Aktuell · 26.06.2026 21:48
Hitzewelle in Frankreich: Krankenhäuser unter enormem Druck
Frankreich erlebt eine historische Hitzewelle, die das Gesundheitssystem stark belastet. Notaufnahmen verzeichnen einen deutlichen Anstieg hitzebedingter Krankheitsfälle, besonders bei älteren Menschen.
Paris – 26.06.2026: Seit dem 16. Juni 2026 befindet sich Frankreich in einer außergewöhnlich intensiven Hitzewelle, die nahezu das gesamte Land betrifft. Die Wetterbehörde Météo France hat für 90 Departements die höchste Warnstufe Rot ausgerufen, was fast 91 Prozent der Bevölkerung umfasst. Die Temperaturen erreichen Werte, die an die schweren Sommer der Jahre 2003 und 2019 erinnern, und stellen mit bisher gemessenen Spitzenwerten eine der stärksten Hitzewellen dar, die je zu dieser Jahreszeit registriert wurde.
Die Notaufnahmen in den Krankenhäusern melden seit Tagen einen starken Anstieg der Patientenzahlen, die aufgrund der extremen Hitze behandelt werden müssen. Zwischen dem 18. und 21. Juni wurden täglich zwischen 300 und 450 Fälle von hitzebedingten Erkrankungen wie Hitzschlag, Dehydrierung und Elektrolytstörungen registriert. Am 22. Juni erhöhte sich diese Zahl sogar auf über 650 Notaufnahmen, begleitet von 390 Konsultationen beim ärztlichen Bereitschaftsdienst SOS Médecins. Diese Zahlen nähern sich bereits den historischen Spitzenwerten der Hitzewellen von 2019 und 2025 an.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen: Etwa 60 Prozent der Patienten, die wegen hitzebedingten Beschwerden stationär aufgenommen werden, sind über 75 Jahre alt. Die Region Île-de-France, insbesondere der Großraum Paris, ist schwer betroffen. So wurden etwa im Krankenhaus Argenteuil innerhalb einer Nacht sechs Todesfälle bei älteren Patienten verzeichnet – ein außergewöhnlicher Anstieg im Vergleich zu normalen Sommermonaten.
Als Reaktion auf die Entwicklung hat die französische Regierung den ORSAN-Notfallplan auf Stufe 3 hochgesetzt, um mehr Ressourcen für die Krankenhäuser bereitzustellen. Dies erlaubt unter anderem die Anpassung der Klinikabläufe und die Verschiebung nicht dringender Eingriffe, um Kapazitäten für Hitzefälle zu schaffen. Zudem wurden präventive Maßnahmen ergriffen, etwa das zeitweise Verkaufsverbot von Alkohol in der Hauptstadt, um vermeidbare hitzebedingte Vorfälle zu reduzieren.
Trotz dieser Anstrengungen bleibt das Gesundheitssystem angespannt. Gesundheitsbehörden warnen davor, dass sich die Lage während der anstehenden Sommerferien verschärfen könnte, wenn Personalengpässe hinzukommen. Bereits jetzt gibt es Berichte über eine steigende Zahl von Herzstillständen und eine erhöhte Sterblichkeit im Zusammenhang mit der Hitze.
Neben den Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung führt die anhaltende Hitzewelle auch zu starken Einschränkungen im öffentlichen Leben: Zahlreiche Veranstaltungen wurden abgesagt, und in einigen Gebieten kam es aufgrund der Belastung der Stromnetze zu Ausfällen.
Die Bevölkerung wird dringend aufgerufen, sich an Sicherheitsvorkehrungen zu halten. Besonders ältere und gesundheitlich vorbelastete Personen sollten sich schützen und den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden folgen, um weitere Belastungen für die medizinische Versorgung zu vermeiden.
Quellen
- franceinfo