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Aktuell · 10.07.2026 16:45

In Rom stellt Maria Grazia Chiuri ihre erste Fendi-Kollektion vor

Maria Grazia Chiuri hat in Rom ihre erste Kollektion für Fendi präsentiert. Die Schau verband handwerkliche Präzision mit Verweisen auf das Erbe von Karl Lagerfeld und markiert den Beginn einer neuen Ära für das…

Rom – 10.07.2026: In der Galleria Nazionale d'Arte Moderna e Contemporanea hat Maria Grazia Chiuri am Abend des 9. Juli ihre erste Kollektion als Kreativchefin von Fendi gezeigt. Die Inszenierung blieb betont zurückhaltend, doch jeder Schnitt und jedes Material trugen die Handschrift einer Designerin, die zwischen Respekt vor Tradition und dem Wunsch nach Erneuerung balanciert. Der Rahmen im Museum, zwischen Skulpturen und großformatigen Gemälden, schuf eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre, in der die Verarbeitung sichtbar wurde.

Chiuris Entwurfssprache setzte auf klare, oft schlichte Silhouetten, die durch raffinierte Details belebt wurden: abnehmbare Krägen, schmale Riemen, präzise Platzierungen von Taschen und eine kontrollierte Farbskala aus Schwarz, Anthrazit, Schilfgrün und Elfenbein. Glänzende Oberflächen blieben Ausnahme, stattdessen dominierten matte Texturen, die das Spiel von Licht und Schatten im Saal aufnahmen. Viel Aufmerksamkeit galt der Pelzverarbeitung: Die Materialien erschienen überarbeitet, in leichten, teils gelaserten Strukturen und dunklen, unaufgeregten Tönen. So knüpfte Chiuri an Fendis historisches Pelzhandwerk an, ohne auf plakative Effekte zu setzen.

Die Kollektion enthielt deutliche Reminiszenzen an Karl Lagerfeld, der Fendi über Jahrzehnte prägte. Nicht als nostalgische Kopie, sondern als dialogische Referenz: präzise Hemdenschnitte, grafische Krägen, strukturierte Mäntel und ikonische Accessoireformen, die Chiuri in ihre eigene, nüchternere Handschrift überführte. Kontinuität ohne Erstarrung – dieses Verhältnis prägte auch die Accessoires. Taschen wirkten kompakt und funktional, Schmuck reduzierte sich auf wenige, skulpturale Akzente.

Zugleich suchte Chiuri das Kollektiv: Die Modelle traten als Ensemble auf, nicht als Vehikel einer singulären Geste. Die Arbeit mit Texturen und die Betonung des Handwerks verwiesen auf die Fendi-Familie und ihre Tradition der Zusammenarbeit mit römischen Ateliers. In der Abfolge der Looks ergab sich ein Rhythmus aus Strenge und Sanftheit: straffe, fast architektonische Oberteile trafen auf fließende Röcke, feste Twills auf weich fallende Woll-Mischungen.

Die Wahl der Galleria Nazionale gab der Premiere eine bewusste kulturelle Verortung. Mode, Kunst und Stadtgeschichte traten in einen Dialog; die Schau erschien weniger als Markeninszenierung denn als Versuch, Couture als Teil eines urbanen Gedächtnisses zu positionieren. Für Fendi, das zum LVMH-Konzern gehört und eng mit Rom verbunden ist, signalisiert der Auftakt eine Epoche der behutsamen Erneuerung. Chiuri, in Rom geboren und international erfahren, setzt auf handwerkliche Präzision, kontrollierte Formensprache und ein leises Modernitätsversprechen – ein Ansatz, der das Erbe des Hauses aufnimmt und zugleich vorsichtig nach vorn führt.

Quellen

  • Franceinfo
  • LVMH
  • ANSA
  • Vogue France

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