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Alle Artikel · 11.04.2025 07:57

Im Pas-de-Calais: Kleine Kioske mit großer Geschichte – Die „Aubettes“ als kulturelle Schätze im Wandel der Zeit

Im nordfranzösischen Pas-de-Calais erzählen unscheinbare Kioske, genannt „Aubettes“, Geschichten von früher – von Zeitungskäufen am Morgen, Bonbonverkäufen nach der Schule und spontanen Begegnungen mitten im Alltag. Einst überall zu finden, gehören sie heute zu...

Im nordfranzösischen Pas-de-Calais erzählen unscheinbare Kioske, genannt „Aubettes“, Geschichten von früher – von Zeitungskäufen am Morgen, Bonbonverkäufen nach der Schule und spontanen Begegnungen mitten im Alltag. Einst überall zu finden, gehören sie heute zu den stillen Zeugen einer Ära, die zunehmend von Betonbauten, Supermärkten und Digitalanzeigen verdrängt wurde.

Doch ganz verschwunden sind sie nicht.

In Städten wie Arras und Boulogne-sur-Mer erleben einige dieser charmanten Bauwerke eine Renaissance. Mit liebevoller Restaurierung und kreativen neuen Nutzungen beweisen sie, dass selbst kleinste Gebäude das kulturelle Gedächtnis einer Region wachhalten können.


Vom Stadtbild kaum wegzudenken – einst

Der Ursprung der „Aubettes“ reicht zurück ins frühe 20. Jahrhundert. Damals schossen sie wie Pilze aus dem Boden – mitten auf Plätzen, an Straßenecken oder in Parkanlagen. Sie sollten den Bedürfnissen einer wachsenden Stadtbevölkerung gerecht werden: Zeitungen, Süßigkeiten, Fahrkarten – alles auf wenigen Quadratmetern.

Ihre Architektur? Oft aus Holz, mit verspielten Details, manchmal bunt gestrichen, immer aber mit einem gewissen nostalgischen Charme. Kein Wunder also, dass sie fester Bestandteil vieler Kindheitserinnerungen sind.

Mit der Zeit jedoch änderte sich das Stadtbild. Einkaufszentren kamen, Smartphones ersetzten den Zeitungskiosk, das Leben wurde schneller – und die kleinen „Aubettes“ verschwanden langsam von der Bildfläche.


Arras: Wo Geschichte und Gegenwart zusammenkommen

Ein Paradebeispiel für gelungene Wiederbelebung steht mitten auf der Grand’Place von Arras. Dort wurde eine alte „Aubette“ behutsam restauriert und in ein modernes Tourismusbüro verwandelt. Statt Zeitung gibt’s jetzt Stadtpläne, Tipps für Sehenswürdigkeiten und ein freundliches „Bonjour!“ zur Begrüßung.

Der Kiosk bleibt dabei nicht nur äußerlich erhalten – seine Funktion als Anlaufstelle bleibt bestehen, nur eben im neuen Gewand. Eine kluge Entscheidung, oder?


Boulogne-sur-Mer: Kultur auf kleinstem Raum

Auch Boulogne-sur-Mer zeigt, dass man alten Bauwerken neues Leben einhauchen kann. Eine historische „Aubette“ wurde hier zum Ausstellungsraum umfunktioniert. Wechselausstellungen lokaler Künstler bringen Farbe und Kreativität zurück auf die Straße – auf wenige Quadratmeter komprimierte Kunst, mitten im Alltag.

Wer hätte gedacht, dass aus einem alten Kiosk ein Mini-Museum werden kann?


Warum diese kleinen Bauten mehr als nur hübsch anzusehen sind

Solche Initiativen sind weit mehr als sentimentale Nostalgie. Sie zeigen: Es gibt Alternativen zur radikalen Erneuerung des Stadtbilds. Die Gemeinden im Pas-de-Calais setzen damit ein Zeichen – für Identität, für Erinnerungskultur und für ein städtisches Leben, das nicht bei Null beginnt, sondern auf Bestehendem aufbaut.

Und sie haben etwas verstanden, das oft übersehen wird: Nicht jedes architektonische Erbe muss groß oder pompös sein, um wertvoll zu sein.

Die Menschen in der Region hängen an „ihren“ Aubettes. Sie sind Symbol für eine Zeit, in der das Leben sich langsamer drehte, Begegnungen spontaner waren und ein Kiosk viel mehr war als nur ein Verkaufsstand.


Herausforderungen? Na klar – aber lösbar

Natürlich ist der Erhalt dieser kleinen Bauwerke kein Selbstläufer. Restaurierungen kosten Geld, Fachwissen und manchmal auch Geduld. Und in modernen Stadtentwicklungsprojekten wirken sie schnell fehl am Platz, wenn man sie nicht sinnvoll einbindet.

Ein Kiosk als reines Deko-Objekt? Das wäre schade.

Deshalb braucht es kluge Konzepte. Etwa, wie man alte Funktionen in neue umwandelt – ohne den Charakter zu verlieren. Ob Infopunkt, Kunstraum oder Café: Die Möglichkeiten sind da, man muss sie nur mutig anpacken.


Ein Stück Vergangenheit mit Zukunftspotenzial

Die „Aubettes“ im Pas-de-Calais beweisen, dass es möglich ist, Tradition und Moderne zu verbinden. Diese kleinen Kioske erinnern uns daran, dass Fortschritt nicht zwangsläufig Zerstörung bedeuten muss – sondern auch Weiterentwicklung sein kann.

Und manchmal braucht es gar nicht viel, um einen Ort mit Leben zu füllen. Ein bisschen Farbe, eine gute Idee und den Willen, Geschichte sichtbar zu machen – schon erzählt ein Kiosk mehr als so mancher Museumsführer.

Ein Reisebericht von V.O.Yager

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