eine vierteilige Erzählserie in der Literaturzeitschrift Shincho zurück, die für die Buchausgabe überarbeitet wurde. Große Buchhandlungen in Tokio, darunter Filialen von Kinokuniya, organisierten Mitternachtsverkäufe und Countdown-Aktionen; Bilder langer Schlangen kursierten in sozialen Netzwerken und wurden von internationalen Agenturen aufgegriffen.

In japanischen Medien erschienen zum Start umfassende Porträts und ein Interview, in dem Murakami das Unterscheidungsmerkmal von Literatur gegenüber algorithmisch erzeugten Texten zuspitzte: Es gehe um das, wofür Worte fehlen, um innere Bewegungen und Zwischentöne, die sich nicht in Muster pressen lassen. Fachleute und Kolleginnen in der Literaturszene werten die Aussagen weniger als Technikfeindlichkeit, sondern als Verteidigung einer Schreibpraxis, die von persönlicher Entscheidung, Erinnerungsschichten und bewusster Formarbeit getragen ist.

Der Verkaufsstart fällt in eine Phase, in der Verlage und Autorinnen weltweit mit KI-gestützten Produktionsweisen ringen – von Übersetzungen über Covergestaltung bis hin zu Werkzusammenfassungen. Während einzelne Häuser Pilotprojekte testen, verweisen Autorinnen und Autoren auf Urheberrechte, Trainingsdaten und die Gefahr stilistischer Gleichförmigkeit. Murakamis Stellungnahme liefert einem ohnehin hitzigen Diskurs einen prominenten Akzent und lenkt den Blick auf die Frage, wie literarische Einzigartigkeit gegenüber Nachahmungslogiken bewahrt werden kann.

Für die internationale Rezeption dürfte neben der Geschlechterperspektive die erzählerische Anlage des Romans wichtig sein: die Konzentration auf Stimme, Gedächtnis und Atmosphäre, die Murakamis Werk seit Jahrzehnten prägt. Übersetzungen in andere Sprachen stehen traditionell zeitversetzt an; bis dahin prägen Rezensionen in Japan sowie erste Kurzbesprechungen im Ausland die Wahrnehmung. Dass der Autor seine Haltung zu KI ausgerechnet zum Verkaufsstart formuliert, rahmt die Lektüre zusätzlich – als Einladung, auf jene Unfertigkeit und leisen Brüche zu achten, die gute Prosa lebendig machen.

Quellen

  • Associated Press
  • The Japan Times
  • Shinchosha (Verlegerangaben)
  • Nikkan Sports
  • Agence France-Presse (Medienberichte)

Nachrichten per E-Mail erhalten

Mit dem kostenlosen Mitgliedskonto von France Premium legen Sie fest, welche Hinweise Sie per E-Mail bekommen möchten: sofort bei wichtigen Meldungen oder als ruhige Tageszusammenfassung.

  • News und Tageszeitung nach Ihren Interessen
  • Wetter- und Verkehrshinweise für gewählte Regionen
  • Fußball-Liveereignisse zu ausgewählten Teams
  • Rezepte, Kultur, Veranstaltungen und Premium-Hinweise
Newsletter bestellen

Die Anmeldung ist kostenlos. Sie können Ihre Auswahl jederzeit im Mitgliedskonto ändern oder abbestellen.