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À la une · 07.04.2025 06:05

„Ich werde nichts aufgeben“ – Le Pen kämpft trotz Verurteilung weiter

Am Sonntag, dem 6. April 2025, stand die Place Vauban in Paris ganz im Zeichen des Widerstands – zumindest aus Sicht der Anhänger des Rassemblement National (RN). Tausende versammelten sich, um Marine Le Pen...

Am Sonntag, dem 6. April 2025, stand die Place Vauban in Paris ganz im Zeichen des Widerstands – zumindest aus Sicht der Anhänger des Rassemblement National (RN). Tausende versammelten sich, um Marine Le Pen den Rücken zu stärken, nachdem sie wegen Veruntreuung von EU-Geldern zu vier Jahren Haft und einer fünfjährigen Ämtersperre verurteilt worden war.

Eine Szene, die in ihrer Symbolkraft kaum zu übertreffen ist – und Frankreich weiter spaltet.

Le Pen inszeniert sich als Opfer

Inmitten einer aufgeladenen Atmosphäre betrat Marine Le Pen die Bühne. Emotional, kämpferisch, teils trotzig – so präsentierte sie sich ihren Unterstützern. Ihre Worte hallten über den Platz: „Ich werde nichts aufgeben.“ Sie sprach von einem politischen Urteil, einer Entscheidung gegen die Demokratie, gegen sie persönlich – und gegen all jene, die sich vom System vergessen fühlen.

Le Pen erinnerte an ihre Anfänge in der Politik, an Rückschläge, Anfeindungen, an ihre „Härtung durch die Zeit“. Sie inszenierte sich als Kämpferin – nicht nur für sich, sondern für „das wahre Frankreich“. Eine Rolle, die ihr nicht neu ist. Doch diesmal ist die Fallhöhe höher.

Bardella feuert zurück

An ihrer Seite: Jordan Bardella, Parteipräsident des RN und treuer Vertrauter. Mit scharfen Worten attackierte auch er die Justizentscheidung – nannte sie „skandalös“, einen „Angriff auf die Demokratie“. Sein Vergleich mit Donald Trump wirkte dabei nicht zufällig: Auch in den USA polarisierte ein charismatischer Politiker durch seine Auseinandersetzung mit Justizverfahren – mit beachtlicher Rückendeckung seiner Basis.

Bardella stellte klar: Die Bewegung sei nicht tot. Im Gegenteil – sie wachse durch den Widerstand. Der Schulterschluss mit Le Pen scheint das RN enger zusammenzuschweißen. Und genau das macht viele Beobachter nervös.

Gegendemonstrationen und laute Kritik

Während auf der Place Vauban Jubelrufe erklangen, formierten sich nur wenige Kilometer entfernt Gegendemonstrationen. Linke und zentristische Gruppen riefen zur Unterstützung der Justiz auf – mit dem klaren Signal: Niemand steht über dem Gesetz.

Marine Tondelier von den Grünen und Manuel Bompard von La France Insoumise warfen Le Pen vor, gefährliche Verschwörungstheorien zu verbreiten. Das Urteil sei das Ergebnis rechtsstaatlicher Verfahren, nicht politischer Rache. Der frühere Premierminister Gabriel Attal stellte unmissverständlich klar: „Politische Prominenz schützt nicht vor juristischen Konsequenzen.“

Die Botschaft war deutlich – und sie richtete sich nicht nur an Le Pen, sondern auch an ihre Anhänger.

Frankreich zwischen zwei Welten

Der Fall Le Pen zeigt, wie tief die Gräben in der französischen Gesellschaft inzwischen geworden sind. Für die einen ist sie eine Ikone des Widerstands – für die anderen der Inbegriff rechtspopulistischer Gefährdung des Rechtsstaats.

Was bedeutet es, wenn eine verurteilte Politikerin mit einem solchen Rückhalt rechnen kann? Wenn der Glaube an ein „System gegen das Volk“ stärker ist als das Vertrauen in Urteile unabhängiger Gerichte?

Spätestens jetzt wird klar: Der politische Kampf um Frankreichs Zukunft ist nicht nur ein Duell der Programme – sondern ein Ringen um Grundwerte.

Wie geht es weiter?

Die juristische Zukunft von Marine Le Pen scheint vorerst besiegelt – zumindest auf dem Papier. Doch ihre politische Bedeutung ist damit keineswegs verschwunden. Der Applaus auf der Place Vauban spricht Bände. Und das RN – ohnehin auf Aufstiegskurs – wird den Konflikt nutzen, um sich als „verfolgte Stimme des Volkes“ zu inszenieren.

Der Rechtsstaat steht derweil unter Druck, sich gegen populistische Narrative zu behaupten – ohne in politische Reaktionen abzudriften. Ein Balanceakt, der Fingerspitzengefühl verlangt.

Und während das Land diskutiert, skandiert Le Pen weiter: „Ich werde nichts aufgeben.“ Ob das eine Trotzreaktion ist – oder der Beginn einer neuen politischen Strategie?

Von Andreas M. B.

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