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Aktuell · 20.07.2026 21:01

HAS empfiehlt schrittweise Grippeimpfpflicht für Pflege- und Gesundheitsberufe

Die französische Gesundheitsbehörde HAS empfiehlt eine jährlich verpflichtende Grippeimpfung für Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialbereich. Vorrang sollen Pflegeheime und Langzeitpflegeeinrichtungen erhalten.

Paris – 20.07.2026: Die Haute Autorité de Santé (HAS) empfiehlt eine schrittweise verpflichtende jährliche Grippeimpfung für Beschäftigte im Gesundheitswesen und in Einrichtungen der sozialen und medizinisch-sozialen Versorgung. Nach der am Montag veröffentlichten Empfehlung soll die Einführung zunächst Pflegeheime für ältere Menschen sowie Einheiten der Langzeitpflege erfassen. Eine sofortige gesetzliche Pflicht tritt damit nicht in Kraft.

Die Behörde begründet ihren Vorschlag mit dem Schutz besonders gefährdeter Patientinnen, Patienten und Bewohner. Erfasst werden sollen angestellte und selbstständig tätige Gesundheitsberufe, weitere Beschäftigte mit Kontakt zu Menschen mit hohem Risiko für schwere Grippeerkrankungen sowie Studierende medizinischer, pflegerischer und pharmazeutischer Ausbildungsgänge. Die HAS verweist auf weiterhin zu niedrige Impfquoten unter Beschäftigten.

Für Pflegeheime nennt die Behörde einen deutlichen Abstand zwischen Bewohnern und Personal: 82,7 Prozent der Bewohner seien gegen Grippe geimpft, beim Personal liege die Quote bei 21 Prozent. Gerade in diesen Einrichtungen seien schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle bei hochbetagten Menschen besonders relevant. Die HAS sieht zudem Grenzen bei anderen Schutzmaßnahmen, weil Pflegeheime zugleich Lebensorte sind und sich etwa Mahlzeiten nicht dauerhaft unter strengen Infektionsschutzvorgaben organisieren lassen.

Die Umsetzung soll nach Vorstellung der HAS über zwei Jahre erfolgen und bei Bedarf um ein Jahr verlängert werden. Voraussetzung sei ein abgestimmter Rahmen, der die praktische Durchführbarkeit und die Akzeptanz berücksichtigt. Die Empfehlung richtet sich an die politisch Verantwortlichen; für eine verbindliche Impfpflicht wären weitere Entscheidungen des Staates und gegebenenfalls gesetzliche Regelungen notwendig. Die frühere Pflicht zur Grippeimpfung bestimmter Berufsgruppen ist seit 2006 ausgesetzt.

Der Syndicat national des professionnels infirmiers begrüßte die Stellungnahme. Sein Sprecher Thierry Amouroux bezeichnete die von der HAS empfohlene Pflicht als sinnvoll. Der Berufsverband fordert seit längerem eine stärkere Absicherung gefährdeter Menschen durch eine Impfung der sie betreuenden Fachkräfte. Zugleich plädiert er dafür, den Zugang zur Grippeimpfung im beruflichen Alltag möglichst einfach zu gestalten.

Die praktischen Möglichkeiten zur Impfung wurden in Frankreich bereits erweitert. Pflegefachkräfte dürfen den saisonalen Grippeimpfstoff für Personen ab elf Jahren verschreiben und verabreichen, auch wenn diese nicht zu einer besonders empfohlenen Zielgruppe gehören. Damit verfügt das Gesundheitssystem grundsätzlich über mehrere Zugangswege. Die aktuelle Debatte dreht sich nun vor allem darum, ob diese Angebote ausreichen oder ob für Berufe mit engem Kontakt zu vulnerablen Menschen eine verbindliche Regel erforderlich ist.

Quellen

  • Haute Autorité de Santé: Bewertung einer Grippeimpfpflicht
  • Syndicat national des professionnels infirmiers: Stellungnahme zur Impfpflicht
  • Service-Public.fr: Impfkompetenzen von Gesundheitsberufen
  • Légifrance: Aussetzung der früheren Grippeimpfpflicht

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