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Aktuell · 22.07.2026 01:31

ITA betont: Nachtkontrollen auf der Tour de France sind kein Schuldnachweis

Nach den nächtlichen Dopingkontrollen bei Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard verweist die International Testing Agency auf die rechtlichen Vorgaben. Parallel wurde das gesamte verbliebene Feld im Rahmen des biologischen Passes getestet.

Thonon-les-Bains – 21.07.2026: Die nächtlichen Dopingkontrollen auf der Tour de France haben die Debatte im Fahrerfeld verschärft. Die International Testing Agency, kurz ITA, stellt jedoch klar, dass eine richterliche Genehmigung für einen Test außerhalb der üblichen Zeiten nicht als Feststellung eines Regelverstoßes verstanden werden darf. Die Agentur verantwortet im Auftrag des Radsport-Weltverbands UCI das unabhängige Anti-Doping-Programm der Rundfahrt.

Im Zentrum der Diskussion stehen Kontrollen in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 2026. Tadej Pogacar wurde gegen 5.00 Uhr, Jonas Vingegaard gegen 2.00 Uhr getestet. Nach Angaben der Pariser Justiz hatte die ITA zuvor einen Richter für Freiheitsrechte und Haft am Tribunal judiciaire de Paris angerufen. Dieser genehmigte die Maßnahmen nach dem französischen Sportgesetz.

Gerade darin liegt die heikle Nuance dieses Vorgangs. Für einen Nachttermin verlangt das Gesetz gravierende und übereinstimmende Verdachtsmomente sowie das Risiko, dass Beweise verloren gehen könnten. Die ITA betont dennoch: Die Genehmigung selbst ist kein Beleg für einen bestätigten Dopingverstoß. Ein positives Analyseergebnis oder ein eröffnetes Verfahren gegen einen Fahrer wurde im Zusammenhang mit diesen Kontrollen nicht bekanntgegeben.

Der Kontrollplan der ITA ist bewusst auf Risikofaktoren und Erkenntnisse zugeschnitten. Vor dem Grand Depart in Barcelona wurden nach Angaben der Agentur mehr als 360 Trainingskontrollen bei erwarteten Tour-Startern vorgenommen. Während der drei Rennwochen sind rund 600 Proben vorgesehen. Gelbes Trikot und Etappensieger werden regelmäßig getestet, dazu kommen gezielte Blut- und Urinproben im gesamten Peloton.

Am Montag, dem 20. Juli 2026, erhielt zudem jeder noch im Rennen befindliche Fahrer eine Blutkontrolle für den Athletenbiologischen Pass. Diese zusätzlichen Proben sollen Veränderungen relevanter Blutwerte im individuellen Langzeitprofil sichtbar machen. Nach Informationen von Reuters fanden diese Tests vor 23.00 Uhr statt. Sie unterschieden sich damit klar von den umstrittenen Eingriffen tief in der Nacht.

Für die Fahrer bleibt die Frage der Verhältnismäßigkeit zentral. Die internationale Fahrergewerkschaft CPA kritisierte die Störung der Regeneration in einer entscheidenden Phase der Rundfahrt. EF-Teamchef Jonathan Vaughters hält dagegen: Gerade unangekündigte Tests in der Nacht könnten Mikro-Dosierungen von EPO, Wachstumshormon oder Testosteron wirksamer abschrecken. Zwischen Schutz der Privatsphäre und dem Kampf um Glaubwürdigkeit fährt die Tour damit auf einer besonders schmalen Linie.

Quellen

  • International Testing Agency
  • L'Equipe
  • Reuters
  • Franceinfo

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